Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Die Schublade

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Wer wohl in der Schublade liegt?

Wer wohl in der Schublade liegt?

Meine Socken liegen in der obersten linken Kommodenschublade, die Bettwäsche rechts unten. Meine Eierlöffel liegen ganz vorne in der obersten Küchenschublade, Muffinförmchen stehen im rechten Küchenschrank. Ich bin eine Chaotin, aber auch ich habe Orte für Dinge, damit ich sie schneller finde. Schubladen sind praktisch, Schränke auch – nicht nur deshalb, weil man das Chaos in ihnen verschwinden lassen kann und dennoch alles ordentlich aussieht. Von Außen. Auf den ersten Blick. Für Besucher.

Wir neigen aber nicht nur bei Gegenständen dazu, unsere Welt in Schubladen zu ordnen. Das ist einfach und manchmal durchaus legitim, weil man nicht alles verstehen kann und die Einordnung in Schubladen für uns vieles erleichtert.

Manchmal aber wird man selber in eine Schublade gesteckt, in der man sich gar nicht wohl fühlt. So ist es eben mit Kategorien und Labels. Sie können uns nur oberflächlich beschreiben, greifen nicht immer tief genug.

Ich sprach mit Laura von L.E. Catwalk über das Thema. Wir fühlen uns beide nicht ganz wohl mit den Kategorien, in die man uns steckte.

Sie, die Modebloggerin. Ich, die Mädchenbloggerin.

„Wir sind doch mehr“ war das Fazit des Gesprächs. Mehr als Modeblog, der aus Schminktipps und Glitzer besteht, mehr als Mädchenblog, der aus teil-amüsanten Berichten aus dem Leben besteht.

Schubladen, Kategorien und Label sind gut, wenn man sich oberflächlich orientiert. Sobald man aber näher darüber nachdenkt, merkt man, dass man noch viel mehr Schubladen bräuchte. Für jeden Menschen eine, aber vielleicht zwei. Aber wie soll man in verschiedenen Schubladen sein?

Manche Schubladen sind so groß, da passt im Prinzip jeder rein. Bestes Beispiel: Generation Y – also all die, die mit dem Internet aufgewachsen sind. Und schon bin ich in einer Schublade mit Menschen eingesperrt, mit denen ich mir nicht einmal eine Straßenseite teilen würde.

Uneigentlich eigentlich springen wir zwischen den Schubladen hin und her. Wir sind so vieles und manchmal ist man es nur für einen Tag, ein Wochenende. Wir gehen weg und tanzen, der Rock kurz, die Lippen rot – und sind am Montag wieder jemand anderes. Es müsste eine Schublade geben, die TanztAmWochenendeAberMontagsNichtMehr heißt. Oder BloggtÜberModeAberStehtGarNichtAufGlitzerUndWill-VerdammtNochMal-NichtAlsLitfasssäuleFürDesignerGesehenWerden. Oder SieIst32JahreAltUndJaVielleichtSchreibtSieManchmalÜberMädchenSachenAberEigentlichWillSieDochNurPfannkuchenUndZumFußball.

Es ist schwierig. Auf der einen Seite ermöglichen Schubladen, Menschen, Erfahrungen und Dinge abzulegen. Wir wissen, wo sie dann sind, welche Schubladen wir lieber nicht öffnen, welche wir mit Klebeband luftdicht verschließen und welche wir öffnen können, wenn wir uns freuen oder freuen wollen. Auf der anderen Seite stört es uns selber, irgendwo zu liegen, weil wir wissen, dass wir mehr sind. Wir wissen, dass wir ohne Grund in einer Schublade liegen, wir wissen, dass wir nicht in die Zickenschublade gehören. Dass wir in der Fußball-Fan-Schublade nur ungern sind, weil die Definition nicht genug unterscheidet. Wir fühlen uns bei den Mädchen unwohl, weil im Juni der 33. Geburtstag ansteht und das mit der Mode gefällt auch nicht, weil wir mehr können, als Steine auf eine Jeansjacke kleben und uns vor Mutters Narzissen fotografieren zu lassen.

Tja und nun? Keine Ahnung. Bessere Beschreibungen als Modebloggerin und Mädchenbloggerin? Anyone?

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3 Kommentare zu “Die Schublade

  1. Wie wärs mit „Mensch mit Leidenschaft“ als Alternativbeschreibung? Zumindest alternativ für Modebloggerin und Mädchenbloggerin. Das verrückte ist ja, dass wir im Allgemeinen Schubladendenken furchtbar verurteilen und „Pfui, jeder ist schließlich wie er ist und sein will und das ist auch gut so, also lasst uns nicht alle in Schubladen packen wollen!“ Als Mitglied einer gesellschaftlichen Randgruppe *Zähneknirsch bei diesem Begriff* will ich doch erst Recht nicht in eine Schublade gesteckt werden. Es macht mich richtig rotbäckig, wenn ich dran denke, wie oft ich selber in Schubladen denke. Ne Lösung hab ich auch nicht. Doch wie man bei StudiVZ früher schon sagte: …aber ich bewundere das Problem.

  2. Bin ich jetzt ein Mädchen, weil ich als Mann deinen Blog lese?

  3. Ach, und dann kommt ja noch hinzu, dass man nicht immer auch die Blogs liest, die die Themen haben, über die man selber schreibt…. es ist kompliziert. 😉

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