Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Petition: MacGyver ins Schulfernsehen!

10 Kommentare

Der ein oder andere mag es schon mitbekommen haben: zurzeit sehe ich MacGyver. Das ist ein wenig Kindheit mit ganz viel „Ooooh, ist das ein Computer?“ und „Wieso benutzt der nicht einfach sein Mobiltelefon?“ Und eine ganz wunderbare Ablenkung, wenn man ein wenig ermattet ist. Besonders beeindruckend natürlich: Man kann als Zuschauer etwas lernen. Schließlich lernen wir viel zu wenig, während wir den Fernseher nutzen. Deshalb: MacGyver for naturwissenschaftliches Bildungsfernsehen!

Denn es ist ja so: Hätte man mir in der Schule schon erläutert, wofür Fächer wie Chemie und Physik sinnvoll sind, ich hätte nicht permanent wegen irgendwelcher Reaktionsgleichungen und hydraulischer Versuche um meine schulische Existenz gebangt. Welch eine Freude wäre es für mich gewesen, statt des merkwürdig sprechenden Lehrers MacGyver auf der Flucht vor chilenischen Häschern zu sehen.

Um einmal vorzuführen, wie viel wir alle mit der Sichtung aller MacGyver-Staffeln (es sind derer sieben) hätten lernen können, habe ich einmal herausgeschrieben, was man alleine in einer Folge, die zufälligerweise die Länge einer Schulstunde hat (!), hätte lernen können.

Was man bei Folge 20/Staffel 1 „Die Flucht“ lernen kann (erstmals ausgetrahlt am 16. August 1986):

Fakt 1 (Geeignet für: den Sportunterricht):

„Man merkt, mit welcher Hingabe, diese jungen Afrikaner Fußball spielen“, sagt MacGyver im Off. Eine Nonne daraufhin: „Das haben sie von Ihnen gelernt.“

Gelernt: Die Afrikaner haben ihr fußballerisches Talent aus den USA. Das ist etwas, das ich vorher nicht wusste. Man kann sich vorstellen, dass ich einigermaßen überrascht war. Ein direkter Vergleich der fußballerischen Stärke zwischen den USA und Südafrika fehlt. Südafrika wurde 1964 von der FIFA suspendiert (wegen der Apartheit) und erst 1992 wieder aufgenommen. Die USA qualifizierten sich zwischen 1950 und 1990 für keine Weltmeisterschaft (hätten sie doch nur MacGyver als Stürmer gehabt!)

Fakt 2 (Geeignet für: den Philosophieunterricht):

MacGyver zu der Amerikanerin Sarah, die ihn bittet, ihren Bruder Brian aus einem Gefängnis zu retten: „Wertvoll“ bedeutet: „Die Begehrlichkeiten anderer wecken“.

Gelernt: MacGyver hat es drauf. Philosophisch. Ein Denker vor dem Herrn. Im Philosophieunterricht könnte man diese Weisheit entschlüsseln: Wieso werden überhaupt Begehrlichkeiten anderer geweckt? Wodurch? Und hat sich der Wert von Dingen verändert?

Fakt 3 (geeignet für: den Chemieunterricht): Eine Flasche Limonade ist eine Waffe.

Gelernt: Schüttelt man Flaschen mit Limonade und öffnet sie dann, kann man Gegner mit der Flüssigkeit attackieren. Sie sind für einen kurzen Moment erblindet. Dieses Wissen kann einem nie schaden. Tausende Frauen schleppen Dosen mit Pfefferspray rum oder planen, ihre Strumpfhose als Waffe zu nutzen, damit wäre eine Flasche Fanta viel nützlicher.

Fakt 4 (geeignet für: den Physikunterricht): Aus Pappe, Olivenöl und alten Zeitungen lässt sich ein Heißluftpapier bauen.

Gelernt: Wenn man auf sich aufmerksam machen möchte, helfen alltägliche Dinge. MacGyver macht aus der Zeitung und dem Olivenöl Pappmache und klebt es halb um einen alten Fußball. Als alles trocken ist, nimmt er die Mache-Haube ab, bindet etwas Draht fest, hängt unten ein glühendes Stück Kohle an und lässt das Werk in die Luft steigen. Mit diesem simplen Heißluftballon macht MacGyver auf sich aufmerksam, als er im Gefängnis ist, um Bruder Brian zu retten. Sarah, mit Fönwelle, steht vor dem Gefängnis und weiß, dass nun alles gut ist.

Fakt 5 (geeignet für: das Leben): Mann muss immer eine Packung Kreide in der Tasche haben.

Gelernt: Wenn man abgehört wird und es seinen Gesprächspartner wissen lassen möchte, kann man in seine Hand schreiben: „Vorsicht, wir werden abgehört.“ Für Schüler wäre dies auch interessant, weil man so während des Unterrichts geheime Botschaften austauschen kann. Das geht natürlich nur, wenn nur wenig Raum zwischen den Kommunizierenden besteht.

Fakt 6: (Geeignet für: den Chemieunterricht): PCP ist nicht nur eine Droge

Gelernt: PCP, auch als Engelsstaub, Killerweed oder Sherman Hemsley bekannt, kann zu einer Bombe umgebaut werden. Aus PCP und einem flüchtigen Stoff (beispielsweise Alkohol) lässt sich eine Bombe bauen, die man in der Jackentasche immer parat haben kann und sollte. Ein kleiner Funke reicht dann für eine Explosion.

Angus MacGyver zeigt glücklicherweise auch, wie man diesen kleinen Funken erzeugt: durch einen Kurzschluss. Und er baut all dies sogar mit Zünder. Genauso gut wie eine Zeitschaltuhr für die Bombe ist Eis, lernt man nämlich in dieser Folge. Weil Eis doch bei einer bestimmten Temperatur in einer bestimmten Zeit schmilzt. Ist genug Eis geschmolzen, tunkt ein zuvor lose rumhängendes, abgeschnittenes Kabel in das Wasser – Kurzschluss, PENGBRBRPENG! (Interessant ist, dass MacGyver ohne Thermometer die genaue Temperatur weiß. Ich kenne nur: Zu kalt. Zu heiß.)

Fakt 7: Ein Küchenfreund, der an einen Ventilator gebunden wird, klingt wie ein Hubschrauber.

Gelernt: Nimmt man dieses Geräusch aus Ventilator und Küchenfreund mit einem Diktiergerät auf und lässt es über Lautsprecher erschallen, können böse Buben denken, dass nun die amerikanische Armee anrückt.

(Zu Hülf! Die amerikanische sozial engagierte Dame Sarah stellt sich als russische Spionin heraus. Die kann man nicht auseinander halten, diese ganzen Länder… Wo doch keiner Akzent hat, alle fließend synchronisiert deutsch sprechen und so. Immerhin: Sie ist eine gute russische Spionin, möchte sie doch nicht, dass sich der amerikanische und zudem „betrügerische“ Waffenhändler Brian, der gar nicht ihr Bruder ist, mit Waffen eine goldene Nase verdient.)

Fakt 8 (geeignet für: den Geschichts- und Chemieunterricht): Alte Waffen sind gefährlich

Gelernt: Die Waffen, mit denen Waffenhändler Brian handelt, stammen noch aus dem zweiten Burenkriegen (1899 bis 1902). Die Granaten sind noch mit Schießpulver gefüllt, so dass MacGyver daraus eine Lunte legen kann. Als er selber in Sicherheit ist, zündet er diese und in weiter Entfernung fliegt das ganze Waffenlager mit Banause Brian in die Luft. Übrig bleibt nur ein Koffer mit Geld. Dieses Geld spendet MacGyver einem Armenhaus.

Liebe Lehrer, wenn das nun kein überzeugendes Argument war, den Kindern einmal etwas Interessantes beizubringen…

Advertisements

10 Kommentare zu “Petition: MacGyver ins Schulfernsehen!

  1. Ist der Küchenfreund sowas wie ein Hausfreund? Und den bindet man an einen Ventilator? Verrückt…

    Aber generell finde ich es natürlich sehr gut, dass du MacGyver schaust!

  2. Vergiß Fanta, nimm Deit!!! Die musst du nicht mal schütteln, einfach fallen lassen und sie explodiert. Gerade unfreiwillig im Supermarkt gelernt. Aber die gabs wahrscheinlich zu MacGyvers Zeiten in den USA noch nicht, so „zuckerfrei“ 😉

  3. MacGyver ist Kult! Nicht jeder Serienheld schafft es, mit einem eigenen Verb geehrt zu werden. In diesem Sinne macgyvere ich mir jetzt mal ein Abendessen aus einer Dose Bier und einer Tüte Chips.

  4. Ich hab noch nie McGyver gesehen ;(

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s