Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Wieder einmal: Revierkämpfe

2 Kommentare

Vor einiger Zeit schrieb ich über die Schwierigkeit der männlichen Reviermarkierung. An diesem Wochenende nun durfte ich Revierverteidigung fern von Smartphones und Laptops beobachten. Auf einer Party.

Für mich besteht der größte Reiz auf Partys darin, mich auf einen Platz zu setzen (oder mich irgendwo hinzustellen), von wo ich einen guten Überblick habe. Von dort aus beobachte ich die Menschen. Wie sie sich innerhalb der Gruppe bewegen, was sie tun, um sich eine Rolle auf der Party zu geben. Selbst bei fortgeschrittenem Alkoholkonsum mache ich das noch. Einige denken dann, dass ich mich nicht amüsiere. Dass ich die Menschen um mich herum doof finde. Aber das ist nicht so.

Auf dieser Party nun ergab es sich, dass ein junger Mann die Freundin eines anderen Partygastes anschäkerte. Erst gab er ihr Feuer, lehnte sich zu ihr rüber, vergewisserte sich, dass er ihren Namen richtig verstanden hatte. Und während sie sich über die außerpaarliche Aufmerksamkeit freute, wirkte ihr Freund irritiert.

Nach einer kurzen Pause, in der er sich wohl etwas fangen und im Nebel der Partylaune orientieren musste, fing er an, auffällig auf der Tanzfläche zu hopsen. Hin und wieder ließ er seinen Blick in Richtung Freundin wandern. Aber die war beschäftigt.

Als nach rund fünf Minuten der Balztanz nicht die gewünschte Wirkung zeigte, schlich er beinahe unauffällig zu seiner Freundin. Seine Hand legte sich auf die Schulter seines Konkurrenten: „Na, was redet ihr so?“ fragte er und beide antworteten „Dies und das“. Dann legte er ihr seine Hand in den Nacken, küsste sie und sah dem anderen Mann danach fest in die Augen: „Ich gehe dann mal wieder tanzen.“

Den Eindringling (nennen wir den Mann einmal so, der sich an die vergebene Frau heranmachte) beeindruckte das gar nicht. Selbst als der Freund ihm zum Tanzflächen-Abschied noch einmal ordentlich auf die Schulter schlug, da blieb er sitzen. Andere wären durch die Demonstration männlicher Stärke in Richtung der Bierkiste entschwunden – nicht aber so das wochenendliche Exemplar.

Es muss kaum erwähnt werden, dass die Frau den männlichen Schaukampf mit Wohlwollen beiwohnte. Kurz nach oben beschriebener Szene, als die Männer auf der Tanzfläche plötzlich eine merkwürdige Art von brüderlicher Tanzperformance zeigten, lehnte sie sich zurück und lächelte. Die eine Hand hatte sie lässig über die Stuhllehne gelegt, der andere Arm lag auf dem Tisch, im entspannten Klammergriff eine Flasche Bier.

Dabei ist es fraglich, ob es wirklich um sie ging. Revierkämpfe finden sich bei Männern auch in anderen Bereichen. Wenn es darum geht, den Platz an der Theke als „Stammplatz“ zu verteidigen. Auch die Gigantomanie im Bereich der Fernseher hat durchaus etwas mit Revierverteidigung zu tun. Beinahe jede Frau hat doch schon einmal hören müssen, wie der Mann an ihrer Seite stolz von seinem keine-Ahnung-wieviel-Zoll-Ding sprach. Je höher die Zahl der Fernsehdiagonale, umso männlicher der Mann. Und auch beim Thema Auto ist das so. Erst wenn der Wagen das gewöhnliche Parkplatz sprengt, kann er sich beruhigt zurücklehnen, der Mann.

Frauen, ich schrieb schon einmal drüber, kämpfen weniger. Der geneigte Leser erinnert sich vielleicht noch an Text und Diskussion dazu. Um es noch einmal kurz zu wiederholen: Irgendwann hat man als Frau keine Lust mehr aufs Kämpfen. Sobald man merkt, dass der Mann auch noch woanders wildern könnte, ziehen wir uns zurück. Still und heimlich sind wir dann plötzlich weg vom Fenster. Wir wollen erobert werden – und nicht erobern.

Warum auch? Männer finden Revierkämpfe von Frauen doof. Sie nennen das dann „Zickenkrieg“ und gehen lieber mit ihren Kumpels Bier trinken. Und während sie das tun, reissen wir uns bei diesem hässlichen Bitchfight womöglich unsere Fingernägel ein (als ob ich welche hätte!), bekommen blaue Flecke und verlieren eventuell auch noch die Achtung vor uns. Dann doch lieber den geordneten Rückzug antreten, in Form einer langen und heißen Dusche die Wunden lecken, sich auf andere Dinge konzentrieren und der anderen Frau den Mann überlassen.

Diese weibliche Einstellung kollidiert – man ahnt es bereits – damit, dass Männer sich selbst interessant finden, wenn mehrere Frauen um sie buhlen – und manchmal auf beschämende Weise damit kokettieren. Während Frauen all das eher anstrengend und nervig und als beinahe peinlich empfinden, sonnen sich die Männer gerne in den strahlenden Blicken von Frauen. Sie plustern, schäkern und interpretieren die Realität sehr kreativ, um vordergründig vor dem weiblichen Geschlecht als wahrer Mann gesehen zu werden. In Wirklichkeit aber wollen sie vor allem vor sich selber als ganzer Kerl dastehen.

Um auf den Ausgangspunkt dieses Textes zurückzukommen: Revierkämpfe sind ein noch kaum beachtetes Forschungsfeld. Wer lädt mich auf eine Party ein?

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2 Kommentare zu “Wieder einmal: Revierkämpfe

  1. Würde zustimmen, dass Männer „Zickenkriege“ nervig finden, ist bei mir jedenfalls so.

    Mir fällt bei deinen Texten immer das Experiment mit den Fischen ein :

    Fisch (Mann) wird Fisch (Frau) auf einem Bildschirm gezeigt (oder auch in echt). Fisch (Frau) findet Fisch (Mann) aber uninteressant. Dann werden zum Fisch (Mann) mehrer Fische (Frauen) eingblendet/dazugesetzt. Plözlich findet Fisch (Frau) den Fisch (Mann) doch sehr interessant und greift manchmal auch die Fische (Frauen) an ( = Zickenkrieg).

    • Ich würde weiterschwimmen. Das Leben ist doch zu kurz, um sich permanent die Schuppen ausreissen zu lassen – und vermutlich trägt man dann noch eine Narbe an seiner Schwimmblase davon… Nee nee…

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