Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Die Geschichte einer Furia Roja

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Ganz ohne schlechte Seiten: ein Sonnenuntergang im Frühling.

Ganz ohne schlechte Seiten: ein Sonnenuntergang im Frühling.

Ich habe recht viele schlechte Eigenschaften. Das mag verwunderlich sein, stelle ich mich hier im Blog doch als Menschen ohne schlechte Eigenschaften dar. Und ist etwas schlecht, drehe ich es so, dass es im Vergleich zu dem mit Steine werfenden Kind aus dem Nachbarhaus gar nicht mehr so schlimm ist. Ich bin eine Meisterin der Täuschung.

Aber nun, jeder Mensch hat Seiten an sich, die so viele Menschen nicht mitbekommen sollten. Ich zum Beispiel, ich bin ein furchtbar sturer Mensch, der wie eine Erinye marodierend durch die Welt ziehen kann.

Erinyen sind das griechische Pendant zu den Furien. Die kennt jeder. Hin und wieder, wenn jemand wütend durch die Gegend berstet, nennt man ihn eine Furie. Die spanische Nationalmannschaft heißt La Furia Roja, was „Die rote Furie“ meint und meiner Erscheinungsweise schon recht nah kommt. Dann, wenn sich in meinem Inneren Liebe und Ausgeglichenheit verabschiedet haben.

Meine Wangen werden dann ziemlich rot. Meistens bin ich dann allein, wenn mich dieser Hass überkommt. Das ist gut, denn ich bin recht unattraktiv, wenn ich hasse. Und ich mag mich dann selber nicht. Vor allem nicht sehen. Kein Mensch sieht gut aus, wenn er hasst. Und bevor nun irgenjemand hier in einem Kommentar schreibt, er würde gut aussehen, wenn Wut und andere negative Emotionen ihn überkommen: NEIN!

Die drei Erinyen: Ich bin Alekto. Das wurde irgendwann so festgelegt, vielleicht – und das ist sehr wahrscheinlich – drohte ich jemandem damit, ihn unaufhörlich zu jagen, bis er mir das gegeben hätte, was ich wollte. Vermutlich handelt es sich um Eis oder so. Ich bin eine recht leicht zufrieden stellende Jagende. Alekto, aus ähnlichem Blut wie die Giganten, ist nämlich die unaufhörlich Jagende.

Das klingt grausam und das muss es auch. Schnell vergeht mir nämlich die Lust und ich habe keine Lust mehr auf Quälen. Deshalb muss mir ein Ruf vorweg eilen. Recht wäre es mir, wenn alle sagen würden: „Oha, da kommt Ulrike“ und das für alles genügen würde: Für Liebe und für Entschuldigung, für Umarmungen und Essen.

Natürlich mag man nun einwerfen, dass es doch gar nicht gut sei, die schlechten Seiten auch noch zu mythologisieren. Aber warum nicht? Die Bremer Freundin sagt, ich sei witzig, wenn ich als La Furia Roja durch die Welt haste. Und wer würde mir meine pastoralen Ausbrüche glauben, wenn ich nicht hin und wieder auch sagte: „Ich will jetzt hassen.“

Und das kann ich. Hin und wieder ist es so schlimm, dass ich Menschen, die mich einst verletzten, ihr Glück nicht gönne. Fürwahr: eine schlechte Eigenschaft. Glücklicherweise hält diese Phase nicht lange an. Ich neige zum Infantilismus, es geht schnell vorüber. In der einen Minute noch trotzig, die Nase laufend, die Augen wütend aufgerissen – und in der zweiten Minute wieder ein „Machst Du mir Kakao? Hast Du mich lieb? Gehst Du mit mir spazieren?“ Nun, vielleicht ist es weniger Infantilismus sondern mehr Puerilismus. Was weiß ich. Zu meinem ungeduldigen Wesen gehört eben auch, dass ich mich damit jetzt nicht mehr beschäftigen mag.

Man ahnt: Meine Freunde haben es nicht sonderlich leicht mit mir. Ich schwanke zwischen Liebe und Lass-mich. Wie eine Kegelrobbe. Die sind auch so, wie ich nun erfuhr. Vielleicht bin ich keine Erinye, vielleicht bin ich eine Kegelrobbe. Meine Figur spricht für Letzteres.

Ja, ich sehe schon die Abwanderungswellen von Lesern. Weil keiner Menschen mag, die hassen können. Weil Hassen nicht richtig ist. Aber was ich schon richtig? Wir tragen heimlich unseren Einkauf im Plastebeutel nach Hause, essen Thunfisch aus Dosen und bewerten Menschen anhand von Zentimetern an der Hüfte. Da darf etwas Hass doch erlaubt sein. Ein völlig unreflektierter Hass, bei dem man Menschen kurzzeitig das Schlechteste wünscht.

Weil ich recht phantasielos bin und meine Ausbildung zum Folterknecht daran scheiterte, dass schwarze Masken mir nicht stehen, ist das Schlechteste, dass ein Fingernagel abbricht oder das Essen am Mittag schlecht ist und Blähungen diese Person zum Date heimsuchen. Was kann an solch einem Hass schon schlecht sein? Noch nie konnte jemand mit reiner Gedankenkraft bei anderen Menschen Blähungen verursachen.

Keine Sorge: Nun gerade bin ich voller Liebe. Ich hatte Käsebrötchen. Und Schinkenbrötchen. Mein unreifes Wesen erfreut sich an den kleinen Dingen und wankelmütet so vor sich hin. Hoffen wir, dass es vorerst so bleibt. Ein rotes Gesicht würde so gar nicht zu meinem Schal passen.

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