Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Der Übergrößenmantel in 38

34 Kommentare

jslkdlja

Schuhe, Kleidung… Es kommt drauf an, wie man es trägt.

In Berlin läuft die Fashion Week und drei Tage war auch ich vor Ort. Arbeit. Lächeln, sich halbwegs geschminkt und vernünftig angezogen auf den verschiedenen Veranstaltungen zeigen, Kollektionen ansehen, die man sich nie im Leben leisten können wird und vermutlich auch nicht möchte. Manches macht dort Spaß, manches weniger.

Auch der Besuch einer Messe gehörte dazu, die sich den Kleidungsstücken für Übergrößen widmet. Übergrößen, lernte ich dort, Übergrößen fangen bei 38 an. Ich kenne genügend Menschen mit 38 und keiner davon ist „übergroß“.

Ich trage 42/44, meist eher 44. Ich bin 1,74 Meter groß. Sicherlich bin ich nicht schlank, ich bin mopsig, vor allem am Bauch an der Hüfte. Dafür habe ich eine schmale Taille, ich habe recht große Brüste. In den 1950er Jahren hätte ich vielleicht Pin-Up-Girl werden können. Heute bin ich für alles zu dick.

In der Schule, vor allem so in der 7. bis 9. Klasse, war ich immer mit eine von den Größten. Ich überragte die meisten meiner Mitschüler, was sich dann zum Glück irgendwann gab, weil ich nicht mehr wuchs, die anderen aber. „Fett“ nannten mich meine Mitschüler, obwohl die Bilder von damals keinen dicken Menschen zeigen; sondern einfach mich, größer als alle anderen.

Ich habe darunter ziemlich gelitten. Bis in das Studium hinein hat es mich verfolgt, das „fett“, das Gelächter hinter meinem Rücken. Weil mit „fett“ auch immer gleich „hässlich“ verbunden wird und ich mich ab einem bestimmten Punkt nicht mehr nur „viel zu dick“ sondern auch „hässlich“ fand. Meine Freunde widersprachen mir, sprachen über meine Augen, meine Intelligenz: Ich hörte es nicht, weil das Wort „hässlich“ über mir schwebte, das „hässlich“ in jeder Umkleidekabine bestätigt wurde. Ich traute mich nicht, Männer anzusprechen und wurde für alle nur der „gute Kumpel“ – eine Rolle, die ich mir selber gab, weil ein Kumpel nicht schön sein muss; man muss gut mit ihm Fifa spielen können, Bier trinken.

Irgendwann fand ich mich mit mir ab. Ich sah meine Stärken, auch die optischen. Ich habe ziemlich blaue Augen mit natürlich lang-schwarzen Wimpern, mein Hintern ist ganz hübsch und vor einem Jahr merkte ich, dass mein Mund eine hübsche Form hat.

Mit meinen Lippen haderte ich lange. Eine Kosmetikerin riet mir vor einigen Jahren, meine Lippen nicht zu betonen, besonders meine Oberlippe sei wulstig. In der Folge benutzte ich jahrelang keinen Lippenstift, nicht einmal Gloss und stellte mich mir in der Außendarstellung als ein Mensch vor, der einen wahnsinnig kleinen Körper hätte, der nur aus Bauch und Mund bestand. Ich habe mich selber so sehr für mich geschämt, dass ich immer wieder weinend vor dem Spiegel stand und manchmal nicht aus dem Haus mochte.

Ich ernähre mich gesund, bewege mich regelmäßig, von meiner Kleidungsgröße komme ich nicht runter. Es ist mittlerweile in Ordnung so. Weil ich gelernt habe, dass es darauf ankommt, wie man seinen Körper trägt. Wir sagen immer, dass es bei Kleidung darauf ankommt, wie man sie trägt. Aber es geht tiefer. Sicherlich hadere ich gern und viel zu sehr mit mir. Aber ich versuche dann, an meine Stärken zu denken, an das, was mich ausmacht. Es ist in meinem Kopf nicht mehr mein zu dicker Bauch, der „Ulrike“ ausmacht. Ich habe mich selber reduziert, obwohl ich es ablehne, wenn andere Menschen es tun.

Aber wenn ich auf diesen Messen stehe, dann fühle ich in mir wieder mein Ich aus der 7. Klasse hochkommen. Als ich erfuhr, dass die Partyfotografen eigentlich keine Menschen fotografieren, die nicht in eine bestimmte Kleidergröße passen, traf mich das. Offenbar sind diese Menschen nicht gut für die Außenwirkung einer Party. Wenn Übergrößen bei 38 anfangen, was sagt das über unsere Gesellschaft aus?

38, das ist ein Hüftumfang von 90 bis 94 Zentimetern. 90 Zentimeter Hüfte gilt nach 90 – 60 – 90 als ideal und dennoch ist es offenbar nicht „normal“ genug. Denn „Übergröße“ impliziert, dass es nicht normal ist; das darunter es aber sehr wohl ist.

„Curvy ist sexy“ heißt die Messe, auf der die „großen Größen“ vorgestellt werden und es wirkt, als müsste betont werden, dass Kurven sexy sind. Dinge, die man betont, die sind gefährlich. Wenn sich ein Betrieb als „ehrlich“ bewirbt, muss man sich fragen, warum dieses Unternehmen das hervorhebt: die Ehrlichkeit sollte doch eine Selbstverständlichkeit sein. Und so ist es auch mit „sexy“. „Sexy“ ist eine Einstellung. Und – VERDAMMTE AXT – von allen Seiten soll uns diese Einstellung kaputtgemacht werden.

Nach drei Tagen zwischen extrem dünnen Menschen und Kleidung in 38, die auf Übergrößen-Messen gezeigt wird, schwanke ich zwischen Wut und Selbstzweifeln. Und die möchte ich nicht zulassen und ich möchte vor allem nicht, dass Mädchen, die jetzt gerade in der siebten, achten oder neunten Klasse sind, noch zehn Jahre warten müssen, bis sie erkennen, dass sie mehr sind als die Bezeichnungen „fett“, „hässlich“ und „über“. Dass man eine Bikini-Bridge haben kann, aber nicht muss. Und dass Anziehungskraft nichts mit Körpermaßen zu tun hat. Sondern damit, wie man sich fühlt, wie man sich – seinen Körper und seinen Charakter mit allen Eigenarten, Stärken und Schwächen – trägt.

„Wir sind uns des Problems bewusst“, sagte der Vertreter eines Labels auf der Messe zu mir. Eine Lösung wusste auch er nicht. Und zeigte dann der nächsten Einkäuferin einen Übergrößen-Wintermantel in 38.

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34 Kommentare zu “Der Übergrößenmantel in 38

  1. Das ist ein ganz toller Text, der eine ganz essentielle Wahrheit anspricht: Nicht von anderen vorschreiben lassen, wie man seinen Körper zu finden hat.

    Und Du hast einen tollen Mund, mit oder ohne Lippenstift.

  2. Dank für den schönen Text.

  3. Hm. Ich war ja gestern auch auf der Curvy is sexy. Die Models dort hatten 42/44 (was die kleinste Größe war, die ich auf bei allen Curvy-Labels gesehen habe.) Das weiß ich auch, weil mir eine Modedesignerin vor Ort erzählt hat, dass sie ihre Ausstellungsstücke in 48 dabei hat und deshalb keine Show laufen lassen wollte (wenn das nicht gut passt, sieht das nur sackartig aus.) . Ich habe mich auch mit einigen Modedesignern dort unterhalten und war positiv überrascht, wie offen lebendig und mit Leidenschaft einige (sicher nicht alle) sich den besonderen Herausforderungen der Großen Größen stellen (ich trage selbst 48!). Meine Info vor Ort war auch, dass wirkliche Übergrößen rein schneiderhandwerklich erst ab 48 anfangen. (Ab da müssen die Schnitte wirklich anders sein, wurde mir mehrfach bestätigt, fand ich sehr spannend.) Insgesamt war ich von meiner ersten“ curvy ist sexy“ sehr angetan. Und blogge da sicher auch noch drüber:).

    • Ich hatte bei zwei Labels angefragt, weil ich sehr verwundert war. Die bestätigten mir: ab 38 – welche Größen dann dort hingen, hing teils von den Unternehmen ab. Ganz hinten, noch hinterm Laufsteg, hingen aber Mäntel und Pullover in 38. Leider.

      • Puh. Lese das auch gerade auf der Website der Cury-Organisatoren. Ts. Die Stände habe ich leider übersehen:). (schade, hätte ich gerne fotografiert, Große Größen ab 38 ist einfach ZU lächerlich….) Ich habe überall in Kleider ab Größe 44 gegriffen, wenn mir was gefallen hat…. und ich hatte im Laufe des Tages mit ca. 6-7 Labels gesprochen, die alle erst ab 42 von Große Größen sprechen (und produzieren) – einige machen allerdings „nur“ Kleider bis Größe 52/54. Wenige dann bis Größe 62. Ich war mit einer Freundin da, und wir haben auch sehr bewusst geschaut, welche Fotomodels die Labels repräsentieren. Die meisten arbeiten ja wie z.B. Ulla Popken mit Frauen, die höchstens 38 tragen, vielleicht noch 40 (würde ich mal schätzen).

        Mir hat zum Beispiel Zizzi sehr gut gefallen. 1. war das Modell auf den Fotos wirklich mal etwas fülliger (ich frage mich ja immer, ob sie die ganzen Klamotten bei Ulla Popken für deren Fotomodels auf 38 runterschneidern – kaufen kann man da doch auch erst ab 42) – und vor allem hatte Zizzi einige Kleiderpuppen, die tatsächlich Größe 44 tragen konnten. Das sieht man ja eher selten. Und schon gar nicht auf der Modemesse. (Überhaupt waren mir die dänischen und niederländischen Labels sehr sympathisch.)

        • (ansonsten gehe ich voll d’accord mit deinen Gedanken – habe ähnliches als Schülerin erfahren und hadere bis heute mit dem Thema (und mir sagte eine Kosmetikerin, dass ich ja so eine sehrDÜNNE Oberlippe habe ^^) – wollte nur meine Eindrücke ergänzen.)

  4. Klasse Text und Zustimmung zu allem. Mir selber macht das mit den „Übergrößen“ nichts aus. Allerdings hatte ich das „Glück“, in der 7.-9. Klasse extrem dünn zu sein. Ich war es eigentlich bis zur 2. Schwangerschaft. Jetzt trage ich 42, manchmal 44. Und bin glücklich damit. Freilich, ich legte mit über 30 zu, also in einem Alter, da man schon wissen sollte, dass es auf mehr ankommt als Taillenumfang usw.
    Dafür aber, wenn ich mir Fotos von früher ansehe, besonders die im Bikini, frage ich mich, wie ich das Menschen zumuten konnte! 😉 Da guckt jede Rippe raus. Und ich frage mich vor allem, warum mir die Leute damals nicht ständig gesagt haben: Mädchen! Iss was! Nun, vielleicht würden sie dafür heute hinter vorgehaltener Hand vermuten, dass ich magersüchtig bin. So was gabs eben vor 35-40 Jahren nicht. Ich war auch nicht magersüchtig. Nur eben extremst dünn. Wenn ich an meine Freundinnen von damals denke, könnte ich nicht sagen, wer, nach heutigem Massstab zu dünn, oder wer gar fett war. Ehrlich nicht! Ich habe gerade eine halbe Stunde angestrengt darüber nachgedacht. Und ich komme zur selben Frage, die Du stellst: Was sagt das über eine Gesellschaft aus, wenn Körpermaße so wichtig geworden sind?

  5. Ich selbst würde von mir sagen, daß ich nicht auf Dicke stehe. Trotzdem schätze ich die richtigen Rundungen an einer Frau sehr. Und wenn man es anatomisch-genau nimmt, dann sind es gerade die Rundungen, die eine Frau zur Frau machen. Eine Bohnenstange ohne Hüften und Busen sieht einfach nur wie eine Stange aus. Im schlimmeren Fall wie ein Mann, im noch schlimmeren wie ein Transvestit und im schlimmsten Fall wie ein geklonter Roboter. Am allerschlimmsten bei solchen Messen sind Unterwäschevorführungen. Fällt außer mir niemandem auf, daß es kein bißchen sexy ist, wenn Frauen mit Größe 32 einen Bikini tragen? Da kann man das Zeug doch gleich an einen Laternenmast binden! Vielleicht bin ich als Mann da einfach komisch drauf?

    Und dann liest man die Größenstatistiken. Sowohl Männer als auch Frauen sind größer geworden über die letzten 30 Jahre. Und ich rede jetzt erstmal nur von „Höhe“. Wenn man aber nach oben wächst, muß auch der Rest des Körpers die Proportionen halten. Vielleicht war Konfektionsgröße 38 in den 50er Jahren mal oversize, weil die Durchschnittsfrau dort gerade mal 1,60m erreichte. Heute sind 1,70-1,75m der Standard, da würde ich Größe 38 als Schnitt ansehen oder vielleicht sogar untere Grenze. Und überhaupt: oversize oder undersize? Das ist und bleibt eine Frage der Proportionen, eine 1,50m große Frau mit Größe 40 wird dicklich wirken, eine 1,80m große Frau eher schlank. Ein Mode-Mensch wird auch noch die 1,80m große Frau mit Größe 36 als dicklich ansehen, das liegt an diesem völlig durchpervertiertem Job, weil Modemagazine es so wollen und natürlich: es ist einfacher, was für einen Laternenmast zu entwerfen (alle gleich) als auf individuelle Bedürfnisse einzugehen. Die Industrialisierung hat hier also zur Gleichmacherei geführt. Angesichts von im Netz kursierenden Schnittmustern & 3D-Druckern hege ich aber die Hoffnung, daß diese Industrie genausowenig gebraucht werden wird wie diejenigen, die heute noch Nägel oder sowas herstellen. Und erst, wenn die Masse die Deutungshoheit der Mode wieder an sich gerissen hat (wie bei Musik z.B. in Zeiten des Internets), werden wir wieder in Richtung Normalität kommen. Aber momentan ist es eher eine Hoffnung…

  6. „Fällt außer mir niemandem auf, daß es kein bißchen sexy ist, wenn Frauen mit Größe 32 einen Bikini tragen? Da kann man das Zeug doch gleich an einen Laternenmast binden!“

    @UWP, ich hab gelacht bei dem Satz, aber eigentlich ist das widerum auch ungerecht: Ich trage Größe 34, schon seit Jahren – weil ich einfach nicht zunehme, da kann ich noch so viel essen. Und anhören musste ich mir viele Jahre: Bist du magersüchtig? Warum isst du nicht einfach mehr?! Diese gesellschaftliche Fixierung auf den Körper ist furchtbar – er gehört doch mir, ich bestimme darüber!

    Und @Ulrike: Das ist ein großartiger, erschreckender & wichtiger Text! Wenn 38 schon als Übergröße gilt, wo soll das noch hinführen?!

    • Natürlich ist meine Aussage mit dem Laternenmast genauso unfair, da hast Du Recht. Aber Du wirst doch eher selten für Größe 34 verurteilt, oder kommt alle 5 Minuten jemand mit der Suppenkelle, um Dich zu füttern? 🙂 Ich sage ja noch nichtmal, daß niemand dünn sein darf, im Gegenteil, es sollte Vielfalt geben, die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Natürlich weiß ich auch, daß man sich im eigenen Körper unwohl fühlen kann, wenn man sich zu dick oder zu dünn fühlt. Nichtsdestotrotz bin ich der Meinung, daß die Medien, die ja klar der Hysterie-Auslöser sind, hier ein komplett falsches Bild transportieren: Dürre = supi, dünn = mollig (schon bäh), mollig = no way! und dick = „tötet sie!“ Das muß dringend aufgebrochen werden, sonst wird jede neue Generation noch magersüchtiger werden und noch sklavischer einem aufgedrücktem Schönheitsideal nacheifern. Eine „Curvy“ Fashion Messe mag dafür ein erster Ansatz sein, gleichzeitig zementiert der Ansatz aber die Wahrnehmung, daß 42/44 schon curvy ist. Eine 1,80 große Frau mit 42/44 dürfte immer noch eher schlank als curvy aussehen. Das muß sich doch irgendwie anders lösen lassen, daß man aus diesem Dilemma raus kommt?

      Ich bin jedenfalls immer sehr verzweifelt, wenn meine bessere Hälfte klagt, sie fände sich zu dick, nur weil sie mal ein Kleidungsstück in 40 tragen muß statt 38. Das frißt mich mit auf! Aber da kann ich ewig gegenreden, daß sie toll aussieht und alles am richtigen Platz ist, sie hält mich wahrscheinlich für befangen… (was man zwar nicht abstreiten kann, aber ich bin ja nicht der einzige, der meint, daß sie eine perfekte Figur hat)

  7. Danke für diesen Text! Du sprichst mir mit quasi jedem Wort aus der Seele!
    Weitere Worte meinerseits würden die Kraft deines Textes zerstören…
    Danke! ❤

  8. Ich glaube, es ist mehr eine Frage des Empfindens des Begriffs „Schönheit“. Schönheit ist wohlempfindendes Wahrnehmen. Und das ist etwas individuelles. Das Problem ist die Bindung und Prägung eines Wohlempfindens durch eine Gruppe oder generell andere Menschen, was das Hineinwerfen von Kindern in die Ersatz- oder Zweitfamilie Schule mit sich bringt. Man muss erkennen, dass es Menschen gibt, die verschiedene Körperformen und -füllen für sich als angenehm empfinden. Die einen Schlank, die anderen Moppelig, wieder andere mögen’s dick.

    Vor dem Spiegel weinen ist heftig. Hat mich sehr nachdenklich gemacht. Du sahst dich mit den Augen anderer darin. Spiegel zeigen eben nur das, was man sieht. Die Freiheit und Souveränität der eigenen Augen ist wohl der Weg. Zuerst die Freiheit des Inneren, dann der Augen, dann des Wortes und schließlich des Körpers.

    Spieglein, Spieglein an der Wand, wer hat sich selbst in dir verkannt?

  9. Boah… das war der mit Abstand stärkste Text, den ich bisher von dir gelesen habe. Ich hab immer sehr viel Respekt vor dem Mut, den ein solcher Text erfordert (also Respekt vor dir). Weil das sehr tief reingeht, in die Seele.

    Ich persönlich mag ja (in körperlicher Hinsicht) so superschlanke Frauen üüüüüüüüüüüüüberhaupt nicht. Da kann man gar keine Pullover tauschen. Außerdem gibt das doch beim Kuscheln gar keine Wärme ab. Und man macht sich dauernd Aua an den Knochen. Also total doof ist.

  10. Wunderschöner Artikel. Kürzlich habe ich ein Bild von einer wirklich wunderschönen Frau gesehen – weiblich, keinesfalls „dick“, schöne Oberweite – mit der großen Überschrift: „B-SIZE MODEL“. B-Size!? Das ist krank. Bikini-Bridge ist krank, Tigh Gap ist krank. Ich als Außenstehender – als Alpinist macht man sich nicht so viel aus „Fashion“ – kann dabei nur den Kopf schütten. Das Leben besteht aus so vielen tollen Möglichkeiten, man kann es so intensiv und spannend gestalten. Wenn einem andere (und dann auch irgendwann man selbst) das Selbstbewusstsein und die Kraft rauben, es in vollen Zügen zu genießen, ist das grausam.

    Noch einmal Glückwusch zu diesem großartigen Artikel.

    Liebe Grüße,

    Erika
    ulligunde.com

  11. Ich als Mann erschrecke jedes Mal Neu, wenn ich von vermeindlichen Übergrößen bei Frauen höre/lese. Ich als blinder Mensch kann oftmals diese seltsame Fokussierung auf die Visualität nicht verstehen. Beides zusammen genommen ergibt noch viel weniger Sinn. Ich finde es toll, dass meine Partnerin „curvy“ ist und sich wie eine Frau anfühlt. Es ist nur schade, dass so viel Selbstbewusstsein zerstört wird durch diesen Kleidergrößen-Faschismus.

  12. Hallo Ulrike, Dein Text ist toll und er spricht ein wichtiges Problem in unserer Gesellschaft an. Ich habe eine Freundin, die bei einer Größe von 186 cm grade mal 72 Kilo wiegt und sich immer noch viel zu dick fühlt. Und warum? Weil ihr das Fernsehen jeden Tag diese zero size Frauen zeigt und sie „unheimlich gern auch einen richtig flachen Bauch“ hätte. Dafür quält sie sich vier Mal in der Woche zum Sport und isst nur noch Gemüse in Tomatensauce. Ich finde das nicht gut, denn bei zu vielen Frauen wächst sich der Schlankheitswahn schon zu einer Krankheit, eben zu einem richtigen Wahn, aus.
    In der Schule wurde ich übrigens auch gern wegen meiner Figur geärgert – mein Spitzname war „Kartenständer“, weil ich ziemlich dünn und lange Zeit das größte Mädchen in der Klasse war. Das hat mich damals total belastet, aber wenn ich mir die Fotos aus der Zeit heute anschaue, denke ich, dass sich viele Mädels so eine Figur wünschen würden. Es ist doch alles relativ und Schönheit ist so viel mehr als das rein Körperliche!

  13. Pingback: Fashion Week | In Bewegung

  14. Ich finde, du hast absolut Recht. Deswegen hab ich dich in meinem Blog zur Fashion Week erwähnt 🙂
    http://sarawesterhaus.wordpress.com/2014/01/18/fashion-week/

  15. Es ist 00:28 Uhr und ich muss über die Ehrlichkeit Deines Artikels weinen. Ungelogen, hier rinnen Tränen. Ich danke Dir, für Dir Ehrlichkeit, für die Worte, die auch aus meinem Mund kommen müssten. Danke. Mach weiter.

  16. Ich dachte, die Leute, die Mode machen und Kleider herstellen, wollen diese verkaufen? Wenn sie nur Größe 34 anbieten, wer kauft das dann? (Als ich Größe 34 trug, ging ich noch in die Kinderabteilung. Mit sechzehn fing ich bei Größe 38 an, und ich war damit immer zufrieden: 38 war die zweitkleinste Größe im normalen Kaufhaus. (Jetzt bin ich bei 40 und denke, ich sollte wieder auf 38 kommen. Hm.) Ich kenne auch Frauen, die von Natur sehr zierlich sind und Größe 34 tragen, aber ich beneide sie nicht. Eine Freundin von mir sagte, sie kaufe immer im Urlaub in Italien ein, eine andere sagte, sie gehe immer in die Teenie-Geschäfte.

    Ich habe beruflich Kontakt zu Jugendlichen, und zu meinem Erschrecken habe ich festgestellt, dass die meisten von ihnen einen Fall von Magersucht unter ihren Bekannten haben. Das hatte ich als Jugendliche nicht. Einige der Mädchen erzählten mir, dass sie selbst kurzzeitig gefährdet waren, dass ihre Mütter das ihnen aber wieder ausreden konnten. Die Kommentare der Jungen, selbst der Sechzehnjährigen, sind einhellig: „Bevor sie magersüchtig wurde, war sie sehr hübsch.“

  17. Liebe Ulrike (jaja, ich hab nach deinem Namen lange gegooglet, nur um dich nicht mit „Thatgirlthere“ ansprechen zu müssen ),
    vielen Dank für diesen grandiosen Artikel.
    Ich habe selten einen Artikel gelesen, dem ich nichts hinzufügen möchte und der genau so einfach voller Wahrheit steckt.
    Ich finde mich in fast jeder deiner Zeilen wieder und trotz der Traurigkeit des Themas tut es verdammt gut zu wissen, dass man mit all diesen Gedanken und Ansichten nicht alleine ist.

  18. Toller Artikel, vielen Dank!

  19. Wenn ich erlich sein soll ist 36/38/40 für mich perfekt… darunter ist für mich dürr und darüber muss man langsam aufpassen, dass man nicht übergewichtig wird…
    Aber he lass dich nicht unterkriegen von irgendjemandem das wichtigste ist es ein gesundes gewicht zu haben 🙂 übrigens in läden für frauen nicht teenies einzukaufen motiviert – da kann ich immer ne grösse kleiner kaufen 🙂

  20. ich als leider chronisch und ungewollt dünnes brett habe damit zu kämpfen ein normales gewicht zu halten. seit ein-zwei jahren gelingt mir das und ich kann ab und zu sogar eine 36 anziehen ohne darin zelten zu können. und verdammt nochmal es fühlt sich endlich normal und gesund an. dein text hat mich zutiefst bewegt und erschüttert, ich kann mir zwar nicht vorstellen wie das andersrum sein muss, aber ich versuche es nachzuempfinden. ich ziehe meinen hut vor dir, dass du so ehrlich und offen damit umgehst und endlich eine positive einstellung zu dir gefunden hast, denn das ist das wichtigste und einzige das zählt.
    ich hoffe und wünsche dir, dass du deinen mut nie verlierst.
    ich denke du hast vielen frauen mut und kraft gegeben, danke dafür!

    liebe grüße
    deine neue leserin jule

  21. Ach, da hätten wir uns in Berlin ja fast treffen können! Ich bin eine von denen mit Gr. 38 – aber das war nicht immer so und deshalb kann ich Deinen Text sehr gut nachempfinden. Puh, ja, es war schlimm in der 7. Klasse und danach auch noch. Ich habe Jahre gebraucht, meinen Körper zu lieben. Der Weg dahin lohnt sich und man darf sich von keiner Modezeitschrift, Werbung & Co. beirren lassen. Genieß Deine Kurven!

  22. das ist wirklich ein ganz, ganz toller artikel, ich musste es nur nochmal sagen, „so in fast persönlich“ 😉 ganz viele liebe grüsse aus norwegen!

  23. Mittlerweile sollte mich gar nichts mehr wundern.
    Ich fand es immer sehr tröstlich, dass ich vor ein paar Jahren mal einen Artikel darüber gelesen habe, dass Kleidergrößen EU-weit angepasst werden sollten, und da dieses Vorhaben im Sande verlief, durfte nun jeder machen, was er wollte, was wiederum dazu führte, dass die Größen sich verschoben haben. So ist nun die Größe 38 eigentlich 36, Größe 40 war früher mal 38 und so weiter. Vielleicht stimmt das, vielleicht auch nicht. Tatsache ist, es frustriert mich, mit meinen Miniatur-Pin-up-Maßen eine Hose zu kaufen. Ich habe tatsächlich 90-60-90 und bin 1,62 m groß und wenn ich nach langem Suchen eine Hose finde, die passt, dann muss ich meistens unten einen halben Meter abschneiden. Für meine Arbeit kaufe ich oft Männerhosen, da werde ich eher fündig, weil da die Größen nicht so lächerlich auseinandergehen. Trotzdem gucke ich immer erstmal in der Damenabteilung. Mein letzter Versuch, eine Jeans zu finden (ich habe dann auch noch so übertriebene Ansprüche wie : keine Glitzersteinchen, kein Stretch, Baumwolle etc.), endete damit, dass ich aus Frust stattdessen fünf Bücher kaufte. Es war aber auch einfach grotesk. Ich habe zwei Hosen Größe vierzig der gleichen Marke anprobiert, die eine war zu eng, die andere zu weit. Eine Freundin meinte dazu: „Du kannst doch von den Kinderarbeitern in Bangladesch nicht erwarten, dass die Hosen auch noch akkurat zusammengenäht werden.“
    Autsch.
    (So, jetzt muss ich noch deinen ganzen restlichen Blog lesen und dich auf facebook verfolgen.)

  24. danke für den text…war schlagartig auch 20 jahre zurückversetzt und erinnerte mich an größe 40 und meine 1,74 die damals als zu fett galten..und das alle jungs in der ta nzschule kleiner waren als ich.. tatsächlich habe ich lange gebraucht um zu lernen ,mich nicht über meine Figur zu definieren..meistens schaffe ich das auch !!! anatomisch ist es fast unmöglich über 1,75 zu sein und die heutige 38 zu tragen ..außer man sieht jeden Hüftknochen und das Schlüsselbein und man hat natürlich keinen busen mehr ..dann brust ist drüsen und Fettgewebe… natürlich kann man das fehlen von busen durch künstliche bürste ersetzen.silikon es lebe hoch.. manchmal wirkt aber Körbchengröße C auf lattenkörper wirklich wie zwei Luftballons auf ne Planke genagelt..amüsant finde ich nur die Vorstellung das Archäologen in 4000 jahren z.b. in Hollywood gräber öffnen und neben knochen noch diverse Implantate finden —seltsame grabbeilagen!!

  25. Vielen, vielen Dank für diesen wundervollen Text!
    Ich weiß gar nicht, was ich hier noch schreiben kann, außer dir meine tiefe Bewunderung auszusprechen.
    Liebste Grüße,
    Katja

  26. Ich bin gerade auf diesen Post gestoßen und muss sagen du triffst es wirklich auf den Punkt. Ich selbst trage eine 38 und finde das auch mehr oder weniger in Ordnung, aber so ist das nun mal. Nicht jeder Mensch kann in eine 34 reinpassen und das finde ich auch sehr gut so. Ich denke es kommt nicht auf die Kleidergröße drauf an, denn es gibt nun mal Menschen die von Geburt aus so gebaut sind, dass sie nun mal niemals extrem dünn sein können- ausser wenns sie extrem hunger, versteht sich von selbst- wenn man mit seinem Gewicht bzw Kleidergröße zufrieden ist, ist das meiner Meinung nach, die Hauptsache.
    Es ist aber wirklich erschreckend sowas zu lesen oder zu hören, es lässt sich gut daraus schließen warum viele junge Mädchen extrem schlank sein wollen und oftmals die grenze nicht sehen.

    Zuletzt möchte ich dir echt für diesen tollen Artikel danken!!
    Liebe grüße marina

  27. Pingback: {Lovely Words} Meine Lieblinge im Januar – girlontravel

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