Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Keine Macht den Smileys!

Ein Kommentar

Wir sind Smileys in real. Und ein bisschen entzückend.

Wir sind Smileys in real. Und ein bisschen entzückend.

Die Bremer Freundin mit dem Namen Schurrimurri (nun, sie heißt prinzipiell anders, aber liebe Menschen haben ja bekanntlich viele Namen) und wir haben viele Gemeinsamkeiten. Auch viele Nicht-Gemeinsamkeiten, aber eine Sache mögen wir gemeinsam gar nicht. Man kann vielleicht sagen, dass wir in einer Sache sehr sensibel ist, mit der Grenze zum Hass und der Entstehung eines Ismus.

Wir mögen keine Smileys. In meinem Fall gibt es sogar eine besonders schwere Smileylegasthenie. Das hört sich verwirrend an – aber überlegt erst einmal, wie verwirrend Smiley-Kommunikation für uns ist. Ich verstehe sie einfach nicht!

Einmal ganz davon abgesehen, dass ich bis auf den grinsenden Smiley, den traurigen Smiley, den zwinkernden Smiley (und das mit Zwinker-Paranoia!) und den küssenden Smiley keine von diesen Dingern verstehe, empfinde ich sie in der Kommunikation als störend. Ja, sogar als verstörend. Bei Twitter gab es so tolle Tweets, die durch diese merkwürdigen Gesichter jede Schönheit verloren. Einmal ganz von geistreichen Konversationen, die dann nur noch Konversationen waren.

Es ist so: Fünf Smileys am Tag sind okee. Auf die kommen wir auch. Wir sind ja keine Unmenschen, halten es aber bei den Schlichten – siehe oben. Alles andere wird ausgeblendet. Das ist wie beim Essen: Nach der ersten Hälfte der Tüte Chips entsteht eine Ignoranz, die dafür sorgt, dass all das Fett seinen Weg weder auf die Hüften noch in die Poren im Gesicht findet. Echt.

Mal ganz ehrlich: Wer von euch hat schon einmal nach einem Satz gezwinkert und dabei die Zunge rausgestreckt? Wir haben es – siehe Artikelbild – ausprobiert – einen Tag lang haben wir uns dort, wo Smileys offensichtlich angebracht wären, ein Foto mit dementsprechenden Gesichtsausdruck geschickt. Nicht nur dass wir kurz vor einer Einweisung in die geschlossene Psychiatrie waren – uns taten Kiefer und Stirn weh, weil diese Bewegungen so ganz sicherlich nicht für den menschlichen Bewegungsapparat oberhalb des Halses gedacht sind. Weder schafften wir es, Kreuze in unsere Pupillen zu bekommen, noch Herzen. Verzweifelt saßen wir mit Smileylisten aus dem Internet vor Whatsapp – und scheiterten doch. Immerhin entstand das wohl beste Artikelbild dieses Blogs. Aber das nur am Rande.

Ich versuchte auch, beim Essen „Nomnom“ zu sagen, bekam aber nur ein „Pfrrrmpfh“ zustande, verunreinigte meinen Tisch aufs Übelste mit Kichererbseneintopf und weiß nun, dass diese Art der Lautsprache entweder mühsam von einer Logopädin in mich hineintherapiert werden muss oder ihr alle – ja, fühlt euch angesprochen! – mich foppen wollt! Wenn irgendeiner von euch mit Pudding, Grießbrei oder Chili con Carne im Mund „Nomnomnom“ sagen kann, so trete er den Beweis hier an dieser Stelle mit Video an oder schweige für immer.

Aber zurück zu den Smileys. Meine Zwinker-Paranoia ist bekannt. Ich hasse es, ich verstehe es nicht, ich möchte am liebsten fragen, ob ich einen kleinen Spiegel zur Entfernung der offenbar störenden Wimper holen soll. Welcher Mensch zwinkert denn anderen ständig im Gespräch zu? Und warum? Sind wir alle nicht mehr fähig, unsere Ironie, den Sarkasmus oder das reine Gefoppe in Worte zu fassen? Unsere Welt ist völlig überartikuliert und da können wir keine einfachen Sätze mehr bilden? Zumal: trockener Humor verträgt keine Smileys. Hat Harald Schmidt in seinen guten Zeiten jemals gezwinkert und dabei seine Zunge den Mund verlassen lassen? NEIN! HAT ER NICHT! NIE!

Für alles gibt es im Internet einen Tag. Einen Tag, an dem man seine liebsten Twitterer empfiehlt, einen Tag, an dem man sagt, was man drunter trägt und einen ganzen Monat, an dem alle Schnurrbart tragen! Aber es gibt keine einzige Sekunde, in der nicht irgendjemand einen Smiley setzt, der redundant ist. R-E-D-U-N-D-A-N-T. KEINE EINZIGE SEKUNDE!

Woher diese Wut? Weil die Bremer Freundin und ich an ersterbender Libido leiden: Immer dann, wenn ein Mann einen überflüssigen Smiley setzt, stirbt ein Teil in uns, der doch eigentlich nur wunderbare Worte lesen und hören möchte. Ein Teil, der witzige Konversationen mag und sie ohne Smileys versteht – und durch die Klammern und Pünktchen nur verwirrt zurückbleibt und sich fragt: Ist der Satz also nun doch die Wahrheit, weil er mit dem Smiley alles verneint? Warum hat dieser Smiley eine Nase und der andere nicht? Und was verdammt ist der Unterschied zwischen 🙂 und :D?

Als Luhmann über die Unwahrscheinlichkeit von Kommunikation nachdachte, hatte er bestimmt gerade eine SMS mit einem :X bekommen und keine Ahnung, was das bedeuten sollte. Wir können es so gut verstehen!

Unseren Mund zu einem X zu formen, haben wir beide übrigens nicht geschafft. Aber den Kiefer, den müssen wir nun das ganze Wochenende kühlen.

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Ein Kommentar zu “Keine Macht den Smileys!

  1. Du sollest meine Bachelorarbeit lesen. Einige Inhalte könnten dich durchaus interessieren.
    Liebe Grüße aus Hannover,
    Svenja, die gezählt hat wieviele Smileys sie in diesem Kommentar verwendet hätte: 3.

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