Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Der Männerstammtisch

3 Kommentare

Die Jungs, mit denen ich so meinen Tag verbringe, waren heute ganz euphorisch. Schuld war ein Handballspiel, genauer: eine Spielerin. Irgendein Ding mit langen Beinen und wenig Kleidung, das sich auf Fotos vor allem mit glänzenden Lippen und spärlichen Stofffetzen am Körper zeigte. Sie waren begeistert, die Jungs, die eigentlich schon Männer sind. Manchmal, da vergessen sie sich.

Nun, in unserem Büro – dort, wo das Vermischte und der Sport sitzen – da geht es gerne einmal rund. Thematisch ist alles drin, zwischen Sex und schwitzenden Leibern auf staubigen Plätzen – da können die Hormone gerne schon einmal durchgehen. So mit uns.

Und wenn die Männer ihre Zoten reissen, dann reisst es mich manchmal mit. Ich kann auch Stammtisch und ich bin stolz drauf. Jawohl. Aber auf die sechs Sätze voller Männlichkeit aus meinem Mund folgt schnell der männliche Kater in Form von Schweigen.

Denn: Was vorher noch gut und richtig und total toll war, verliert seinen Reiz, wenn eine Frau das sagt. Dann sinkt die Temperatur im Raum plötzlich und man hört: „Och, (hier den eigenen Namen einsetzen).“ Enttäuschung schwingt mit.

Denn zotige Witze rund um Körperflüssigkeiten und Dinge, die man auf einer Sportmatte so tun kann, die sind nur witzig, wenn ein Mann sie zu Gehör bringt. Sagen Männer. Frauen, die sollen lieber schweigen und die Dinge auf der Matte tun – aber es doch bitte nicht kommentieren.

Fällt dieser Themenkomplex eigentlich auch in den Bereich, in dem sich die Aussage „Frauen haben keinen Stoffwechsel“ befindet? Ist das eine Schublade im männlichen Gedankenapparat, die Frauen auf keinen Fall öffnen und noch viel weniger füllen dürfen?

So sehr ich auch darüber nachdenke: So richtig klar wird mir einfach nicht, warum Frauen im Männerbeisein keine zotigen Dinge sagen dürfen, während Männer sich dieses Recht aber herausnehmen – ja, es geradezu zelebrieren.

Ich erinnere mich an einen Tag, da wurde ich einfach als Frau mit sensiblen Öhrchen übersehen. „Wo keine Frau, da schlecht ***** lecken“, sagte ein Mann zu seinen Kumpels. Und sie alle lachten. Ich traute mich nicht auszuprobieren, was passieren würde, drehte ich diesen Spruch um, münzte ihn auf Männer. Dann wären die Anwesenden wohl speiend und fluchend vom Ort des Geschehens geflüchtet.

Ähnlich ist es ja mit dem, was auch – so scheint es – in der Schublade mit achtteiligem Zahlencode liegt. Wie viele Männer habe ich schon gehört, die in allen Einzelheiten über ihre Darmtätigkeit am Morgen und die Wirkung von Kaffee auf eben diesen schwadronierten. Da klopfte man sich gegenseitig auf die Schulter, stolz auf den Kumpel, weil dessen Darm so ein aktives kleines Ding war und ist. Beinahe wie beim Fußball wird beglückwunscht, angefeuert und analysiert. Ich wage zu behaupten: einer Frau würden sie die rote Karte zeigen, würde sie ihrem Darm in der Öffentlichkeit solch ein Forum bieten.

Wie groß wäre das Entsetzen, wenn eine Frau sich in solch ein Gespräch einmischen würde… Das Gerede wäre wohl schnell vorbei. Allerdings auch nur, bis die nächste Sportlerin sich nackt in einem Volleyballnetz auf einem kalten Turnhallenboden räkelt. Dann gibt es wieder wichtige Dinge zu bereden. So unter Männern.

Es ist aber auch ein wenig süß, weil es zeigt, wie schlicht Dinge sein können, um Menschen (Männer) zu erfreuen. Ein Werbeprospekt mit einem riesigen Fernseher und einer Frau im Bikini daneben, die den Preis hochhält, und der Tag ist gerettet. Wir Frauen, wir hätten gerne ein Vergleichsangebot und die Frau würden wir geflissentlich übersehen, weil sie uns nur an unsere eigenen Unzulänglichkeiten erinnern würde.

Vorurteile? Privat finanzierte Studien (meine also) beweisen: An einigen Vorurteilen ist etwas Wahres dran. Check it out!

Advertisements

3 Kommentare zu “Der Männerstammtisch

  1. 😀 Ich beginne meinen Kommentar mit einem Lachen. Sehr schön geschrieben!
    Ich behaupte einfach mal, dass ich – auch wenn ich natürlich nie, nie, nie selber welche reiße – geschlechtsblind mit Zoten etc. umgehen kann, auch wenn mich diese Fähigkeit im Leben wohl nie weiter bringen wird. Wenn wir uns das nächste mal sehen, können wir das ja mal auf die Probe stellen. 😉
    Und dann ergründen wir mal gemeinsam, welche Ursachen Deine Jungs so davon abhalten, Dich mitspielen zu lassen.

    Jetzt geh ich aber erstmal… aber sowas von!
    Mann, hab ich einen Durst!

  2. Ich bestätige hiermit, dass ich sehr zotig sein darf. Und ich kenne noch mehrere andere Männer, die das lustig und cool finden.

  3. Die zotelige Kesro 😀

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s