Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Der frauenfreundschaftliche Hass

3 Kommentare

Lieber an etwas Schönes denken: Herbst, klare Luft, Laubgeruch.

Lieber an etwas Schönes denken: Herbst, klare Luft, Laubgeruch.

Es gibt, bekannterweise, eine ganze Menge Hass auf dieser Welt. Hass halte ich prinzipiell für ein verzichtbares Gefühl. Die Welt würde aus weniger Abneigung und aus mehr Kuchenduft bestehen, die Anzahl der Magengeschwüre würde schlagartig um 83,7 Prozent sinken. Hass ist, im Gegensatz zur Meinung einiger, kein Antrieb. Er blockiert, macht traurig und Sodbrennen und treibt die Menge der Rüstungsexporte hoch. Man kann ihn nur ablehnen, den Hass.

Allerdings gibt es eine Ausnahme. Es gibt immer irgendwelche Ausnahmen. Mein Bruder mag keinen Fisch, aber Fischstäbchen isst er. Ich mag die Farbe Braun, aber Nazis finde ich doof. Der Kater schläft den ganzen Tag, aber wenn ich den Kühlschrank öffne, dann ist er da.

Die Hass-Ausnahme ist der freundschaftlichen Hass. Den gibt es vor allem bei Frauen, bei Männern ist er mir bisher noch nicht begegnet. Gemeint ist kein Hass ohne Frauen. Frauen sind stutenbissig und zickig und manchmal grantelig. Hass auf andere Frauen, wissen wir, macht Falten und ist unsinnig. Gemeint ist der Hass auf Männer. Es ist ein frauenfreundschaftlicher Hass. Und das muss ich nun wohl erklären.

Freundinnen sind solidarisch, loyal bis zum Besuch bei der Kosmetikerin. Wahre Frauenfreundschaften sind zu 99,9 Prozent unzerstörbar. Und wenn die eine Freundin durch einen Mann in die Arme von Traurigkeit und Vodka getrieben wird, dann hassen die Freundinnen diesen Mann. Sie können ihn vorher gemocht haben, sie können nur das Beste von ihm gehalten haben: aber ab dem einen Moment wird er gehasst. Punkt.

Dieser Hass ist ziemlich brennend. Freundinnen können Freundinnen nicht leidend sehen. Lieber geben sie ihren liebsten pinken Mantel an die Altkleidersammlung, wissend, ihn danach an einer einsamen Landstraße im Ostblock stehen zu sehen. Kein Mensch leidet gern. Menschen, die das gern tun, leiden nicht. Sie baden in Selbstmitleid wie andere in einem Schaumbad. Wohlig, jauchzend, mit Wohlfühlgänsehaut.

Punkt für Punkt wird in dieser Hassphase jeder Nachteil des Mannes genauestens betrachtet. Jeder Vorteil wird in das Gegenteil verkehrt. Aus „Er hat sich so gut gekümmert“ wird „Er hat eingeengt und kontrolliert“. Gut, dass man die Welt so einfach reden kann. Und dass Freundinnen hassen.

Denn die in die Arme von Traurigkeit und Vodka getriebene kann meist nicht hassen. Nicht sofort. Statt vor Wut zu schreien, sitzt sie jammernd auf dem Sofa, ahnend, dass sie nie genug sein wird und sie unliebbar ist. Der Verstand weiß: Es gibt immer eine Katze in einem Tierheim, die für 59-Cent-Katzenfutter liebt. Das Herz sagt: Auch die Katze wird mich nur blutig kratzen.

Die Freundinnen sind in dieser Phase, die von wenigen Tagen bis zu mehreren Wochen dauern kann, die Stellvertreterinnen am Hass-Gefühl. Aus der Geschichte wissen wir: Stellvertreter können gefährlich sein. Sie sind emotionaler Tornado und immer-wieder-Vorleserinnen aller Pamphlete. Ich weiß nicht, was eine Gebetsmühle ist, aber wenn „gebetsmühlenartig“ bedeutet, dass immer wieder Dinge gesagt werden („Du hast etwas Besseres verdient.“ „Er ist ein Weichei.“ „Er hatte dieses hässliche Haar am Arm.“), dann sind Freundinnen in dieser Zeit eine Gebetsmühle.

Beeindruckend an dieser Form von Hass ist, dass er endlich ist. Sobald der Mann wieder aktuell ist, sich für seine Wirrungen entschuldigt hat, ist all der Hass vergessen, alle Pamphlete sind verbrannt und die Asche ist in alle Winde verstreut. Es ist, als wäre all das Jammern nie gewesen.

Aus diesem Grund ist der frauenfreundschaftliche Hass ein guter Hass. Weil er durch schwere Zeiten bringt, vielleicht für den Betreffenden unangenehm ist (nun, wenn er es verdient hat?), aber irgendwann ein Ende findet. Spätestens dann, wenn der neue Mann da ist und alles beiseite schiebt, was in die Arme von Vodka und Traurigkeit getrieben hat.

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Lange nicht geschrieben. Ich weiß. Das liegt an AppTalk.

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3 Kommentare zu “Der frauenfreundschaftliche Hass

  1. Ja, dieser Hass haben Männer nicht so gut drauf. Immer, wenn ich irgendwas gehässiges über einen bestimmten Ex von mir von mir gab (und das völlig zu Recht), konterte mein bester Freund mit: „Ach komm, der war ein lieber Kerl.“

    Nein, er war KEIN lieber Kerl. Er hat mich auf ekelhafteste Weise abserviert und jeder, der sich mit ihm fraternisiert, bestätigt damit irgendwie, dass das in irgendeiner Weise OKAY gewesen ist!

    Meine Freundinnen wissen das instinktiv. Meinem besten Freund habe ich das mehrmals erklärt, aber er versteht es immer noch nicht. Tze…

  2. Ich bin froh ein Mann zu sein. Das ist so schön unkompliziert! 😉

  3. Ich habe auch schon mir nicht näher bekannten Männern schlimme Dinge auf den AB gequatscht, weil sie meine Freundin schlecht behandelt haben. Das finde ich im Nachhinein natürlich ein bisschen peinlich, aber im Prinzip völlig o.k. Mein Freund findet dagegen immer alle neuen Freunde seiner Ex-Frau total nett – auch den, mit dem sie ihn während ihrer Ehe betrogen hat, wohlgemerkt. Da kann man nichts machen. Männer sind anscheinend so!

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