Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Blogparade: Leipziger Lieblingsmomente

4 Kommentare

Leipzig

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Bereits im vergangenen Jahr machte ich bei der Blogparade von Adelina mit. Zu ihrem Geburtstag – ihr Blog wurde ein Jahr alt – fragte sie Leipziger nach Lieblingsorten und ich schrieb in der Folge über den Wohnblock am Ende der Straße, in dem seit Jahren kein Mensch mehr wohnt. In diesem Jahr geht es um die Lieblingsmomente in Leipzig.

Das ist gar nicht so leicht. Ich bin aufgrund meiner eskapistischen Grundhaltung recht momentfixiert, um die unschönen Dinge des Lebens zu vergessen oder zumindest für eine kurze Zeit vergessen zu machen.

„An der Stelle, wo es am allerschönsten ist, da müsste die Platte springen, und Du hörst immer nur diesen einen Moment“ sagt Floyd in dem wunderbaren Film Absolute Giganten (mit einem fabelhaften Frank Giering und der liebsten Musik von Sophia). Momente sind Gefühle und manchmal kann man sie wie in einem Glas abschließen und immer wieder hervorrufen. Wie den Sprung in der Platte. Einen guten Sprung in der Platte.

So wie meinen Lieblingsmoment, der sich danach tatsächlich noch mehrfach wiederholt hat – zum Glück.

Ich fuhr morgens zur Arbeit, es muss irgendwann im Spätsommer 2012 gewesen sein, Ende August. Die Sonne schien, ich hatte Musik an und es roch, wie der Sommer morgens riecht, wenn die Abgase des Tages noch nicht da sind und die Luft etwas feucht vom leichten Tau ist. Auf der Höhe Nordplatz, kurz vor der Ampel sah ich auf die andere Straßenseite und sah einen Bekannten, der mir ebenfalls auf dem Rad entgegenkam. Wir riefen uns über die Straße einen „Hab einen schönen Tag!“ zu und der Moment war vorbei.

Wir grüßen täglich mehrere Menschen, zumindest die von uns, die sich nicht in ihrer Bettenburg verschanzt und einen Premium-Account bei allen Lieferdiensten haben. Ich komme vom ostfriesischen Dorf, da sagen wir ohnehin zu Jedem, der uns entgegen kommt, „Moin“ – weil man es so macht, es freundlich ist und jeder Mensch mindestens eine Sekunde Aufmerksamkeit verdient hat.

In der Stadt, und Leipzig ist eine Großstadt, ist das natürlich nicht möglich. Allein auf dem Weg zum Supermarkt würde ich aus dem freundlichen Lächeln und dem „Guten Tag“-sagen nicht herauskommen.

Aber in dieser Großstadt, inmitten von 530.000 Einwohnern, am Morgen auf der anderen Straßenseite einen Bekannten zum Grüßen zu sehen, das gab mir ein Gefühl von Heimat. Nicht von ostfriesischer Heimat, sondern das erste Mal das Gefühl von Leipziger Heimat. Es war ein „Wenn ich inmitten dieser vielen Menschen zufällig Jemanden auf der Straße treffe, den ich kenne und wir sagen uns nur ‚Hallo‘ – dann bin ich angekommen“.

Das mag pathetisch und vielleicht auch übertrieben sein. Es gab mir aber das Gefühl, zu dieser Stadt dazuzugehören. Nicht nur Jemand zu sein, der hier wohnt und durch die Straßen zu fahren, stumm und ohne Kommunikation in eine Richtung – sondern Teil des Straßengeräuschs, Teil der Menschen, die die Stadt ausmachen. Ein Ort ist mehr als die Gebäude und die Bäume, die Straßen und Parks; jeder Mensch macht eine Stadt erst zu dem, was sie ist. Das gilt nicht nur für Leipzig; auch für Berlin oder Hannover, München oder Lübeck.

Ich habe danach noch viele Menschen gegrüßt, über die Straße gewunken und mit den Nachbarn von Balkon zu Balkon geplaudert. Aber der Sommermorgen am Nordplatz ist mir in guter Erinnerung geblieben.

—-

Liebe Adelina, alles Liebe und Gute zum zweiten Geburtstag. Bleib bitte so wie Du bist, schreib und sammle weiter, was unsere Stadt ausmacht. Fühle Dich umarmt! ❤

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4 Kommentare zu “Blogparade: Leipziger Lieblingsmomente

  1. Toller Text und ein interessanter Gedanke bezüglich der Frage, wann man in einer neuen Stadt eigentlich wirklich angekommen. Wird mich ab der kommenden Woche wohl wieder verstärkt beschäftigen…

  2. Genau diesen Moment kann ich so unglaublich gut nachvollziehen. Und ich wünsche mir, dass es mir irgendwann in Leipzig ähnlich gehen wird und ich mit einem Lächeln und in Erinnerung an diese Zeilen einen wundervollen Tag erleben werde.
    Danke sagt Udelinchen

  3. Pingback: ♥ ♥ ♥ 32 Leipziger Lieblingsmomente ♥ ♥ ♥

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