Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Weil ich eine Königin bin

Ein Kommentar

Meistens geht es in meinen Texten ja um die Verwirrung der Männer. Die, und das ist die nicht sehr wohlschmeckende Wahrheit, es nicht leicht haben. Bambis wollen sie um ihre Männlichkeit bringen, andere Männer ihnen das Revier streitig machen und dann sollen sie auch noch immer wissen, wo es langgeht. Nicht einfach das Leben.

Aber auch das weibliche Geschlecht hat es nicht leicht. Gar nicht. Und es hat nichts mit rutschenden Strumpfhosen oder manipulierten Waagen zu tun. Das sind die geringsten Probleme in unserem Leben.

„Ich bin ein Mädchen, sei lieb zu mir“, kokettierte ich in die Richtung eines ehemaligen Kollegen, den es mittlerweile in die bayerische Ferne getrieben hat. Er schüttelte den Kopf. „Quatsch“, sagte er: „Du bist kein Mädchen, Du bist eine Frau.“

Und vor einigen Jahren schrieb eine Freundin eine Lokalspitze über ein gemeinsames Abenteuer. Sie nannte uns zwei „wir Mädels“. Die männlichen Redakteure waren empört. „Ihr seid Frauen“, sagten sie. „Wie könnt ihr euch selbst nur ‚Mädels‘ nennen?“

Diese zwei Geschichtchen aus meinem unbewegten Leben machen klar: Wir Frauen schwanken zwischen Mädchen und Frauen. Und auch mein Blog hat oben die Seite „Ein Mädchen„. Würde ich die Seite umbenennen in „Eine Frau“? Wohl eher nicht. Die Frage ist nur: Warum eigentlich nicht?

Ich schreibe über Prinzessin Ulle und in einem Blog bin ich als „Ulle, das Mädchen da“ verlinkt.

Das ist widersinnig. Immerhin bin ich 30 Jahre alt, im kommenden Monat werde ich 31 Jahre alt. Ich bin eindeutig kein Mädchen mehr. Wenn eine Person weiblichen Geschlechts das Erwachsenenalter erreicht hat, dann ist sie eine Frau. Punkt.

Aber das ist eben viel zu einfach. Das männliche Geschlecht kann es kaum erwarten, ein Mann zu werden. Mit Bart und Motorrad oder einem schnellen Auto, mit tiefer Stimme und diesem Blick, der sagt „Ich bin ein ganzer Kerl.“ Der „junge Mann“ klingt ein wenig nach Kopftätscheln, nach „wird nicht ganz ernst genommen“. Selbstverständlich, dass ein Junge ein Mann werden will. Adoleszenz ist für sie ein Zustand, der möglichst schnell vorüber gehen soll.

Bei Frauen ist das aus irgendeinem Grund anders. Dabei lässt sich das Problem kaum beschreiben. Sicherlich: Die Kleidung für Mitglieder des weiblichen Geschlechts ist auch für 13-Jährige weiblicher – ob man eine 14-Jährige oder eine 22-Jährige vor sich hat, das ist ein Problem, vor dem nicht nur Kassierer an der Supermarktkasse stehen. Aber irgendetwas an der Kleidung ist eben immer verspielt. Macht aus der Trägerin eher ein Mädchen, das mit den Reizen einer Erwachsenen spielt, als eine Erwachsene, die mit den Reizen eines Mädchens spielt. Alter: egal.

Und das bleibt eben so. Frauenzeitschriften geben Tipps für Flechtfrisuren, die „mädchenhaft“ wirken. Nicht „frauenhaft“. Denn was für eine Frau wirkt schon „frauenhaft“? Es gibt eher „feminin“, aber auch dieses Wort ist angefüllt mit der Vorstellung von verspielten Röckchen, süßen Ballerinas und mit Blumen verzierten Haaren. „Feminin“ ist nicht gleich „Frau“. Auch Männer können immerhin feminin sein, wenn sie schmale Hemden tragen und beim Reden ihre Arme weich zur Unterstützung des Gesagten bewegen.

Wir Mädchen/Frauen haben mit dieser Krux zu kämpfen. Weil die Gesellschaft uns einen gewissen Infantilismus geradezu aufdrückt. „Nimm das Leben leicht, drehe Dich in bunten SommerkleidCHEN und lasse Deine Zöpfe romantisch in der untergehenden Sonne leuchten“ wird uns entgegengeschrien.

Was sind wir also? Frauen, Mädchen? Oder gar: Frauchen? Was definiert eigentlich eine Frau? Sind es nur die vollständig ausgereiften geschlechtlichen Merkmale? Ist es eine besondere Einstellung zum Leben? Was ist es nur?

Der geneigte Leser erinnert sich daran, dass ich gerne damit spiele, einmal Prinzessin werden zu wollen. Ich habe nie gesagt, dass ich Königin werden möchte. Dabei war die von mir geschätzte Queen Elizabeth bereits mit 25 Jahren Königin – meine Regentschaft würde also schon beinahe sechs Jahre andauern. Meine noch sehr viel geschätzterte Queen Mum wurde hingegen erst mit 36 Jahren Königin. Ich hätte also noch etwas Zeit.

Hören wir Prinzessinnen, was eindeutig nach Mädchen klingt, dann sehen wir Prinzessin Mette-Marit (Norwegen) mit ihren blonden Haaren und dem strahlenden Lächeln. Oder Prinzessin Maxima, ebenfalls blond und mit kleiner niederländischer Fahne winkend. Oder Prinzessin Mary Elizabeth (Dänemark), mit langen, offenen, braunen Haaren.

Königinnen hingegen gucken irgendwie angestrengt. Sie tragen große Hüte, werden von ihren Männern betrogen und Verrückte versuchen, sie zu überfahren. Königin sein, das klingt anstrengend. Prinzessin sein, das klingt nach Spaß (außer man heißt Letizia und lebt in Spanien). Kein Wunder, dass wir alle irgendwie lieber Prinzessin respektive Mädchen sein wollen. Es klingt nach weniger Verantwortung, nach offenen Haaren, die im Wind wehen. Nach unbeschwertem Lachen. Königinnen haben das nicht. Königinnen müssen das nicht. Sie müssen regieren. Und delegieren. Ihr Haar darf nicht wehen, weil es sonst in den Eintopf auf dem Herd fällt.

Bei Männern – siehe oben – ist das eben völlig umgekehrt. Da klingt „Junge“ nach unschönen Dingen: nach Stimmbruch, nach Geruch wie Pumakäfig und nach Mitschülerinnen, die lieber den größeren „Jungs“ hintersehen. Als Mann ist das dann anders. „Mann“ klingt positiv. Nach Führerschein und Alkohol kaufen können. Nach Herrenmannschaft und nicht nach: A-Jugend.

Und so stehen wir mit unseren zwei X-Chromosomen eben da. Hin- und hergerissen zwischen Frau und Mädchen, zwischen Prinzessin und Königin.

Als ich vor einiger Zeit feststellte, dass meine Haare wieder so lang sind, dass ich sie zu Zöpfen machen könnte, sagte ein Kollege: „Boah, tu es nicht!“ Ich hingegen fühle mich am Abend, auf dem Sofa sitzend, einen Kakao in der Hand und die Haare zu zöpfen gezöpft, so juvenil. Leicht und ohne Sorgen.

Die Kunst ist es, um auch ein Fazit zu ziehen, beide Positionen auszufüllen. Manchmal ein Mädchen zu sein; am Abend auf dem Sofa, eine Folge Sex And The City schauend, sich keine Gedanken zu machen, die Füße in einen Eimer voller warmem Wasser und wohlduftender Seife zu tunken. Dort ist man dann die Prinzessin, die keine Verantwortung hat.

Und am kommenden Tag ist man eben wieder die Frau, die dem süßen Mann an der Supermarktkasse mit dem „Ich weiß, was ich will“-Blick zulächelt. Eine Königin eben, die in ihrem Herzen immer noch Platz für das kleine Mädchen, die Prinzessin hat, die sie einmal war – und eben manchmal immer noch ist.

Unterzeichnet: Königin Ulle.

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