Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

„Ich hab Dich lieb“ „Hier ist Erdbeermarmelade“

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Dem Steinbären sagte ich noch nie, wie sehr ich ihn mag.

Dem Steinbären sagte ich noch nie, wie sehr ich ihn mag.

Es gibt einige Dinge, die kann ich nicht so gut. Das ist gar nicht schlimm. Man kann nicht alles können und Menschen ohne Optimierungsbedarf haben auch eher Seltenheitswert. Zudem sind es ja die kleinen und großen Makel, die man so liebt. Da sind Schwächen von einem nicht zu unterschätzenden Vorteil. Ich kann ja – um mal einige Beispiele zu nennen – keinen guten Kaffee machen. Menschen wie ich machen Senseo reich.

Ich kann noch mehr nicht. Putzen beispielsweise. Das mag ich nur nicht, ich kenne auch solche Tricks wie „Essig ins Wischwasser“ für gewöhnlich nicht. Ich kann bei Müdigkeit nur schlecht aufstehen und meine schlechte Laune kann ich nur mangelhaft unterdrücken.

Und ich kann – um zum Inhalt des folgenden Beitrages zu kommen – nur schlecht huldigen. Der Hamburger Freund stellte einst sogar fest, ich wäre wohl – in einer anderen Zeit – eine schlechte Untertanin geworden. Vermutlich hat er recht. Auf Paraden hätte ich geschwiegen und wäre wohl recht schnell in Ketten gelegt worden.

Mir ist in der Tat schon häufiger gesagt worden, dass ich das nicht tun würde. Huldigen. Bewundern. Der Welt mitteilen, wie toll der Andere ist. Nun, ich denke, wenn man etwas nicht kann, dann sollte man es lieber lassen. Ich schweige lieber, als mich .. naja… in Peinlichkeiten zu begeben. Nur, weil ich es nicht sage, heißt es ja nicht, dass ich den Anderen nicht bewundere. Ich kann es nur nicht in Worte fassen, die mir auch nur im geringsten angemessen erscheinen. Und sowieso.

Meine Freunde kennen das. Sie wissen, dass sie mir wichtig sind, auch wenn ich nicht permanent die ganze Welt daran teilhaben lasse. Ohnehin: So sehr ich Worte liebe, so leicht sind sie doch auch meistens gesagt. Dieses „Hab Dich lieb“ ist schnell per Stimmband artikuliert, aber wenn man dann wirklich diese Person braucht: Wie schnell ist sie dann da? Und überhaupt?

Ich habe die Hoffnung, dass es reicht, dass ich jeden Tag versuche, eine gute Freundin zu sein. Ich zeige meine Zuneigung durch selbstgebackene Kekse, aufmunternde Worte (aha!) und ganze Garnisonen von Erdbeermarmelade. Meine Liebe lässt sich essen.

Leider musste ich aber auch immer wieder erfahren, dass – im Falle des anderen Geschlechts – viele Männer sich irgendwann Frauen zuwandten, die täglich und überall kund taten, was sie sich da Tolles an Land gezogen hatten. Facebook. Twitter. Öffentlichkeit. Vielleicht sehen sie es als eine Art Bestätigung der eigenen Person – vielleicht sind sie sich selber nicht genug. Ich weiß es nicht. Manchmal macht es mich ziemlich traurig, dann wieder denke ich: Wer diese Art der Bestätigung braucht, der ist meiner Erdbeermarmelade mit frischer Vanille und Zitrone nicht wert.

Als die Bremer Freundin vor einiger Zeit bei Twitter schrieb, wie schön es sei, mich zu kennen (belassen wir es bei diesen Worten), da wusste sie, ich würde knallrot und beschämt anlaufen. Natürlich freute ich mich – aber in erster Linie war ich ziemlich lachsfarben im Gesicht. Sie freute sich darüber diebisch – sie kennt mich. Ebenso wie das dynamische Uno, die um meine Schwäche weiß, aber sie eben hinnimmt. Und der Bruder schrieb mir, er freue sich auf meinen Besuch in der Heimat – ich brauche eine Stunde für eine Antwort. Die war ihm aber unwichtig. Er wusste, was es bedeutet, wenn ich für 19 Stunden Ostfriesland und Beisammensein elf Stunden im Zug sitze.

Nun, vermutlich könnte ich schon häufiger einmal Nettigkeiten und Bewunderunsbekundungen von mir geben. Aber der inflationäre Gebrauch ist mir dann doch zuwider und hat etwas von dem Verhalten der Paarmeen. Nur weil ich Dinge häufig sage, werden sie ja nicht wahrer. Sie werden zu einem Singsang. Das ist wie mit diesen Liedern, die man in der Kirche singt. Irgendwann ist der Text unwichtig und es ist nur noch eine Aneinanderreihung von Buchstaben.

Die Menschen, die mir wichtig sind, die wissen, dass dann, wenn ich etwas sage, dass es dann auch von Herzen kommt. Das muss reichen. Hinzukommendes Problem: Sage ich einmal etwas wirklich Nettes, das ich von Herzen so meine, glaubt mir das keiner. Es muss am ostfriesischen Einschlag meiner Worte liegen. Oder so.

Diese Schwäche gehört eben zu mir. Wie die Tatsache, dass ich im Angesicht von Kaffeefiltern hektische rote Flecken bekomme. Oder dass der Putzsonnabend nicht mein Lieblingstag ist. Oder ich manchmal bis zum letzten Moment im Bett liegen bleibe. Oder dass ich manchmal nicht weiß, wie ich meine Texte beenden soll. Und dann rumrede, schreibe, noch irgendeine Metapher suche und doch nur sagen möchte: Hier ist der Text vorbei. Macht etwas draus.

Übrigens: Die 100 Schafe von Twitter gibt es hier.

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