Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Mein Körper, mein Denken, der Pickel an der Wange

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EnteIch bin nie krank. Naja. Hin und wieder, was dann aber auch jeder mitbekommen soll. Immerhin handelt es sich dabei um Ereignisse, die so selten wie die Fußballweltmeisterschaft sind – und dazu gibt es ganze Sonderhefte. Nun, das ist ein Recht, das ich für mich nicht unbedingt haben muss, aber ein wenig Aufmerksamkeit und ein Hauch Mitleid sind schon nett.

Nun ist es so, dass ich – von mir geführte Statistiken bezeugen dies – wohl eine gesundheitliche Ausnahmeerscheinung bin. Oder es ist so, dass ich den Sinn des Internets noch nicht in Ansätzen verstanden habe und es eigentlich ein „Zeigt her Eure Krankheiten“-Net ist. Dass bei Spiegel-Online nicht das Sport-Ressort das wichtigste ist, sondern dieses Gesundheitsding. Dass Facebook eigentlich Sicknessbook heißt. Twitter die Diagnose-Abteilung. Was weiß ich! Ich wusste ja auch lange nicht, dass es Privatnachrichtenfunktionen nur zum Finden potentieller Sexualpartner gibt.

Ich habe im Internet, dank meiner Studie zu Krankheiten, auch gelernt, dass es offenbar einen permanenten Kampf zwischen dem Körper und dem Denkzentrum gibt. Meine sportsoziologischen Studien während meiner wilden Oldenburger Zeiten haben mich zwar an diese Theorien herangeführt, die Praxis ist aber faszinierend. „Husten. Mein Körper ist gegen mich“ las ich vor einiger Zeit bei Facebook. „Boah, warum kämpft mein Körper immer gegen mich?“ las ich bei Twitter.

Ich dachte darüber nach, was ich diesem meinem Leben falsch oder richtig gemacht haben könnte, weil mein Körper und dieses andere Ich, unbenannt und unklar, keinen Kampf führen. Wenn der Körper kämpft – gegen wen tut er das denn? Gegen meine Gedanken? Und wo sind diese Gedanken beheimatet? In einem Gefäß außerhalb des Körpers? Auf dem Kaminsims, wie eine Urne? Oder ist mein Körper ein Gefäß wie eine Urne? Über all diese Gedanken wurde ich – Gedanken nebst Körper nebst Pickel auf der Wange – ganz wahnsinnig.

Um mich von dem Wahnsinn abzulenken und ihn abzuwenden, dachte ich über all diese Metaphern nach, die wir im Zusammenhang mit dem Körper, unserem, bringen. So viel vorneweg: Das war keine gute Idee. Nur ein großes Glas Sherry hielt mich von dem nächsten Zusammenbruch ab.

Fangen wir noch mit der einfachen Sache an: Mit dem Herzen. Weil wir doch weniger denken sollen, dafür aber das Herz hin und wieder sprechen lassen sollen. Ich gebe es zu: Mein Herz kann nicht sprechen. Es schlägt nur und das – nach Ärztemeinung – auch einen Ticken zu langsam. Vermutlich ist das der Grund, warum mir auch nie warm-ums-Herz wird. Und „Man sieht nur mit dem Herzen gut“ wäre sicherlich toll, nur leider sehen schon meine Augen nicht gut. Das Herz ist ziemlich blind, meine Brüste versperren die Sicht auf das Leben. Ein Problem, das dem ein oder anderen Mann nicht unbekannt sein dürfte.

Und was ist mit zerrissenen Herzen? Wer tut so etwas? Wie viel Kraft braucht es und reicht Klebstoff zum Kitten oder brauche ich einen Herzspezialisten, der fix Nadel und Faden holt, die Blutung stoppt und den Narkosearzt holt? Was hat dieser komplizierte medizinische Vorgang mit Liebe zu tun?

Wenn ich verliebt bin, schlägt mir das eher auf den Magen (als ob die Liebe schlagen kann!). Dort, wo die Schmetterlinge sein sollten. Aber eigentlich nur der Magen knurrt, weil ich nicht essen kann. Wenn dort ein Tier lebt, dann ein Brummbär. Allerdings impliziert dies, dass mein Bauch sehr groß ist! Ich habe mich fett genannt.

Womit wir beim Magen sind: Dort geht die Liebe durch. Stellt sich die Frage: Wo geht sie hin? Der normale Gang des Lebens wäre in den Darm, um dann komplett zerschreddert und stinkend in der Kanalisation zu enden. Das ist nicht sonderlich romantisch und in keinem Fall auch nur ein Stückchen angenehm. Und woher kommt sie? Nichts ist einfach irgendwo da? Atmen wir die Liebe ein? Ist sie wie eine Polle, flatterhaft und die Nase kitzelnd? Kann man Liebe essen? Was ist das Rezept und wieso steht es in keinem Backbuch?

(Na, schon wahnsinnig? Ein wenig Sherry ist noch da…)

Ohja, ich könnte noch lange so weiter machen. Ich könnte über das Gewaltpotential hinter „Das schlägt mir auf die Nieren“ sprechen und die Frage, was Dialysepatienten davon halten. Ich könnte darüber schreiben, welche Möglichkeiten es gibt, über die Leber zu laufen und ob man Matschflecken aus dem empfindlichen Gewebe herausbürsten kann. Inwiefern „Das geht mir unter die Haut“ wirklich positiv ist und ob man in diesem Falle nicht immer ein paar Tücher zum Aufwischen der Sauerei in der Handtasche haben sollte. Und ob ein Kampf mit den Ellenbogen nicht olympisch werden sollte, weil mir nicht klar ist, wie das genau aussehen soll.

Das könnte ich. Aber meine Gesamtheit aus Körper und Gedanken und Pickel an der Wange sagt mir gerade, dass ich dringend mal etwas trinken sollte. Und dass ich doch noch zum siebten Mal in den vergangenen Wochen Tatsächlich Liebe gucken wollte – ein Film, der durch Mark und Bein geht.

Wer ist eigentlich Mark?

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