Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Die Sache mit dem Steak und dem Pudding

4 Kommentare

Tomatensalat zum Steak. Läuft.

Tomatensalat zum Steak. Läuft.

Ich pauschalisiere gern. Obwohl ich mich eigentlich dagegen wehre und eigentlich auch dafür bin, Strukturen mit Vorschlaghämmern aufzubrechen. Deswegen sagen wir vielleicht so: Ich breche runter. Das sagen Journalisten gern, wenn sie Geschichten besser begreifbar machen wollen. Marktforscher clustern, das habe ich gestern gelernt. Und das klingt viel viel besser als pauschalisieren.

Ich liebe Strukturen. Ich bin ein wenig neurotisch und sehe die Welt in kleinen bunten Quadraten, in denen ich Informationen ablege. In meinem Kopf sind luhmann’sche Zettelkästen untergebracht, in denen Profile der Menschen sind, die ich kenne. Hin und wieder klemmt eine Schublade, manche donnere ich auch gegen die Wand und entzünde ein Feuer mit dem Papier, andere nehme ich immer wieder fest in die Hand.

Das zur Einleitung. Kommen wir nach rund 125 Worten zum Kern des Textes.

Ich unterteile Männer in zwei Kategorien, prinzipiell sind es sogar drei. Es gibt Männer, für die möchte ich Pudding kochen. Es gibt Männer, für die möchte ich ein Steak braten. Für die dritte Kategorie möchte ich gar nicht kochen. Dazu gehört beispielsweise mein Alkoholikernachbar, der sehr viele Stunden in seinem Keller unter meinem Schlafzimmer verbringen kann. Er ist ein wenig unheimlich. Die letzte Kategorie ist sehr groß. Ich befasse mich nur ungern mit ihr.

Beginnen wir mit den zwei anderen Kategorien, die immer wieder für Verwirrung sorgen. Beispielsweise dann, wenn ich meine Verehrung für dieses wunderbare Stück Musik damit zum Ausdruck bringe, dass ich sage: „Ich möchte Ben Howard einen Vanillepudding kochen.“

Vanillepudding ist eigentlich gar nichts für Männer. Das ist eher für Jungs. Jungs sind gar nicht so toll, wie man glaubt. Sie sind unreif und dabei ein wenig niedlich. Eher süß. So zum Hachen. Noch.

Steaks brate ich für Männer. Und ja, es ist so herrlich klischeemäßig, dass es vermutlich zahllosen unrasierten Frauen im Bundestag gerade Angst und Bange wird.

Das ist sie also, meine äußerst simple Unterteilung der Männerwelt. Das Problem, so stellten die Bremer Freundin und ich vor kurzer Zeit fest, ist aber, dass es die gibt, für die man Steak braten würde – bis man merkt, dass sie nicht einmal den 19 Cent-Vanillepudding aus dem Discounter wert sind.

Die Bekannte musste beispielsweise die Erfahrung machen. Toller Mann, einige Wochen lang. Dann wurde klar, dass der Steak-Mann vielleicht doch eher ein Pudding-Junge war. Aber man mag ja nicht aufgeben, manche Jungs müssen eben erst wachgeküsst werden. Vielleicht hatte er einfach noch nie ein Steak. Kann ja sein.

Aber dann, noch ein paar Wochen später, kam das ziemlich böse Erwachen, das die Bekannte erst einmal den Kochhandschuh an den Nagel hängen ließ. Eine Dosensuppe mit Ravioli wäre zu viel für den Mann an ihrer Seite gewesen. Sie war belogen und verarscht worden, für dumm gehalten und gedemütigt worden. Während sie noch für ihn kochte, war er schon wieder auf der Suche nach einer neuen Küche. Und machte sich dann unter ziemlich gewürzarmen Entschuldigungen aus dem Staub.

Für solche Typen kocht man am besten gar nicht. Keinen mit lockerer Hand selbstangerührten Pudding mit liebevoll ausgekratztem Vanillemark. Und erst recht kein Steak, das nur kurz die glühende Pfanne küsst, bevor es mit frisch-gemahlenem Pfeffer und etwas grobem Meersalz eine leidenschaftliche Verbindung eingeht.

Ich denke, dass es nur wenige Bereiche gibt, in denen eine Unterteilung in drei Kategorien ausreicht. Aber ich halte – nicht ganz ohne Stolz – meine Einteilung in „Steak“, „Pudding“ und „hier bleibt die Küche kalt“ für grandios. Beinahe für unfehlbar. Für Friedens-Nobelpreis-verdächtig. Oder Liebes-Nobelpreis. Da bin ich mit einer grenzlosen Selbstschätzung nicht so.

Wie viel Leid man sich ersparen könnte, wenn in trauten Frauenrunden nicht darüber geredet werden würde, ob er es wert ist, ob er diese und jene Eigenschaft hat, die Arme uns gefallen und der Hintern in der Chino knackig ist. Nein, einfach nur die Frage: „Steak oder Pudding?“ Mann oder hoffnungsvoller Junge?

Von so viel gesellschaftlicher und wissenschaftlicher Großtat erschöpft, fehlt mir leider die geistige Kapazität, um nachzuforschen, ob eine ähnliche Unterteilung auch für die Frauenwelt gilt. Aber eines sei gesagt: Ich nehme das Steak.

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4 Kommentare zu “Die Sache mit dem Steak und dem Pudding

  1. OMG! Ich habe keine Ahnung, ob der @ElJoel Pudding mag! Steaks habe ich ihm allerdings schon gebraten. Und er mir… ehm…

  2. Frauen dieser Welt: Haltet euch an Männer, die Sushi als »Nachtisch« verzehren. Sie sind kultiviert, bereiten Spaß bei ihren ungelenken, aber durchaus sympathischen Versuchen des Mit-Stäbchen-Essens und besitzen adäquate Blutfettwerte.

  3. Mir kommt nur der Steak-Mann in die Küche Pudding gibt’s im Kühlregal!

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