Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Einwurf: Mit Gummistiefeln auf neuen Wegen

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Hin und wieder braucht es keine Gummistiefel...

Hin und wieder braucht es keine Gummistiefel…

Der geneigte Leser weiß: Ich bin keine Emanze. Ja, nicht einmal irgendetwas anderes, das sich für mehr Rechte für Frauen einsetzt. Ich lehne die Frauenquote ab, weil ich keine Almosen annehme. Ich bin weder Fisch noch Fahrrad, sondern Ulle. Und die Emma würde ich mir nur kaufen, wenn Alice Schwarzer von dem Geld endlich einen Termin beim Friseur bekommen würde. Aber als ich heute den Spiegel von morgen sah, wurde mir doch schwummerig. Vielleicht bin ich Mannanze. Oder so. (Nein, es folgt keine Medienkritik, ich bemühe doch immer redlich, witzig zu sein)

Oh Mann! Das starke Geschlecht sucht seine neue Rolle ist schon sprachlich ein misslicher Titel, weil die gesuchte Rolle durch das „stark“ schon wieder festgeschrieben ist. Vielleicht ist das Stilmittel. Vielleicht ist mein ohnehin extrem begrenzter Intellekt dadurch massiv überfordert.

Ach, es eine grausame Welt, in der wir leben. Ich hatte doch eigentlich gedacht, dieses Rollending wäre vorbei. Ich bin keine gute Rolle, außer wenn ich mein Bratwurstpellenkleid trage. Rollen stellen so große Erwartungen, dass sie mir ohnehin nur den Schlaf rauben – ich vermute, meinen Mitmenschen geht es ähnlich.

Ich kann Dinge nur, wenn ich voll und ganz dahinter stehe. Warum mich also daran orientieren, welche Rolle man mir zuschreibt? Einmal ganz davon abgesehen: Es gibt Menschen, die erwarten von mir tägliche Unverschämtheiten, Dummheiten und Anmaßungen. In diesem Fall kann ich nur alles falsch machen.

Ständig wird gesagt „Geh Deinen eigenen Weg“ und dann wird uns der gepflasterte Weg in Rollenform als Marschroute vorgegeben. Widersinnig. Ich gehe lieber mit Gummistiefeln durch das Dickicht und habe den schönsten Blick auf das Meer dann für mich allein. Man kann mir natürlich folgen. Aber bitte mit Abstand. Ich hasse es, wenn Menschen hinter mir hergehen. Die unperfekte Form meines Hinterns, Sie verstehen?

Aber es soll ja nicht um mich gehen. Es soll um Männer gehen.

Ich will keinen Mann, der seine Rolle sucht. Ich habe keine Zeit dafür, jemandem bei der Findung von irgendetwas zu helfen – es sei denn, er sucht das Glück. Aber Glück findet sich nur, wenn man all die Erwartungen beiseite lässt. Ich beispielsweise, ich bin ein trotziges Ding. Wenn jemand permanent Dinge von mir erwartet, tue ich sie nicht. Vermutlich ist das der Grund, warum mir die Männer scharenweise davonlaufen. (Mir fallen noch ungefähr zehn weitere Gründe ein, aber nunja.) (Und schon wieder geht es um mich). Aber Fakt ist doch: Wer einer Rolle entsprechen soll, aber es eigentlich nicht kann: Ja, warum soll er damit unglücklich werden?

Und wenn es ein starkes Geschlecht gibt, dann gibt es auch ein schwaches. Das wären Frauen. Wer aber die Cheffreundin, die Emder Freundin und mich beim Renovieren unseres Büros gesehen hätte, der wüsste: Schwach sind wir nicht. Sogar ziemlich stark. Und ziemlich lachend. Und gelenkig. Und weißbesprenkelt. Und die helfenden Männer waren auch stark. Und sowieso. Es gab Bier. Keine Rollenverteilung.

Ach, ich könnte 250 Jahre alt werden und würde vermutlich immer noch nicht verstehen, wieso Individualismus und Rollenfindung in einem Satz gebracht werden. Aber ich muss mir nun ohnehin eben die Nägel machen, das Kleid anziehen und mit hohen Schuhen neue Wege beschreiten. Keine Zeit.

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2 Kommentare zu “Einwurf: Mit Gummistiefeln auf neuen Wegen

  1. Rollenlose Menschen gibt es nicht. Wir alle orientieren uns an diesen freien Plätzen innerhalb eines sozialen Gefüges. Eine Rolle besteht nicht nur aus den Erwartungen der Anderen, sondern auch aus den eigenen und aus dem tatsächlichen Rollenverhalten. Daher kann ich dir nur zustimmen: Jemanden auffordern seinen eigenen Weg zu machen und dann den „Handlungskorridor“ durch zu dominante Rollenerwartungen einzuengen, ist schlicht widersprüchlich und dumm.

  2. Schon wenn ich irgendwo was von Frau Schwarzer lese bekomm ich intensiven Würgereiz. Sie dann noch zu sehen…. nun ja…
    Fakt ist, wer sich in irgendwelche Rollen stecken lässt, ist selber schuld. Willkommen Schubaden-Denkweise!!! Frau Schwarzer sollte ihre Äußerungen besser überdenken, bevor sie ihr verbales organisches Kommunikationsmittel öffnet oder auch nur einen einzigen Buchstaben zu Papiere bringt.

    Ich bin so wie ich bin, das sollte man (Frau) so dahin nehmen. „nobody is perfect“ heißt es nicht umsonst (deshalb 10€ fürs Phrasenschwein … warum eigentlich Schwein?). Und Fehler und Macken (meine 3 Paar Schuhe müssen z.B. in Reih und Glied stehen) machen einen Menschen ja erst richtig sympathisch (außer Frau Schwarzer, auch wenn sich das widerspricht … aber für die „Fehlerquote“ meinerseits)…

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