Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Wann ist ein Mann ein Macho?

4 Kommentare

Ich wurde wieder etwas gefragt. Und ich hatte keine Antwort. Dem geneigten Leser fällt auf: Ich habe selten spontan eine Antwort. Ich muss immer nachdenken. Das hat etwas mit der fehlenden Schlagfertigkeit und der fehlenden geistigen Flexibilität zu tun.

„Was ist ein Macho“ wurde ich gefragt. Prinzipiell ist die Frage simpel. Gucke ich bei Wikipedia nach, erfahre ich, dass Macho ein spanisches Lehnwort ist. Und eigentlich bedeutet es einfach nur „männlich“. Das ist ganz und gar nicht schlimm. Es ist sogar begrüßenswert. Werden die Männer doch immer weiblicher. Diverse Charaktereigenschaften werden, so Wikipedia, dem Macho zugeschrieben. Die Denkweise: konservativ. Eine Neigung zu Dingen, die Prestige verschaffen. Sowie Chauvinismus, Angeberei und latente Homophobie.

Für mich sind das eher Merkmale eines Idioten. Oder vielleicht dessen, was einen Macho einmal beschrieben hat. Aber heute, heute sind die Machos anders. Männer sind schließlich nicht doof, sie sind ein Novo-Macho im Fell eines Frauenverstehers.

Die junge Dame, die mich fragte, was ein Macho sei, hat – und da sind wir uns recht sicher – einen Macho zuhause. Einen netten Mann, wirklich. Zu Ostern kaufte er ihr entzückende Ohrringe, wenn sie auf dem Sofa sitzt, sieht er sie liebevoll an. Wenn er weiß, dass er die Stadt für einige Tage verlassen muss, dann vermisst er sie schon vorher. Man merkt: er würde alles für sie tun.

Aber in ihm, da steckt ein kleiner Macho. Die Selbstverständlichkeit, mit der die Küche als „ihr Reich“ bezeichnet. Beispielsweise. Aber fassen – im Sinne von definieren – können wir es nicht richtig, dieses Machotum in ihm.

Ohnehin ist der Begriff ja schwer. Eine Freundin erzählte mir beispielsweise von einem Mitglied ihrer Clique. Dieser Mann wohnte mit Mitte, Ende 20 noch zuhause, teilte sich bis vor einigen Wochen sogar ein Zimmer mit seinem Bruder. Warum? Weil er es zuhause eben so schön findet. Dort, wo Muttern das Essen kocht und Vaddern ab und zu mal nach dem Motor sieht. Aber ist Sohnemann ein Macho? Oder nur ein Weichei?

Die Freundin sagte: „Der ist ein Macho.“ Und im ersten Moment war ich auch gewillt, ihr zuzustimmen. Aber dann wurde mir klar: „Nee, der ist kein Macho. Der ist einfach nur ein Fall für Schwiegertochter gesucht.“

Wer bis zu diesem Punkt noch nicht eingeschlafen ist, der ahnt: Macho ist ein Begriff, der nicht im geringsten zu greifen ist. Denn auch die Beschreibung „ein Macho ist faul“ kann nicht als richtig erachtet werden. Warum? Ganz einfach.

Ein Macho ist nicht faul. Er hat immerhin eine Menge Arbeit und Zeit investiert, um sich einen Kreis aus vornehmlich Frauen aufzubauen, die ihm nun die unangenehm anfallende Arbeit abnehmen. Das ist nicht faul, das ist auch nicht dumm. Das ist ganz schön klug.

Das hat beinahe etwas von dem weiblichen Bambitum: Augen aufreissen, Mann gefügig machen, Spinne entfernen lassen.

Vielleicht hätten wir da unseren männlichen Gegenpart zum Bambi: den Macho. Beide haben immerhin gewisse Ähnlichkeiten: Sie becircen das andere Geschlecht, um Arbeit abgenommen zu bekommen. Sie gaukeln uns nur vor, etwas zu sein, das sie eigentlich nicht sind (Bambi: hilflos. Macho: Frauenversteher). Und sie sind die Pest im Geschlechterkampf.

Ja, ich glaube, das ist es. Machos stellen sich selber als etwas dar, das sie nicht sind. Aber zeigen das, was Frauen gerne in Männern sehen würden. Und so verdrängen sie die wirklichen, die ehrlichen Männer, die dann in der zweiten Reihe stehen bleiben. Wie eben auch die Nicht-Bambifrau hinter den Bambis verschwinden. Ich kenne etliche Frauen aus der zweiten Reihe. Sie stehen dort und hüpfen, winken mit weit ausholenden Bewegungen. Aber die Männer sehen sie nicht. (Ich persönlich bin übrigens in der dritten Reihe Tee oder Kaffee trinkend anzutreffen)

Aber zurück zu den Machos. Da ich ja gerade die Handwerker an der Haustür habe, dachte ich mir, ich könnte den doch mal fragen, was Männer so als Machos definieren würden. Er grinste mich mit seinen weißen Malerklamotten an: „Es gibt keine Machos“, sagte er. Und ich: „Ääääähm.“ Und er: „Wir Männer sind nur das, was ihr Frauen aus uns macht.“

Eine äußerst kluge Antwort, wie ich fand. Denn er hat recht. Und so wird der junge Mann vom Anfang, von dem wir glauben, dass ein Macho in ihm steckt, nun etwas Gegenwind zu spüren bekommen. Denn er kann ja nur auf dem Sofa liegen, weil keine Frau ihn je dazu genötigt hat, etwas zu tun. Vielleicht ist das die Krux mit den Bambis und Machos dieser Welt. Vielleicht lehnen sie sich einfach zurück und lassen die Dinge machen, die gemacht werden müssen, weil sie es können. In diesem Sinne: Bambis und Machos findet euch! Ich gieße mir unterdessen eine zweite Tasse Tee ein. Mit Kluntje. Dort, in der dritten Reihe.

Advertisements

4 Kommentare zu “Wann ist ein Mann ein Macho?

  1. Ich glaube, ich bin mit dem Maler verwandt. Das ist nämlich mein Spruch. 🙂

  2. Ich gestehe: vor einer dieser gigantomanischen Spinnen, die meine Wohnung so wahnsinnig wohnlich zu finden scheinen, werde ich auch zum Augen aufreissenden Bambi, das um Rettung wimpernklimpert. Der Retter, gäbe es ihn, dürfte dann ruhig auch ein wenig Macho sein, das nähme ich gern in Kauf für ein spinnenfreies Leben.

  3. Wissen Sie übrigens, dass es in Spanien ebenfalls die Bezeichnung „macha“ gibt? Und zwar für eine toughe Frau, die ihren Mann steht und dieser Begriff ist nicht abwertend gemeint.

    • Worüber ich aber auf jeden Fall noch einmal schreiben werde: Der Marianismo. Ich schreibe zu selten über geschlechtliche Phänomene – und dann nehme ich auch die „Macha“ dazu…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s