Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Kuchen für den Weltfrieden

8 Kommentare

Kuchenteig. Luftig, locker, glücklich machend.

Ich backe Kuchen. Ständig. Eigentlich mindestens zweimal die Woche. Kuchen ist mein Yoga (das ich zusätzlich noch betreibe) mit positivem Ergebnis für meine Umwelt. Zitronenkuchen, Apfelkuchen, Schokoladenmarzipankuchen, Käsekuchen mit Erdbeerfüllung, Proseccocremeküchlein. Heute: Donauwelle. Kuchenbacken beruhigt.

Hin und wieder, das ist bekannt, koche ich auch Marmelade oder Kompott ein. Oder ich backe Brot. Oder Brötchen. Neu-Leser werden nun verwundert den Kopf schütteln, halten mich einige seit meinem Beitrag über die Fahrradfahrer doch für ein intolerantes Monster mit mindestens 666 fiesen Gehirnwindungen. Das mag ich sein, immerhin esse ich auch Fleisch und habe schon mehrfach nervigen Menschen Bier ins Gesicht geschüttet. Der Fußballteufel und ich, wir grüßen uns mit Handschlag. Echt.

Aber darum soll es ja nicht gehen. Ich wollte von den Freuden des Backens berichten. Wozu man eigentlich auch nicht sonderlich viel sagen kann.

Donauwelle noch ohne Wellen. Aber immerhin noch warm…

Ich vermute: Hätte ich Menschen in meinem Haushalt, die Kuchen essen, ich würde wohl noch mehr backen. Eigentlich könnte ich jeden Tag backen. Außer Cupcakes. Cupcakes halte ich für die Ausgeburt des Bösen, sind die doch zu süß und zu bunt und zu klein und nur eine Auswirkung des Schmal-ist-süß-Prinzips. Greift ja auch bei Frauen. Kleidergröße 32 und so. Ich mit meiner Mad-Menesken Figur kann dagegen nur unsüß wirken. Was gut ist, ich will mich nicht beschweren und auch keinem auf seine Füße treten.

Wenn ich in den Vorbereitungen bin, die Arbeitsfläche abwische, die Zutaten herausstelle, den Mixer aus dem Schrank hole und die Butter schmelze, dann überkommt mich solch eine Ruhe, dass es beinahe bedenklich ist. Ich bin dann ganz bei mir, auf eine entspannte Weise hochkonzentriert. Meist höre ich einen Podcast, von dem ich aber doch nicht viel mitbekomme, weil ich über den Teig, die Konsistenz und die Modifikationen nachdenke. Manche Kuchen backe ich auch ganz ohne Mixer. Es braucht nur etwas Übung, den Teig trotzdem luftig hinzubekommen oder Eischnee über-kopf-halt-sicher herzustellen.

Backen ist bei mir Gefühlssache. Ich besitze keine Waage und keine Eieruhr. Ich fühle, was 300 Gramm sind, ich sehe, wann der Kuchen fertig ist. Mache ich Hefeteig, rede ich mit ihm wie mit einem alten Freund. Und irgendwann, nach vielen Minuten intensiven Gesprächs, ist der Teig wie warme Haut auf meinen Händen. Nichts klebt, der Teig ist ein Hauch aus Luft und Hefe. Wundervoll.

Vermutlich verdanke ich dieses Verhältnis zum Backen meiner Mutter. Als wir klein waren, gehört das sonnabendliche Backen zu den friedlichen Momenten im Haus. Die Tür war zu, der Backofen wärmte den Raum, vor dem Fenster wehten die Bäume und grasten die Kühe – und da standen wir. Meine Mutter und ich. An der Küchenmaschine. Am Herd. Es roch nach warmer Butter, nach frischen Äpfeln, nach ausgepressten Zitronen oder nach Zimt und Zucker. Es war still und ruhig.

Es ist irgendwie gut zu wissen, dass das Backen an sich für mich die Beruhigung ist – und nicht das Essen des Kuchens. Natürlich esse ich ein Stück. Wobei: so natürlich ist das eigentlich gar nicht. Ich probiere manche Kuchen gar nicht und überlasse alles den Kollegen, den Freunden, früher auch den Nachbarn.

Schokolade. Zartbitter. Besser geht es nicht.

Man könnte mir natürlich nun vorwerfen, ich wolle meine Umgebung dick machen. Ich bin ja kein guter Mensch, deshalb sei dieser Gedankengang erlaubt. Aber ich glaube, Kuchen macht glücklich. Und deswegen backe ich manchmal sogar vegane Kuchen oder Kuchen mit nur drei Weight Watchers-Kuchen. Mich macht es glücklich, wenn der Kollege mit dem brandenburgischen Wortschatz in ein Stück Kuchen beisst, dabei die Augen schließt und „Mmmh“ macht. Es ist schön, wenn der gute Freund beim Gehen sagt „Darf ich noch ein Stück für die Mitbewohnerinnen mitnehmen?“. Und wenn der liebe Patenkollege sich an den Teller schleicht, um das vierte Stück Apfelkuchen auf seinen Teller zu laden.

Die Menschheit sollte mehr backen. Vermutlich schlagen nun ungezählte Bäcker die Hände über dem Kopf zusammen. Aber ganz ehrlich: Das, was der Bäcker bei uns am Büro backt, das hat mit Kuchen nicht viel zu tun. Alles schmeckt irgendwie gleich und nun gibt es sogar Bubble-Tea-Kuchen! Einen gedeckten Apfelkuchen habe ich dort hingegen erst einmal bekommen. Gedeckter Apfelkuchen! Ein Klassiker der Konditoreikunst und mein absoluter Lieblingskuchen – den könnte selbst ich essen bis ich platze!

Der liebe Freund hat es erkannt.

Aber: Backen entspannt, Backen beruhigt. Ich hätte kein Problem damit, an Sonntagen mit dem Rad durch die Straßen meiner Wahlheimat zu fahren und Menschen ein Stück Kuchen zu bringen. Kuchenbringdienst. Eine wunderbare Geschäftsidee, die doch keine Zukunft hat, wenn ich vehement dazu auffordere, dass alle selber backen.

Nun, die Donauwelle von heute wird am Montag seine Abnehmer finden. Die Kollegen sind schon vorgewarnt. Mit Taschen behängt werde ich mich in den 1. Stock schleppen, über all die Schlaglöcher fluchend, die den Transport des Kuchens zu einer Wackelpartie haben werden lassen.

Advertisements

8 Kommentare zu “Kuchen für den Weltfrieden

  1. Schokoladenmarzipankuchen! 😉

  2. Ich kann nur zustimmen! Backen ist wunderbar entspannend und macht Freude, zuweilen auch Freunde! 🙂

  3. Wohin soll ich meine Bestellung schicken? 🙂

  4. Ich habe mir auch schon häufig überlegt, dass wenn ich meinen Beruf aufgebe, stattdessen ein Tortentaxi „gründen“ sollte. Sollen wir einen Business-Plan erstellen? 😉

  5. Das ist die schönste Anleitung zur Weltverbesserung, die mir in letzter Zeit untergekommen ist. .)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s