Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Zuhause dringend gesucht, Badesaster #5

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Der Heizlüfter: ein nerviger Mitbewohner. Ich hasse ihn.

Der Heizlüfter: ein nerviger Mitbewohner. Ich hasse ihn.

Morgen, also am Donnerstag, was für einige vielleicht schon heute oder auch gestern ist, kommt der Handwerker. Zwischenmessung zum Feuchtigkeitsgehalt meiner Wand, meines Bodens. Ich bin aufgeregt wie ein kleines Kind und hoffe nur auf die drei Worte: „Es ist trocken.“ Ich vermute, ich werde enttäuscht. Der Luftentfeuchter ist nie so feucht wie er sein sollte, immer noch weht Schimmel durch meine Wohnung – der Körper dankt es.

Der Heizlüfter: ein nerviger Mitbewohner. Ich hasse ihn.[/caption]Viel schlimmer als all der Lärm durch den surrenden Trockner, die fliegenden Schimmelsporen und das tägliche Kontrollieren der Heizplatten in Wohnung und Hausflur ist aber das Gefühl, kein Zuhause zu haben. Sollte der Handwerker morgen noch einmal zehn Tage dran hängen, verkrieche ich mich unter meinem Bett und weine. Lange. Niemand wird mich mehr sehen, bis ich ein Zuhause habe.

Denn auch wenn ich dieser Welt die größtmögliche Flexibilität entgegenbringe, so ist mir doch eine Sache wichtig: Eine Tür, die ich hinter mir schließen kann. Und hinter dieser Tür: Ich, mein Kater, mein Bett, meine Ruhe.

Was ich stattdessen habe: eine schimmelige Badewanne im Flur, die von raschelnder Plane überzogen ist und stinkt. Rund 37 Grad im Badezimmer. Einen widerlichen Entfeuchter im Bad, an den ich mich in Unterwäsche nicht auf drei Meter nähern mag. Einen schreienden Kater, der ebenso strukturkonservativ wie ich ist. Einen Duschabfluss, auf den der Handwerker eine Heizplatte gelegt hat – der Gestank war am Wochenende bestialisch. Wie Kloake, dreckiges Katzenklo und umgekippter Badesee in einem. Parfumeure hätten sich im Kabel der Heizplatten erhängt.

Ach, ja. Mir ist nach Jammern zumute. Wenn ich kein Zuhause habe, in das ich gern komme, dann werde ich unleidlich. Es ist vermutlich nur noch ein kurzer Schritt zu einem Blog, in dem ich mein trübes Seelenleben offenbare, anderen die Schuld für mein eigenes Versagen gebe und versuche, durch die exzessive Beschreibung meiner körperlichen Leiden ein Mitleid einfordere, das eigentlich niemand bereit ist zu geben. Schon jetzt kralle ich mich an die Menschen, die mir eine warme Dusche offerieren, möchte sie nicht von mir lassen. Ich bin schwach geworden.

Die Wanne. Verpackt, mitten im Flur. Ein Schimmelvaporisator.

Und es ist ja so: Wenn ich am Abend, nach einem Tag voller Mühsal, nach Hause komme, dann ist es nicht vorbei. Irgendwann im Laufe des Abends werde ich mein Handtuch nehmen, meine kleine Tasche mit Duschgel, Shampoo und Bodylotion in mein Handgelenk hängen, und wie ein trauriger Fluss zur nächsten Dusche mäandern. Erst dann, verlacht von den Menschen, die mir unterwegs begegnen, wieder zuhause, ja, erst dann ist Feierabend. Der Entfeuchter singt sein trauriges Lied, während ich verzweifelt Kristofer Aströms This surely ain´t my home summe.

Aber genug der Melodramatik, der mich eigentlich gar nicht hingeben möchte. Kein Mensch mag jammernde Menschen, die die Probleme nicht anpacken. Morgen kommt der Handwerker, um den Trocknungsgrad festzustellen – und sollte der nicht das sagen, was ich hören will: ALTER! Drückt mir die Daumen. Und duscht eine Runde auf mich – ich gönne sie euch von Herzen.

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15 Kommentare zu “Zuhause dringend gesucht, Badesaster #5

  1. Donnerstag, das ist morgen. Drücke somit ab jetzt Daumen, damit das morgen funktioniert.

  2. Ich drücke dir ganz fest die Daumen!!!

  3. Donnerstag, das war gestern. Drücke die Daumen, dass der Handwerker die 3 magischen Worte zu dir gesagt hat!

  4. Falls nicht: Ich bin mehrere Wochenenden nicht in Berlin. Sie kennen die Dusche. Packen Sie Ihren Kater und entspannen Sie in meinem flauschigen Heim. Sie müssten sich das Bad nur mit meiner Mitbewohner, aber garantiert nicht mit einem Entfeuchter teilen.

  5. Pardon, ich meinte natürlich „… meiner Mitbewohnerin teilen“.

  6. Bei mir kommt der Handwerker am Dienstag. Das Schimmelproblem teile ich – allerdings in der Küche. Ich hab noch nie so trauriges Obst und Gemüse gesehen. Ich hoffe, der Handwerker hat die entscheidenen drei Worte gesagt?

  7. …und „strukturkonservativ“ ist übrigens ein sehr schönes Wort! 🙂

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