Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

In eigener Sache: Kater in Leipzig entlaufen

19 Kommentare

Wilhelm WalterIch bin kein einsamer Mensch. Ich habe Freunde und Familie und nette Kollegen und viele Bekannte. Aber ich wohne allein. Das mag ich eigentlich. Denn wenn ich nach Hause komme, habe ich meine Ruhe. Niemand, der mich fragt, wie mein Tag war, was man mir jetzt Gutes tun könnte oder sowieso. Wenn ich nach Hause komme, dann ist da meist erst einmal eine halbe Stunde Tee trinken, Stille genießen, den Kater kraulen und mit ihm Fußball spielend durch die Wohnung toben.

Nur: Seit nun bald 14 Tagen ist der Kater weg. Am Morgen lag er noch bei mir im Bett, an meine Füße gekuschelt. Als um fünf Uhr der Nachbar wach wurde – der Nachbar mag es, jedem mitzuteilen, dass er nun aufstehen muss -, sprang Wilhelm Walter aus dem Fenster und ging in den Innenhof. Das macht er häufig. Er fängt dort Mäuse und Tauben, beobachtet andere Katzen und kommt dann meist wieder rein, sobald ich aufstehe. Damit er etwas Milch erbetteln und mir beim Duschen zusehen kann. Aber an diesem Morgen kam er nicht wieder rein. Und auch abends war er nirgendwo.

Seitdem suche ich ihn jeden Tag. Mit dem Festhaltefreund bin ich abends mit Taschenlampe und Leckerlies durch den Stadtteil gelaufen. Ich, weinend. Der Festhaltefreund, voller Optimismus.

Vierzehn Tage sind gar nicht so viel für eine Katze. Manchmal verschwinden sie für einige Wochen und kommen dann wieder, erstaunt darüber, dass man sie weinend an sich reißt. Festus Bukowski, der im Alter von 17 Jahren 2011 starb, machte das häufig. Er roch dann nach Kuhstall und war leicht zerzaust – aber sein Blick und der nicht kleiner gewordene Bauch sprachen dafür, dass es ihm nicht schlecht ergangen war.

Im vergangenen Jahr verschwand Margarethe Rutherford, gerade einmal zwei Jahre alt, hier in Leipzig. Ich suchte sie, rief, lief alle Keller ab und fand sie doch nicht.

Und nun, Wilhelm Walter. Auf dem Weg zur Arbeit fahre ich einen Bogen, seinen Namen rufend. Am Abend fahre ich mal hier und mal dort hin, um ihn zu suchen. Tagsüber lasse ich das Badezimmer-Fenster geöffnet, denn da passt er durch – er kennt das Fenster als Eingang. Jeden Morgen stelle ich neues Futter hin; aber es bleibt unangerührt.

„Er ist eben ein Kerl“, sagen die Männer meines Lebens. „Es riecht nach Frühling“ sagen sie und verweisen auf ihr eigenes ungezügeltes Verhalten in dieser Zeit. „Der kommt wieder“, sagt der Festhaltefreund. Und auch wenn er vielleicht nicht dran glaubt: Er lässt es mich nicht merken. Allein das ist ihm und allen anderen Männernhoch anzurechnen, die mir etwas von hübschen Frauen im Sonnenschein erzählen.

Es ist ziemlich allein, am Abend nach Hause zu kommen, wo man nicht maunzend und schnurrend erwartet wird. Mit meinem Tränenvolumen der vergangenen Tage könnte ich auch Teilnehmer einer Castingshow sein. Schließe ich die Augen, denke ich darüber nach, dass nicht alle Menschen solche Tierfreunde wie ich, wie wir, sind. Es gibt Katzenfänger und Menschen, die Tiere vergiften. Es gibt solche, die Knaller hinter Katzen herwerfen. Es gibt einfach schlechte Menschen.

Also: Wer Wilhelm Walter gesehen hat, der melde sich doch bitte bei mir. Foto siehe oben. Sein Maul ist nicht nur rosa, sondern hat braune Flecken – vermutlich das Erbe seiner Mutter. Für einen Kater ist er recht klein. Er ist sehr zutraulich und verschwand in der Heinrich-Budde-Straße in Leipzig-Gohlis. Wilhelm liebt Thunfisch, Käse und Sahne. Und mich eigentlich auch. Und den Festhaltefreund. Und den Platz auf der Fensterbank. Und meine Wärmflasche.

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19 Kommentare zu “In eigener Sache: Kater in Leipzig entlaufen

  1. “Er ist eben ein Kerl” und „Frühlingsgefühle“ waren auch meine ersten Gedanken. Wollen wir hoffen, dass er bald wieder zurückkehren wird!

  2. Wahrscheinlich hast du es längst abgefragt: Tierheim? Hat ihn jemand dort abgegeben?

    • Er ist nirgendwo. Wobei ich mich vermutlich auch nur verrückt mache: 14 Tage ist nicht sooooo viel für eine Katze; für mein Herz sind aber 14 Tage eindeutig nicht tragbar.

  3. Wie schrecklich – wäre ich in Leipzig, würde ich Dich beim Suchen unterstützen. Ich drücke Dir und Wilhelm die Daumen, auf das ihr beide bald wieder wiedervereint seid!

  4. Oh nein! Ich bin aber katzenmäßig auch wirklich gar nicht auf dem Laufenden, das mit Margarethe hatte ich gar nicht mitbekommen! Ich drücke alle Daumen, dass Wilhelm wiederkommt!

  5. Hoffentlich kommt er zurück. Ist er gechipt? Kastriert?
    Ich war kurz erschrocken, weil mein Kater genau so aussieht. Der war auch vor kurzem 2 Tage lang weg, auch wenn er kastriert ist und kann sich nicht mehr fortpflanzen.
    Ich drück Dir die Daumen!

  6. P.s. Mir bricht das Herz wenn ich Deinen Eintrag lese, denn ich merke wie sehr Du Deinen Kater liebst. Das kenn ich… Aber erstmal die Tränchen abwischen und die Hoffnung nicht aufgeben!

  7. Ich drücke die Daumen, dass er bald wieder da ist!

  8. hallihallo. fand grad deine seite, leider mit dieser bedauerlichen nachricht.. obwohl in leipzig, in gohlis kann ich leider nicht mitsuchen. werde trotzdem die augen offenhalten. bei diesem wetter sollte dem dummen kerl doch wieder einfallen wo’s warm ist!?
    hast du an zettel an bäumen und in läden gedacht?
    ich drücke dir die daumen.

  9. Danke! Wer weiß: Vielleicht hat er ja auch sein Revier verlassen und wollte in die Stadtteile, wo das Leben tobt?

  10. Das ist der Grund, wieso unsere beiden Kater zu Hause bleiben müssen. das mag zwar ein bisschen unfair ihnen gegenüber sein, aber wir haben ein ganzes Zimmer mit Kratzbäumen und Kletterwänden eingerichtet.. Dann können sie sich austoben, aber müssen zu Hause bleiben. Zumindest bis sie ein bisschen älter sind und vielleicht kastriert..
    lg Lydia

  11. Ist er eigentlich wieder da?

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