Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Die Geschichte der einhundert Schafe

Ein Kommentar

Zugegeben: Dieses Schaf führt eigentlich ein verstecktes Dasein. Man schenkte es mir einst zum Abschied.

Zugegeben: Dieses Schaf führt eigentlich ein verstecktes Dasein. Man schenkte es mir einst zum Abschied.

Dieser Text ist vorbildlicherweise ein Text, der die verschiedenen Sozialen Netzwerke miteinander verbindet. Nun: Eigentlich nur Twitter und diesen Blog, ein wenig noch Facebook. Aber das ist gern gesehen, solch vorbildliches Verhalten. Vernetzen von ganz vielen Dingen, die man so nutzt. Mehr oder weniger.

Es soll um meine Schafe gehen. Dem geneigten Blogleser ist eventuell schon die neue Seite oben aufgefallen: 100 Schafe. Entstanden aus einem Post bei Twitter, ich glaube, es war der hier:

“Ich bin so müde”, sagte das Schaf mit der Nummer 83, lehnte sich verliebt an 57 und schlief ein.

Nun, daraus hat sich in den Wochen danach ein festes Ritual gebildet. Jeden Abend berichte ich in 140 Zeichen von den Schafen, die wir jeden Abend zählen. Zumindest dann, wenn wir nicht einschlafen können.

Es geht um unglückliche Liebe, um glückliche Liebe, um Geborgenheit und Essen, um Frisuren, große Abende und wundervolle Momente. Um das Leben eben. Zumindest versuche ich es. Das ist gar nicht so einfach, wenn man nicht viel Platz hat und man weiß, dass einige Folgende nur ungern ohne den Schaftweet ins Bett gehen. „Einschlafgeschichten für Erwachsene“ sagte der Chef einmal und bemängelte kurz darauf, dass es noch keinen Tweet gegeben habe.

Mich freut das. Nun, zum einen bin ich leicht zu erfreuen. Ich bin glücklich, wenn man mir einen Tee macht, wenn man etwas von mir toll findet oder mir auch nur zulächelt. Zum anderen ist ein großer Makel von Twitter die Sex-Lastigkeit. Ich mag das nicht. Tweets mit Buzz-Words bekommen viele Sterne. Meine Schaftweets bekommen Sterne ganz ohne Buzz-Words. Ich mag das.

Aber eigentlich wollte ich an dieser Stelle erzählen, wie ich zu den Schafen kam.

Langjährige Leser wissen, dass ich ein Zahlenproblem habe. Ich sage immer, ich könne nur bis 13 zählen. Das ist natürlich eine Übertreibung. Ich kann bis 21 zählen, wenn ich meine Zehen dazu nehme und meine Brille dabei trage. Nur aus diesem Grund schaffte ich meinen Schulabschluss. Mit 13 hätte das nicht funktioniert, aber mit 21 konnte ich alle Kurvendiskussionen in den Griff bekommen.

Nun, und weil ich nicht zählen kann, zähle ich natürlich auch keine Schafe. Aber weil meine Phantasie ein Ventil braucht, habe ich angefangen, mir zum Einschlafen Geschichten zu den Schafen zu überlegen. Was die einzelnen Tiere machen, wie ihre Verbindungen sind. Darüber schlafe ich häufig ein. Warum Schaf 18 Nummer 55 so sehr liebt, was 53 auf ihren To-Do-Listen hat, ob 6 irgendwann noch einmal den Iro umfärbt und 87 den Verlust ihres liebsten Kuscheltieres verkraftet.

Vermutlich ist meine Oma schuld, die heute vor 22 Jahren starb. Die sagte einmal zu mir, ich solle mir – wenn ich nicht einschlafen könnte – Geschichten ausdenken. In der Zeit danach erfand ich ganze Folgeromane zu Hanni & Nanni, löste ziemlich spannende Fälle mit einem befreundeten Seeungeheuer und rannte am Strand von Northumberland entlang. Ich flog als Schriftstellerin um die ganze Welt, ließ einen mutigen Jungen gegen die Ungerechtigkeit in einem Bergwerk kämpfen und fand den Dieb einer Schale Grießbrei, die auf der Fensterbank zum Auskühlen stand.

Und nun sind es eben die Schafe. Sicherlich: Mit 31 Jahren sollte man vielleicht nicht mehr über Schafe nachdenken, wenn man nicht einschlafen kann. Ich könnte die Formel für den Weltfrieden ersinnen. Den kommenden Tag planen, Redaktions- und Themenpläne aufstellen. Stattdessen aber liege ich im Bett, bin auf der Wiese am Rande des Dorfes, die Stille wird nur selten von einem Läuten der Schafglocken unterbrochen und am Hang liegend blicken die Tiere am Abend auf die erleuchteten Häuser.

Und offensichtlich bin ich nicht die einzige, die etwas mit den Tieren anfangen kann. Nummer 12, 9 und 65 haben schon Paten gefunden. „Meine Lieblingstiere“, sagten mir die Paten der Schafe. Weil 12 so gern liest, weil 9 so stark ist und 65 mit SchokoBananenpfannkuchen das Leben in Angriff nimmt.

Heute gibt es übrigens Schaf 16. Es geht um die Sonne.

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Ein Kommentar zu “Die Geschichte der einhundert Schafe

  1. Als grosse Verehrerin der schäflicher Geschichten hast Du einen neuen Fan.. kennst du die Glennkill romane von Leonie Swann?
    unbedingt empfehlenswert!
    lg Lydia

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