Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Nein, ich möchte das nicht sehen

2 Kommentare

Was ich gern sehe: Rot auf Weiß.

Was ich gern sehe: Rot auf Weiß.

Ich bin ziemlich augensensibel. Ich mag einige Dinge einfach nicht sehen. Natürlich, meinem Ekel vor fiseligen Haaren kann ich aus dem Weg gehen, in dem ich einfach keine Freunde mit solchen Haaren habe und die Simpsons-Folge, in der Homer die Augen verkrusten, gucke ich mir auch nicht mehr an. Muss ich bei fiseligen Haaren nur schwer schlucken, ging es mir beim Ansehen der Simpsons-Folge schon recht schlimm. In dieser Episode, ich versuche es einmal mit spitzen Fingern zu beschreiben, hat Homer irgendetwas mit seinen Augen. Und diese verkrusten einfach. Allein beim Gedanken daran, juckt mir meine Haut.

Ich empfinde auch einen natürlichen Ekel vor fleischfressenden Pflanzen. Das wäre nicht so schlimm, würde ein Hersteller von Süßigkeiten nicht gerade eine Werbung haben, die mich traumatisierend daran erinnert. Es sind Schoko-Knusperflocken-ErsatzNachfolgeDinger, die dort beworben werden – und eine junge Frau mit adretter Figur öffnet ihren Mund, um sich ganz der Freude dieser Delikatesse hinzugeben. Das Problem: Der Mund ist halbkopfgroß und die Frau hat keine Augen!

Dabei hatte man mich vorgewarnt. Am Freitag wurde mir in einem Anruf mitgeteilt, dass überall in MeinLeipzigLobIchMir diese Plakate hängen würden – und dass sie Ekelhaftes zeigen würden. Heute Morgen in der Straßenbahn sah ich dann das Ausmaß dieses PR-Desasters, dachte aber, Müdigkeit und Schnelligkeit hätten den Eindruck in Richtung Übertreibung beeinflusst. Internetseite aufgerufen, Musik wahrgenommen, die offenbar sinnlich wirken soll – und wieder diese fleischfressende Pflanze mit Menschenkopf! Ich verlinke es hier noch einmal – für all die, die oben nicht klickten. Will man das sehen? Möchte man diese Schokolade kaufen? Ich glaube nicht.

Ähnliches Schicksal erlebte ich ja schon mit den Wahlplakaten zur Oberbürgermeister-Wahl. Da posierte ein nett aussehender Mann im grauen Hoodie, führte dieses leger wirkende mit seinem Professoren-Titel aber dann irgendwie in die falsche Richtung. Andere drückten mir gar ungefragt ihren Vornamen auf – dabei hatte mich niemand gefragt, ob ich zu diesem intimen Schritt überhaupt bereit sei (Bin ich nicht). Und einer hatte einen Oberlippenbart, der mehr den Eindruck machte, er würde in seiner Freizeit hinter Büschen am Kinderspielplatz lungern.

Nein, ich möchte all diese Dinge nicht sehen. Gern würde ich meinem Kopf sagen, dass er aufhören soll, all diese Querverbindungen zu ziehen. Bei fiseligen Haaren denke ich jemanden, der so lachen muss, dass ihm Erbsensuppe mit Maggi aus der Nase läuft; Augen sind ohnehin ein sensibles Thema – was sich allein schon daran zeigt, dass ich an der Werbeagentur Augenfutter hier um die Ecke an schweren Tagen mit geschlossenen Augen vorbeifahre; Wahlplakate mag ich nicht, weil es die wenigsten Politiker schaffen, gemeinsam mit ihrem Slogan eine Einheit zu bilden und dabei auch noch sympathisch rüberzukommen; Und die fleischfressende Pflanze – naja: Brrrrh!

Am liebsten hätte ich, dass ich nur schöne Dinge sehe – aber dieser Plan wird schon beim morgendlichen Blick in den Spiegel durchkreutzt. Wenn meine Haare wirr in alle Richtungen stehen, meine Augen klein wie Knöpfe sind und die eine Wange einen Kissenabdruck und die andere kein Blut vom dahinsiechenden Kreislauf hat. Außerdem sind meine Füße zu diesem Zeitpunkt noch nicht besockt und ohnehin ist am Morgen alles doof.

Weiter geht es dann in diesem Draußen, wo fiese Werbeplakate dazu auffordern, in einem Einkaufszentrum vor dem Kloreiniger von Rossmann zu heiraten. Wo fleischfressende Pflanzen plötzlich auch Schokolade mögen. Politiker ihre Profilneurose auf Plakaten ausleben. Und der Mann aus der Nachbarschaft eine jägermeisterorangene Wollmütze mit Bommel trägt – jeder Mensch weiß doch, dass sich so Idioten erkennen lassen. Im Büro ist dann glücklicherweise erst einmal Ruhe. Weil meine Wangen dann beide etwas Farbe haben, weil der Kreislauf ebenfalls aufgestanden ist. Weil meine Kollegen ein gesundes Empfinden für Farbwahl und Kopfbedeckungen haben. Weil wir wissen, wie wir dem Hausmeister aus dem Weg gehen können. Aber dann kommt wieder dieses Draußen und dann ist zum Glück Abend.

Und ermattet von all dieser Flucht vor den optischen Grausamkeiten der Welt, ja, darüber schlafe ich dann ein. Nicht ohne Angst, von verkrusteten Augen und schokoladenfressenden Pflanzen zu träumen.

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2 Kommentare zu “Nein, ich möchte das nicht sehen

  1. Mein Gott, das ist ja echt eine schaurige Werbung. Und damit wolen die was verkaufen?

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