Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Die Dreistufigkeit der vorpaarlichen Annäherung

2 Kommentare

Vor einiger Zeit lief ich mit dem Freund durch das abendliche Leipzig. In einer Kneipe warteten Freude und man hatte sich vorgenommen, im schmeichelnden Abendlicht ein oder zwei Bier zu trinken. Wir liefen dort also schlendernd und sprachen über Männer und Frauen, und wer von uns wie gerade in welche Richtung schäkert, flirtet und ob überhaupt und warum und – ach!

Und wir kamen auf die zwei Worte, über die ich schon einmal schrieb. Das Schäkern. Und das Flirten. Und auf den Unterschied zwischen diesen beiden Worten. Diese zwei Worte scheinen von großem Interesse zu sein – täglich kommen Menschen über diese Suchbegriffe auf diesen meinen Blog.

Aber der Freund sagte: „Sag nicht schäkern. Das ist ein doofes Wort.“ Und ich entgegnete: „Aber was soll ich denn sonst sagen?“ Und er: „Wenn flirten nicht geht, dann sag doch anbandeln.“

Anbandeln also.

Erst fand ich das doof. Anbandeln. Das klingt so konkret. Nicht wie schäkern, was doch so wunderbar unkonkret klingt und zu meiner ganzen flatterhaften Persönlichkeit passt.

Aber dann, als ich länger nachdachte, fand ich zwar, dass „anbandeln“ „schäkern“ nicht ersetzen kann, sehr wohl aber eine Zwischenstufe zwischen „schäkern“ und „flirten“ darstellt. Und das fand ich schnell interessant.

Denn während, wie schon geschrieben, das schäkern eher locker und ohne ein längerfristiges oder zumindest mittelbares Ziel ist, bedeutet anbandeln doch mehr „Ich gucke, was kommt“. Es ist so, als ob man vor einem Planschbecken mit diesen komischen Plastikfischen steht. Das gibt es manchmal bei Kindergartenfesten.

Da hat man so eine kleine Plastikangel in irgendeiner merkwürdigen Farbe. Ponypink. Himmeldunkelblau. Kleegrün. Und so. Man steht also dort. Mit der Angel. Und wirft sein Plastikband in Richtung Wasser, um einen der Plastikfische zu angeln. Man bandelt an die Fische.

Vielleicht darf man eine Minute das Band ins Wasser werfen. Am Ende dieses Bandes ist ein Magnet. Und manchmal dockt dieser Magnet an einem der Fische an – und manchmal nicht. Vielleicht hat man Glück und erwischt einen der Fische. Man hat es nicht unbedingt gewollt, aber nun, wo es geklappt hat, freut man sich doch. Vielleicht gibt es zur Belohnung eine von Kindern getöpferte Vase. Oder ein schönes Fensterbild.

Aber man ist auch nicht traurig, wenn es nicht geklappt hat. Weil man eher locker versucht hat, einen der Magnetfische im trüben Wasser zu treffen. Es gibt keinen Preis, aber man hat für eine Minute ein wenig Spaß gehabt, konnte seine Fähigkeiten am Plastikhaifischbecken testen und hat eventuell mit den 50 Cent, die man an Teilnahmegebühr bezahlt hat, etwas Gutes getan.

Damit konnten nun drei Stufen der menschlichen Annäherung ausgemacht werden – was mich wirklich fasziniert. Ich würde beinahe behaupten, dass ich damit weltbewegendes, wenn nicht sogar nobelpreisverdächtiges entdeckt habe. Aber wie es im Leben so spielt: Man bekommt Preise dafür, dass man Elektroden Samba tanzen lässt. Aber wenn man dann mal die Dreistufigkeit der vorpaarlichen Annäherung entdeckt hat, dann wird nur gesagt: Na und?

Dabei ist es doch die Liebe, die unsere Gesellschaft zusammen hält. Das weiß, wer Tatsächlich Liebe gesehen und/oder meinen Artikel zu den trivialen Gürkchen gelesen hat. Das weiß auch, wem schon einmal klar wurde, dass es nur eine Sache auf der Welt gibt, vor der er hilflos stehen möchte. (Die Antwort ist: Liebe). Aber nein, ihr wollt ja unbedingt Elektroden, die Samba tanzen können.

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2 Kommentare zu “Die Dreistufigkeit der vorpaarlichen Annäherung

  1. sehr schön – und absolut wichtig, diese stufen und begriffe zu differenzieren, denn wie sangen schon element of crime: „ohne klarheit in der sprache ist der mensch … nur ein gartenzwerg“!
    Vielleicht ist das schäkern aber die grundform, aus der heraus sich alles andere entwickelt. Unser lieber freund arslan hat vor einiger zeit in dieser sache mal die interessante unterscheidung „schäkern um des schäkerns willen“ vs. „schäkern auf interesse“ gemacht.
    Also, hier muss man/frau thematisch dringend am ball bleiben!

  2. hui! das „schäkern auf interesse“ kann man sicherlich noch einmal unterteilen. eigentlich wollte ich mich nun ja mit den stufen der entfremdung beschäftigen – aber mir scheint, das schäker-feld muss noch weiter beackert werden.

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