Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Humorvoll sucht…

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Im Rahmen einiger Beschimpfungen der vergangenen Wochen soll auch ans Licht gekommen sein, dass ich keinen Humor habe. Der genaue Wortlaut war sogar: „Ulrike, Du hast einfach keinen Humor.“ Diese Feststellung war für mich nicht neu. Auch ich behaupte von mir selber, dass ich nicht humorig bin. Ich konnte dem, der mich beleidigen wollte, in diesem Punkt also nur zustimmen.

Erich Kästner, einer der Meister des Humors hat gesagt: „Der Humor ist der Regenschirm der Weisen.“ Und da ich ebenfalls nicht weise bin, kann ich ohne Humor im Herzen gut leben. Natürlich empfand der Beleidigende meine Zustimmung zu seiner Feststellung als Zeichen dafür, dass bei mir charaktertechnisch noch nicht Comedian und Witzebuch verloren sind.

Denn das ist für die Menschen Humor: Ein unter Aufmerksamkeitsdefizit leidender Mann, der über seine eigenen Worte stolpert, die er selber nicht im geringsten versteht. Oder ein Witzebuch mit konstruierten Geschichtchen wie diesen: „Treffen Sich 2 Blondinen. Sagt die eine: ‚Dieses Jahr ist Weihnachten an einem Freitag!‘ Sagt die andere: ‚Hoffentlich nicht an einem 13ten!'“

Jedem Menschen mit Verstand ist klar, dass ich in einer Welt, in der so mit Humor umgegangen wird, nicht „humorig“ sein möchte. Ja, da lasse ich mich doch lieber beschimpfen und produziere mich als knochige Alte, die nicht einmal einen Keller hat, in den sie zum lachen gehen kann.

Vielleicht liegt all das aber auch Umgang mit dem Wort „Humor“. Und der Humor kann für all das gar nichts! Denn „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“. Humor verlangt also scheinbar, dass man lacht, auch wenn man nicht lachen möchte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Herr Humor einer war, der wollte, dass wir uns verstellen.

Aber es erklärt natürlich, warum einige Menschen mit Gebrüll und ohne Wortgewalt Stadien füllen. Es ist eine Aufgabe unserer Zeit geworden, sich den Humor geradezu beweisen. Und was ist ein besserer Beweis, als sich irgendwo hinzubegeben, um einem gescheiterten Telekommunikationsanlagen-Elektroniker dabei zuzuhören, wie er sich selber demontiert?

Lachen ist eine der einfachsten zu erlernenden Regungen. Ich kann nicht auf Knopfdruck weinen. Aber das mit dem Lachen funktioniert. Deshalb greifen viele Menschen auf ein Lachen zurück – weil es die einfachste Reaktion auf etwas ist, bei dem man eigentlich nicht lachen möchte. Und das meinte der, der mich beleidigte, wohl auch mit „Ulrike, Du hast einfach keinen Humor“. Mir war – wie der Volksmund so gerne sagt – das Lachen vergangen.

Viele Menschen verwechseln ja auch gerne „Humor“ und „über sich selbst lachen können“. Humor ist – ich wiederhole mich – „wenn man trotzdem lacht“. Über „sich selbst lachen können“ erfordert ein gewisses Maß an Selbstreflektion und die Fähigkeiten auch mal zu sagen: „Hier reicht es.“ Humor aber verlangt scheinbar nur ein debiles Grinsen. Ich neige dann doch eher dazu, die Fähigkeit „über mich selbst lachen können“ mein eigen zu nennen.

Dabei ist Humor ein so schönes Wort. Auch wenn es sich auf den Auswuchs einer furchtbaren Krankheit reimt. Und auch ein wenig auf das, was manche Menschen haben, wenn sie auf Entzug sind.

Aber an sich scheint mir der Humor nicht erstrebenswert zu sein – ohnehin finde ich kaum etwas erstrebenswert, das sich in scheinbar so vielen Facetten der Welt zeigt. Und von dem niemand weiß, was es so recht ist. Das ist wie Cola. Das trinkt jeder, aber keiner weiß, was drin ist. Pferdeblut und Zucker? Oder doch Teer und Süßstoff? Das einzige, das ich haben möchte und von dem ich immer noch nicht weiß, was es genau sein soll, ist Liebe. Aber dazu an anderer Stelle.

Es stellt sich nach Betrachtung des Wortes „Humor“ nun ja auch die Frage: Was meinen all die verzweifelten Mittvierziger, die sich in ihrer Kontaktanzeige als „humorvoll“ bezeichnen? Meint es, dass dieser Mittvierziger nach gescheiterter Ehe, nur noch lacht, weil er nicht weiß, wohin mit seinen Gefühlen? Glaubt er, dass „humorvoll“ intellektuell etwas hermacht und ihn als einen Mann zeigt, der mit Rotwein lächelnd in einer Lesung sitzt?

Ach, was wäre es schön, wenn es nicht die ganze Zeit diese Quälereien über Worte geben würde. Ist Humor nun gut – oder schlecht? Ist es schlimm, dass ich unhumorig bin? Oder bin ich nur eben etwas anderes, das aber viel besser ist? Als ich nach Synonymen für „humorig“ suchte, da fand ich „heiter“. Heiter, das finde ich schön. Es klingt nach Sonne nach einem Regenschauer, nach dieser klaren Luft nach dem reinigenden Gewitter. Es klingt, als ob es andere Menschen mit glücklich macht. Heiterkeit. Heiter – das könnte ich sein.

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2 Kommentare zu “Humorvoll sucht…

  1. Das erste, was ich hier im Blog gerade angeklickt habe, war der „Ein Mädchen“-Reiter. Und schon da las ich: Habe keinen Humor. Aha, habe ich mir gedacht, interessant. Habe das aber erstmal auf sich beruhen lassen. Und dann ein bisschen weiter gelesen. Und bin zu der Meinung gelangt: Das stimmt so nicht. Du distanzierst dich vielleicht von der gängigen Meinung von Humor, aber humorfrei bist du deswegen in meinem Augen noch lange nicht. Deine Texte bringen mich (unter anderem) zum Schmunzeln. Und wer mich zum Schmunzeln bringt, hat meiner Meinung nach Humor. Wie er (der Humor) verpackt ist, ist ja eine ganz andere Frage, aber er ist da. Man muss nur andere Menschen finden, die ihn ähnlich definieren!

    • Zum Schmunzeln… Das ist gut! Ich warne die Menschen nur lieber vor und sagte gern, dass ich unhumorig bin, weil ich über Comedians oder viele Komödien gar nicht lachen kann. Und: Willkommen im Blog!

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