Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Grab! Mich! So! Nicht! An!

5 Kommentare

Heute, es war heiß, der Bekannte und ich saßen in der Mittagspause ermattet nebeneinander, sprachen wir über Anmachsprüche. Die der dummen Sorte. Menschen sagen ja häufiger mal dumme Dinge, Männer wie Frauen sind da nicht sicher. Aber Anmachsprüche – puh!

Ich glaube fest daran, dass der Mensch an sich keine Anmachsprüche braucht. Sicherlich: anmachen meint, etwas anmachen, ein Feuer bei dem anderen entzünden. Das ist eine schöne Vorstellung in einer Welt, in der so viele Menschen nicht mehr brennen. Aber Anmachsprüche – die kühlen ab. Bei mir ist es zumindest so.

Deshalb schämte sich der Bekannte auch, mir sein BestOf zu kommunizieren. Als ich ihn fragte, ob ich schon einmal vorsorglich beschämt auf den Boden sehen sollte, sagte er: „Bitte.“ Und so fing er an – nicht ohne zu betonen, dass er diese Sprüche nicht nötig habe (weil verheiratet) und auch nie nötig gehabt hätte. Er habe nur davon gehört.

Altbekannt und schon vor Jahren einmal im Playboy erwähnt: „Merk Dir meinen Namen, Du wirst ihn heute Nacht noch häufig schreien.“ An diesem Spruch zeigt sich schon, dass nur ein kurzfristiges Feuer entfacht werden soll – und Bescheidenheit keine Charaktereigenschaft des Sprechenden ist. Ein gewisses Unterstatement kann durchaus aufregend sein (permanentes allerdings nicht), sich selbst loben darf nur Barney Stinson.

Wie gesagt: das generelle Problem der Sprüche ist, dass der Sprechende solch hohe Erwartungen weckt, dass er prinzipiell nur enttäuschen kann. Als Beispiel wäre da zu nennen: „Mach ma Mund auf – passt – kannst mitkommen“. Ich lasse es, diese Worte zu erklären. Mich würde allerdings interessieren, welcher Typ Frau daraufhin willenlos wird. Ich nicht. Der Bekannte konnte mein irritiertes Gesicht nicht ganz verstehen.

In die ähnliche Schiene springt auch, Frauen beim Gähnen anzusehen und dann zu sagen „Oh, könnte eng werden“. Nun mal ganz ganz ehrlich: Wer findet das witzig? Welcher Mann macht sich so zum Deppen und sagt das? Und schlimmer: Welche Frau erleidet dabei keine spontane Gesichtsentgleisung? Als ich gerade im Penny an der Kasse gähnen wollte, unterdrückte ich es mit aller Kraft – ich habe offensichtlich ein Trauma davon getragen.

An der Uni begab es sich einmal, dass eine Bekannte angegraben wurde. Es war eine BWLer-Party, wir saßen vor dem Mensaeingang und tranken Bier. Ein junger Mann lehnte sich zu ihr: „Deine Augen sehen aus wie der Mond… Le Monde…“ Peinliches Schweigen. Sie sah ihn an: „Le Monde ist die Welt, Du Depp.“ Merke: Wer mit Fremdsprachen bezaubern möchte, der sollte sie wenigstens beherrschen.

Vor allem Komplimente bieten Stolperfallen. Die Augen wie Sterne sind wie altes Brot, das ansteckende Lachen wurde durch Kati Witt untragbar und „Isch finde Deine Brüste schön“ ist mehr so Dorffest. Wir sprachen auch über „Du hast so viele Kurven – und ich keine Bremsen“. Sensible Gemüter könnten das auch mit „Hast Du mich fett genannt?“ beantworten. Ich sagte dem Bekannten, er solle ein „schön“ vor die „Kurven“ setzen und das mit uns könnte eine ganz aufregende Sache werden. Wir lachten. Aber Kurven sind ja auch so ein Thema, bei dem manche Frauen die Hasskappe bekommen. Ich bin mir meiner durchaus bewusst – ich würde also nur schweigen, sollte ich so angesprochen werden. Und kein Bier im Gesicht des Mannes ausschütten.

Das würde ich allerdings und auf jeden Fall machen, sollte ein Mann kommen und folgendes sagen: „Blas mir einen oder wollten wir knutschen?“ Der Bekannte hatte diesen Satz, diese Frage, von einem Freund und schämte sich sichtlich dafür. Kein Wunder. Ich war kurz sprachlos und wollte sofort, dass wir an einem Wochenende einmal austesten, wie viele Frauen in die Knie gehen. Es bereitet mir Sorgen, dass die Quote über null liegen könnte.

Das Projekt ist allerdings noch nicht ganz aufgegeben, wir suchen nur einen Mann, der es riskiert, angespuckt, angeschrien, getreten und mit Getränken beschüttet zu werden. Oder auch Erfolg zu haben und die Nacht seines Lebens genießen zu können.

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5 Kommentare zu “Grab! Mich! So! Nicht! An!

  1. Habe mal ein Experiment gesehen, wo ein Typ auf einem Uni-Campus fremde Frauen fragen musste, ob sie mit ihm schlafen wollen. Keine der Frauen wollte, aber nur wenige reagierten entsetzt. Die Frau, die losgesendet wurde, um selbige Frage ihren männlichen Kommilitonen zu stellen, hatte deutlich mehr Erfolg.

    In jedem Fall ist eine Anmache die Eindeutiges fordert auch rechtlich nicht ganz ohne!

  2. Schlimm, sehr schlimm, das alles. Abgründe.
    Allerdings: der Spruch mit den Kurven und den Bremsen hat eine gewisse Neckisch… heit… Neckigig… keit… äh, also Du weißt schon. Da müsste ich zumindest lächeln und würde mich durchaus in Folge auf einen Drink einladen lassen. 🙂

  3. Echt, so übel? Ich glaube, mir ist noch nie ein vorgefertigter Anmachspruch in freier Wildbahn begegnet. Die, die sich halt so ergeben, sind weit weniger peinlich; sonst sähe ich schwarz für den Fortbestand der Menschheit …

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