Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Der Muttertag

2 Kommentare

Klein-Ulrike mit der Geburtstagsmutter.

Klein-Ulrike mit der Geburtstagsmutter.

Als meine Mutter so alt wie ich war, da hatte sie bereits drei Kinder. Ich war 14 Jahre alt und ein pubertierendes Greuel, mein kleiner großer Bruder war zwölf und träumte davon, Figuren-Entwickler bei Lego zu werden und der kleinste Bruder war sechs Jahre alt, kurz davor, eingeschult zu werden. Heute hat meine Mutter Geburtstag und der rechenfreudige Leser kann sich einmal überlegen, wie alt sie werden könnte.

Es ist nicht immer leicht mit Müttern. Und vermutlich atmet jetzt jede lesende Mutter mit den Worten „Mit Kindern auch nicht“ aus.

Wenn Menschen zu mir sagen, dass ich ein Steh-Auf-Fräulein bin, weiß ich, dass ich es nur bin, weil ich mit meiner Mutter ein ebenso schönes wie gutes Vorbild hatte. Und dass ich bei Wutanfällen immer erst einmal eine Stunde spazieren gehe, habe ich auch ihr zu verdanken.

Ich war ein grausamer Teenager und ich hoffe, dass meine zukünftigen Kinder diese Seite nicht von mir erben. Aber die Welt hat Humor und vermutlich werde ich es zurückbekommen, all das Gekeife und Geschrei, die fliegenden Teller und Becher und den Starrsinn.

Meine Mutter hatte eine gute Methode, um mich runterzubekommen: Kälte. Ich wurde ins Auto verfrachtet und in den Hammrich (also Weiden und Wiesen) gebracht und durfte nach Hause laufen. Kein Mensch da, ich schrie und tobte, beschimpfte wehrlose Bäume, die unter dem Herbstwind schon genug zu leiden hatten. Meine Mutter saß währenddessen schon wieder in der warmen Küche, hatte Tee gemacht und wartete auf meine Rückkehr. Und wie durch ein Wunder war ich nach mehreren Kilometern Fußmarsch wieder ein reflektierender Mensch, mit dem man ansatzweise Gespräche führen konnte.

Meine Mutter war auch während der Ehe mit meinem Vater eigentlich immer allein mit uns; ihr ist es zu verdanken, dass es Gefühle von guter Kindheit gibt, von Geborgenheit, Wärme und Sicherheit. Und was lässt sich besseres über eine Mutter sagen?

Natürlich habe ich sie zwischendurch auch gehasst; in der Kinder- und Jugendlichen-Welt sind vor allem die Mütter keine eigenständigen Personen. Sie sollen gefälligst für einen da sein, morgens schon mit Liebe für all unsere Fehler aufwachen und den Abend mit einem Kuss auf unsere Stirn beenden, mit einem Blick, der sagt: „Du bist das tollste Kind der Welt, auch wenn Du heute Dein Zimmer nicht aufgeräumt hast, bereits am 10. des Monats um einen Vorschuss für das Taschengeld gebeten hast, eine Fünf in Mathe mit nach Hause brachtest und dann auch noch erwartest, dass Du am Wochenende viel länger als verabredet wegbleiben darfst“.

Wenn ich heute an meinen Freundinnen im Norden der Welt sehe, wie anstrengend es sein kann, eine Mutter zu sein, wie sehr sie ihre Kinder lieben und für ihr Glück und ihre Zufriedenheit kämpfen, wenn ich darüber nachdenke, wie wenig meine Mutter schlief, wie sie versuchte, eine unhaltbare Familie zusammenzuhalten, dann schäme ich mich beinahe ein wenig. Für meinen Egozentrismus, meine Zickigkeit, meine willentlichen Verletzungen.

Die herausragendste Eigenschaft meiner Mutter ist vermutlich die Fähigkeit, über sich selbst zu lachen. Sie hat es nicht leicht: zwei ihrer drei Kinder sind mit einem furchtbaren Humor gesegnet. Dass sie einst bei DSDS einschlief und mit dem Kopf gegen die Wand knallte, was aufgrund der Bauweise für ein hohles Klocken sorgte, wird sie noch in 20 Jahren ständig zu hören bekommen. Die „Deine Mutter“-Sprüche meines Bruders und mir hört sie sich mit einem Lächeln an, nur bei „Deine Mutter lässt Salat anbrennen“ flogen wir lachweinend aus der Küche. Wohlgemerkt: Ich mit 30 Jahren, mein Bruder mit 22 Jahren. Manche Dinge ändern sich nie.

Alles Liebe und Gute zum Geburtstag, Muttern. Und danke für Alles <2 (<- ich habe nur ein Kleinerzweiherz, mit ganz wenig Platz).

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2 Kommentare zu “Der Muttertag

  1. Was für ein schöner Text ❤

    Und am Ende musste ich dann auch herzhaft lachen… Salat anbrennen, der Spruch ist so cool. Und trifft vor allem voll auf meine eigene Mutter zu 🙂

    LG
    Nathalie

  2. Hachz, Ihre Frau Mutter hat einen beeindruckend pragmatischen Sinn für den Umgang mit wutschnaubenden Töchtern: Aussetzen im Hammrich, das hört sich enorm wirksam an. Chapeau! Und überhaupt: Herzlichen Glückwunsch an deine Mutter unbekannterweise!

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