Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Ja, wo sind sie denn?

15 Kommentare

Vor einigen Tagen, während eines karsonnabendlichen Brunches, fragte man mich, wo man als Single eigentlich andere Singles kennenlernen würde. Gemeint waren natürlich: Männer in meinem Alter, das ja bekanntlich bei 30 Jahren liegt. Ich zuckte mit den Schultern. Ich wusste keine Antwort.

Tatsächlich ist es nämlich so: Ich habe einfach gar keine Ahnung. Wo lernen die Paare sich heute kennen? Wo trifft man Gleichgesinnte, die nicht schon seit Ewigkeiten vergeben sind?

Früher, noch jünger, da traf man Menschen an der Uni. Jedes Semester gab es Frischfleischnachschub, in einigen interdisziplinären Vorlesungen konnte man sich einen Überblick über das Material anderer Studiengänge verschaffen. Bei mir und bei einigen Freundinnen und Freunden leider ohne langfristigen Erfolg.

Aber wenn man dann arbeitet und den Rat „Don´t fuck in the factory“ beherzigt: was passiert dann?

In der gestrigen Diskussion erörterten wir auch die Möglichkeit, einen Mann (respektive Frau, hier sollen ja auch angeblich männliche Singles mitlesen) durch Freunde kennezulernen. So, wie es in Frauenzeitschriften ständig rauf und runter besprochen wird: Party bei Freunden und da trifft man sich. „Klingt mir doch sehr filmmäßig“, sagte die Freundin dazu. Und vermutlich hat sie recht. Optimistisch stimmt das nicht.

Wir sprachen weiter und diskutierten und sprachen und brachten Beispiele aus dem Bekanntenkreis. Wobei man sagen muss: Wir versuchten es eher. Denn wir mussten feststellen, dass es kein Geheimrezept gibt, keine Lösungsformel. Immer war es anders und so genau wusste man keinem, wie sie zusammengekommen sind. Peinliche Geschichten wahrscheinlich, die keiner Hochzeitsrede standhalten.

Wenn ich in meine Blogstatistik sehe und feststellen muss, dass mehrfach nach „Wie finde ich meinen Traummann“ gegoogelt wird, dann weiß ich: Mit unserer kleinen Fragerunde standen wir nicht alleine da. Um klarzustellen: Ich bin gar nicht auf der Suche. Aber sollte doch irgendwann einmal Not am Mann sein, dann möchte ich eine Lösung parat haben. Und ich möchte nicht schreiend im Kaufland stehen, weil mir die Verkäuferin nicht sagen kann, in welchem Regal ein Mann zum Mitnehmen und in der Biovariante steht.

Also: Wo finden? Als recht romantisch erachteten wir es (der geneigte Leser merkt: Ich suche eine Lösung für all die, die weinen auf dem Sofa sitzen, Schokolade und Rotwein in sich hineinstopfen und nach „Wie finde ich einen Traummann“ googeln), eine alte Flamme zu „reaktivieren“. Nach längerem Nachdenken fiel uns dann aber auf, dass es ja immer einen Grund gab, warum man sich deaktiviert hatte: Dummheit, unüberbrückbare charakterliche Mängel (des jeweils anderen, natürlich!), einen anderen Menschen… Sprich: Auch das Reaktivieren hat zwar durchaus Erfolgsaussichten, man muss sich aber schon genau überlegen, wen man denn nun wieder in sein Leben lässt.

Hinzu kommt natürlich, dass das Reaktivieren entgegen der Vorstellung vieler Frauen ist, dass sie gefunden werden möchte. So emanzipiert wir doch alle sind, es hört an zwei Punkten auf: Wenn eine Spinne über dem Bett hängt. Und wenn wir uns verlieben wollen.

Eigentlich müsste man sich einmal die Frage stellen, wer es so in Verruf gebracht hat, „auf der Suche zu sein“. Überall wird die Beziehung lobpreisend besungen, deren emotionale und sexuelle Erfüllung in ganze Arien verpackt (sogar die wirtschaftliche Seite – geteilte Miete – hätte zumindest eine Ode verdient). Nur wie man zu einer langfristigen Sache kommt, die über das Frühstück und die erste Phase der prasselnden Hormone hinausläuft, das sagt einem keiner. Paare lächeln einen gerne völlig verstrahlt an, sagen „Findet sich“ und erörtern dann, ob sie am folgenden Morgen lieber ein süßes Frühstück wollen oder brunchen gehen möchten (ich sagte es schon einmal in einem der vergangenen 700 Blogeinträge: Besonders diese Menschen waren dermaßen engagiert auf der Suche, dass sie mit ihrem Planungswillen selbst eine Hundertschaft in den Himalaya geführt hätten, nur um den letzten Single-Sherpa zu kidnappen. Sparta wäre nix dagegen gewesen).

Bewährt haben soll sich ja auch dieses „Geh doch mal unter Leute“. Ich habe aber noch nie jemanden getroffen, der sich sagte „Ich gehe mal unter Leute“ und dann paarungstechnischen Erfolg hatte. Ich sammele diese Geschichten: Jetzt. Natürlich nicht für mich. Aber für all die, die googeln. Denen muss ja geholfen werden, Menschenskinder.

(Der aufmerksame Leser weiß: Ich habe anderes mit mir vor. Ich werde Prinzessin)

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15 Kommentare zu “Ja, wo sind sie denn?

  1. Hmm. Aber ich habe ALLE meine (zwei) Partner auf Partys von Freunden kennengelernt. Und ich kenne jemanden, der beim „unter Leute gehen“ paarungstechnischen Erfolg hatte,

  2. Verlasse die langweilige Party von Freunden und habe noch keine Lust nach Hause zu gehen. Suche stattdessen auf dem Nachhauseweg eine Kneipe am Hamburger Berg auf und lerne auf dem Weg zum Klo einen netten und ein bißchen verpeilten Kerl kennen. ‚Der isses nicht‘, aber das macht nix. Treffe Dich ab und zu mit ihm, ja, nur zum Reden und Tee trinken, und mache irgendwann einen langen Sonntagsnachmittagsspaziergang mit ihm. Gehe dabei zufällig am Knust vorbei, wo verlockende Soundcheckgeräusche an Dein Ohr dringen. Stelle fest, dass Euer beider Geld gerade noch für Eintritt & 2Bier reicht. Gehe hinein, und treffe dort einen flüchtigen Bekannten von ihm. Gib‘ ihm Deine Nummer und… Der isses dann. ❤

  3. Meine persönliche Beziehungs-Statistik ist einerseits geprägt von Privat-Party- und Arbeits-Bekanntschaften. Weit vorne liegen jedoch auch in meinem Umfeld tatsächlich in Eheschließungen mündende Internetbekanntschaften!

    …. Und Bekanntschaften ist ein unschönes Wort, hab ich grad beschlossen 😉

    • Was ich mich bei Internet—äääh-kennenlerngeschichten interessiert: Wo im Internet? Und: Ist es nicht ein wenig verfemt, sich im Internet kennenzulernen? Vielleicht sollte ich eine Umfrage starten. Das kann ich dann auswerten und mich freuen!

  4. „Du musst mehr unter Leute gehen…“ Wie oft habe ich diesen Satz schon von Freunden oder der Familie zu hören bekommen. Leider besteht das Publikum auf „Partys von vFreunden“ ab einem gewissen Alter auch nur noch aus Paaren oder Leuten die schon vergeben sind. Auch werden weniger coole WG Partys geschmissen als dass es gediegene Weinabende mit französischem Käse gibt. Da ist es weniger angebracht sich bei klassischer Musikuntermalung unauffällig mit dem Nächstbesten (so frau den ein lediges Wesen findet) knutschend in eine Ecke zu verziehen. Wie oft habe ich mir schon vorgestellt abends alleine in einem sexy Kleid Cocktailtrinkend an der Hotelbar zu sitzen und prompt von einem attraktiven, gut betuchten Mann angesprochen zu werden, der einen Tags darauf in seinem Privatjet mit nach San Tropez (oder so) nimmt. In Wahrheit verlief mein einziger (und mit sicherheit letzter) Versuch alleine Wegzugehen weit weniger cineastisch. Ich saß tapfer 45 min alleine in meiner Lieblingscocktailbar und die einzigen Worte die gewechselt wurden waren: „Einen Gin Tonic bitte „und „Ich möchte zahlen.“

    • Oh! Aber es ist irgendwie lässig, alleine in eine Cocktailbar zu gehen. Man sollte nur mehr an seinem Habitus arbeiten. Am besten in Richtung: „Eigentlich bin ich zu gut für euch, aber versucht ruhig, mich anzusprechen!“

      • Meinst du das klappt wirklich? Ich habe nämlich die Befürchtung dass dann erst recht nichts bei rauskommt. Wenn man beiläufig erwähnt dass man gerade seinen Doktor macht, sieht man von den meisten Männern nur noch eine Staubwolke. Vielleicht hat ja ein Freund von mir Recht, wenn er meint das für intelligente Frauen die Luft nach oben mit fortschreitendem Alter immer dünner wird.

  5. Ich gehe mal kurz die mir bekannten Pärchenfindugsverfahren durch:

    – übers Internet sind vier mir bekannte Pärchenbeziehungen zustande gekommen, von denen alle lange gelten haben, bzw. immer noch halten);
    – auf der Arbeit (WMAs an Uni.), die jetzt ebenfalls länger andauern. Persönlich würde ich aber den oben bereits erwähnten Rat “Don´t fuck in the factory” zumindest berücksichtigen;
    – über politische Parteien/gemeinsames pol. Engagement (mehrere junge und ältere Pärchenbeziehungen, die teilweise seit dem Jugendalter bestehen).
    – an der Uni./in der Schule/etc./bei oder über gemeinsame Freunde.

    Wobei der Punkt „Internet“ sicherlich ganz unterschiedlich ist: Partnerbörse, twitter, Facebook, einen Blogartikel schreiben … 😉

    Im Großen und Ganzen stimmt es aber, dass es mit zunehmendem Alter schwieriger wird, einen Partner/eine Partnerin zu finden, weil viele schon vergeben/verheiratet sind und weil man selbst evtl. wählerischer geworden ist, bzw. schon den ein oder anderen Charaktertyp kennengelernt hat.

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