Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Mit der Triebfeder – ohne die Hantel

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Und irgendwann: Matschig wie eine Banane.

Und irgendwann: Matschig wie eine Banane.

Zum Ende des Studiums, es waren MeinVZ-Zeiten, gab es diesen furchtbaren Spruch: „Auch Diamanten entstehen unter Druck“ hieß es, wenn die Hausarbeit in einer Nacht- und Nebelaktion zusammengeschustert wurde, mehr ein Tanz auf dem Faden der Wissenschaft als eine bodenständige Arbeit im Garten der Theorie. Die Menschen, die obiges sagten, sahen dabei stolz aus. Als würde die Tatsache, sie würden nichts rechtzeitig fertig bekommen, sie zu besseren Menschen machen.

Das ist natürlich Murks. Druck macht niemanden zu einem besseren Menschen. Druck macht wahnsinnig. Nicht umsonst mag man keine Menschen, die einen unter Druck setzen, die sagen „Mach mal“ oder „Drei Kilo weniger würden Dir besser stehen“ oder „Nun bekomm Dein Leben endlich in den Griff“. Druck macht aus Bananen Matsch, Äpfel werden faulig und das feine Steak wird zäh. Warum sollte es uns Menschen besser gehen?

Und das Schlimme: Wir setzen uns ja ständig selber permanent unter Druck. „Ich muss das besser machen“, sagen wir uns sehen nicht, dass gut ist, was wir tun. Sicherlich: Man sollte auch immer einen Ansporn haben, sonst wird das nichts. Aber Ansporn ist kein Druck. Ansporn ist: „Ich kann gut mit Zahlen umgehen. Ich könnte mich in die und die Theorie einarbeiten.“ Ansporn ist die Triebfeder, ein Antrieb. Druck ist: „Egal, was ich tue: Es ist blöd. Es wird nie gut werden. Aber ich muss. Muss. Muss.“ Druck ist das Gegenteil von Ansporn – das zeigen schon die jeweiligen Richtungen. Beim Ansporn geht der Pfeil nach vorne, beim Druck nur gegen die Wand.

„Auch Diamanten entstehen unter Druck“ ist nur ein Schönreden. Diamanten sind ein Phänomen und haben kein Herz. Sie müssen nicht nebenbei noch Liebeskummer überwinden, Heimweh, Selbstfindungen und Kränkungen. Diamanten sind an sich schön. Wir müssen und die Nägel machen, die Haare legen, die Augenringe abdecken, den passenden Rock zum dicken Hintern finden und die schönen Dinge an uns erst finden. Wir haben eindeutig mehr Probleme als ein Diamant. Niemand buddelt uns aus dem Dreck aus und sagt: „Wow.“ Man buddelt uns aus und sagt: „Bekloppt, oder was?“

Es wäre solch eine Wohltat, wenn nur der Luftdruck auf uns läge. Stattdessen müssen wir viele verschiedene Rollen ausfüllen, uns zufrieden stellen. Andere zufrieden stellen. Und dann auch noch acht Stunden am Tag schlafen. Und die Phrase: „Setz Dich nicht so unter Druck“ hilft da nur wenig, wenn die Luft vor lauter Druck nur noch zu einem geringen Prozentsatz in unsere Lungen will.

Und nein: Ich stehe nicht unter Druck. Ich habe Ansporn. Der Unterschied macht es. Wie beim Glück ist auch die Sache mit dem Druck eine Einstellungssache. Beim Ansporn kann ich das Tempo verlangsamen. Selber. Beim Druck geht das nicht so einfach. Es ist wie eine zu schwere Hantel, die sich beim Stemmen auf die Brust gelegt hat. Da liegt man nun drunter, bewegungsunfähig, wie ein Käfer aus dem Rücken, die Beine zappelnd. Es ist ein Stückchen demütigend.

Mein persönlicher Ansporn ist ja schon seit langem, einen schönen Schluss für meine Texte zu finden. Das geht auch jetzt nicht. Der Ansporn ist da. Aber ich nehme nun Tempo raus, werde gleich noch etwas durch den Schnee laufen und tief einatmen. Ohne die Hantel auf der Brust. Und morgen werde ich mit der Triebfeder des Ansporns aus meinem Bett springen und … naja… mal sehen.

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5 Kommentare zu “Mit der Triebfeder – ohne die Hantel

  1. „Wir haben eindeutig mehr Probleme als ein Diamant. Niemand buddelt uns aus dem Dreck aus und sagt: “Wow.” Man buddelt uns aus und sagt: “Bekloppt, oder was?”“

    Oh Gott hab ich grad so hart gelacht ^^

  2. Hmmm, jein. Ohne Druck mach ich nix, sei es selbstgeschaffener Druck oder externer. Abgabetermine, Deadlines, Zwänge. Das ist auch gar nicht schlimm, solange (ich glaube das ist der Unterschied in Deiner und meiner Beurteilung) die Triebfeder (bzw. der Antrieb) da ist. Sprich: Ich halte meine Deadlines, WEIL ich Antrieb habe, der aus mir kommt, der kommt, weil ich (wenigstens meistens) MAG, was ich tue, weil ich KANN, was ich tue, und weil ich wenigstens glaube, dass ich das, was ich nicht kann, dazulernen kann und möchte.

    (An der Punchline musste aber echt noch arbeiten)

    Äääh. Kommt ein Bär in eine Bar und bestellt Bier. Ist das jetzt ein Bar-Bier oder ein Bär-Bier? (ich bin auch kein Gagschreiber, ich sehe es ein. Meist.)

  3. Meine Punchline ist super – aber ich bin eben nicht Tomte!

    (Die nächste machst Du dann, Alter!)

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