Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Der Hund von Beziehungsville

Ein Kommentar

Gassi gehen - hoffentlich regnet es.

Gassi gehen – hoffentlich regnet es.

Die Bekannte hat ein Problem. Wie es so oft auf dieser Welt ist: ein Mann ist schuld. Er ist klug, sieht toll aus und hat rund 83,7 Prozent der Zeit angenehme Umgangsformen. Eine perfekte Kombination, die der Bekannten einige Freude bereitet. Weniger erfreuend: Dieses Exemplar Mann hat eine Freundin. Eine, mit der er zusammen wohnt. Eine, von der er sich eigentlich gern trennen würde. Eigentlich. Denn da gibt es ein Problem.

Das Problem hat vier Beine, stinkt bei Regen und musste Stubenreinheit erst lernen. Ein Hund, dessen Name hier zum Schutz des Tieres nicht genannt werden soll. Nun mag der ein oder andere sich nachdenklich das lichte Haupthaar kratzen und fragend auf den Monitor starren. Und ja, ich wiederhole es noch einmal: das Problem ist ein Hund in Wadenhöhe. Ein Terrier.

Denn der obige Mann kann – trotz guter Anlagen – nicht mit seiner Freundin Schluss machen. Weil der Hund da ist. Der Hund soll kein Scheidungshund werden.

Eine ehrenwerte Einstellung, ist doch manchen Männern bei einer Scheidung selbst das eigene Kind egal. Da wird sich noch durch die Beziehung geschleppt, nur um dem Kind ein dreisames Weihnachten zu ermöglichen. Mir als Scheidungskind sei die Anmerkung erlaubt: Manchmal ist eine Trennung für alle Seiten besser. Aber zurück zum Hund.

Denn der Mann hält die Bekannte nun auf furchtbare Art und Weise hin. „Ich kann mich nicht trennen“, sagt er: „Da ist doch der Hund.“ Die Bekannte hadert mit sich, ist sie doch auch eine Tierfreundin und hat Angst, zur bösen Stiefhundemutter zu werden. Ein grausamer Gedanke. Terrier sind bissig, wie mag es werden, wenn der Hund zum Papa-Wochenende angefahren kommt. Wie wird er den Umgebungswechsel nur verkraften?

Aber soweit ist es ja noch nicht. Und vermutlich wird es nie soweit kommen. Schliesslich soll der Hund – und ich wiederhole mich – kein Scheidungshund werden. Hat überhaupt schon einmal über das Leid von Hunden nachgedacht, die zum Schlüsselhund werden? Alleine Gassi gehen, weil der übriggebliebene Elternteil das Chappi verdienen muss? Keine Hundeschule mehr, weil die Wochenenden nun abwechselnd bei Hundemama und Hundepapa stattfinden? Keine hundige Dreieinigkeit mehr auf dem Sofa, weil es nur noch eine Zweieinigkeit wäre…

Scheidungstiere sind ganz offensichtlich ein bisher von der Forschung nicht genügend gewürdigtes Metier. Das begrüße ich sogar, denn der Gedanke, dass auf VOX ein Scheidungshunde-Doktor-Format in Serie geht, ist dann doch zu schlimm.

Ich möchte anmerken: Ich liebe Tiere. Sie gehören zur Familie. Ich glaube aber auch, dass ein Hund es ertragen kann, wenn seine Besitzer sich trennen. Die Trennungsausrede „Aber der Hund…“ ist daher nur ein Teil in einer ganzen Reihe von Ausreden, warum man sich nicht trennen kann. Da wäre ja auch noch „Sie braucht mich„, „Ich mag nicht allein wohnen“ oder auch sehr beliebt „Nachher ist es die falsche Entscheidung“. Und nein, diese Sätze habe ich mir nicht ausgedacht. Sie sind mir im Laufe der Zeit zugetragen worden. Von verzweifelten Frauen, die nicht verstehen konnten, warum der Mann, den sie lieben (und der sie liebt), dann doch in seiner unglücklichen und festen Beziehung verweilte.

Der Leidtragende ist langfristig nicht der Hund und auch nicht das gebrochene Herz der Frau. Der Leidtragende ist der Mann, der lieber lange konstant unglücklich ist, als einmal eine Entscheidung zu treffen, die der Stärke eines erwachsenen Charakters angemessen wäre. Und so bleibt zum Ende dieser Geschichte nur zu hoffen, dass die Bekannte sich schnell umorientiert und einen Mann findet, der sie zu schätzen weiß. Einen, der ihr die Heimatstadt bei Sonnenaufgang von einem Kran aus zeigt. Der mit ihr Essen gehen will und sie liebevoll „Kleine“ nennt. Der ihr die Hand hält, wenn sie müde ist und keinen Gedanken daran verschwendet, dass der Andere gerade mit einer Hundekottüte durch den regennassen Park glitscht.

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Ein Kommentar zu “Der Hund von Beziehungsville

  1. Ich hoffe auch, dass die Frau diesen meines Erachtens nach feigen Typ bald abschießt und möchte an ihren Stolz appellieren: Wer hat es nötig, dass der Mann wegen eines Hundes an seiner Seite bleibt?!!

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