Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Von Mäuschen und Kaisern

2 Kommentare

Die Geschichte der Spitznamen ist eine Geschichte voller Missverständnisse. (Dieser Satz nur, weil mir nach längerem Grübeln einfach kein Einstiegsatz einfiel) Ich finde viele Spitznamen ja irgendwie peinlich. Nicht alle, nur damit jetzt niemand laut aufschreit und brüllt: „Sie meint miiiihihich – und sie hahahahasst mihihich!“

Aber darum soll es ja gar nicht gehen. Nicht um meine persönlichen Vorlieben. Darum geht es hier schon genug. Sondern um eine kleine Studie, die ich durchgeführt habe. Mein wissenschaftlicher Geist ist immer hellwach. Ich gebe also eine ganz hervorragende Recherchereferentin ab.

Vielmehr dreht es sich die folgenden gefühlt zu vielen Wörter um: Welche Spitznamen suchen sich die Männer? Und welche suchen sich die Frauen?

Sicherlich: Einige Spitznamen werden einem auch gegeben. So habe ich mir Ulle auch nicht ausgesucht, nahm den Namen aber dankend an, da „Ulli“ für mich einfach gar nicht geht. Ich glaube, ich bin einfach mehr „Ulle“ als „Ulli“. Vielleicht bin ich aber auch eher „Ulrike“ – 30 Jahre Leben reichen einfach nicht aus, um das genügend zu erforschen.

Männer – auf jeden Fall, und um hier einmal zum Punkt zu kommen – Männer geben sich gerne großmachende Namen. Oder sie werden zu Morno, dem Finsteren111111. Frauen hingegen sind Mäuschen und Schätzchen. Und manchmal auch Häschen. Warum nur? WARUM?

Gut, im Bus zur Schule (was bekanntlich lange her ist), nannte einer seine Freundin abwechselnd „Schnitzel“ und „Keule“. Aber das waren ja mehr Kosenamen, keine Spitznamen. Und für die Freundin hoffe ich noch heute, dass „Schnitzel“ und „Keule“ die Lieblingsessen des jungen Mannes waren. Hauptsache liebevoll. Wir haben zu wenig Liebe auf dieser Welt.

Ich kannte mal eine, die nannte sich Mausiiii85. Kleiner als eine Mausi mit vier „i“ geht es kaum. Und so erschien es mir auch nicht als Wunder, dass sie sich von ihrem Freund als Besen und Kochlöffel benutzen ließ. Einmal sperrte er sie sogar auf den Balkon, weil er fand, dass sie nervte. Was soll ich sagen? Mausiiii hätte einmal auf den Tisch hauen und zumindest zu Feiveline, der mutigen Mauswanderin, werden müssen. Aber nüscht.

Es ist ohnehin eine furchtbare Sache, dass Frauen sich kleiner und Männer sich größer machen. Die Spitznamen sind nur das Symptom für diese bedenkliche Sache. Damit es bitte keiner falsch versteht: Ich bin keine Emanze. Nicht im geringsten. Ich schäme mich bekanntermaßen für all meine emanzipatorischen Gedanken, die in Federmäppchen-Beschriftungen wie „Mein Bauch gehört mir“ ihren Ausdruck fanden.

Männer sind Könige, die nach einem halbwegs gelungenen Hackentrick und einem Tor gegen ihre nur mäßig begabten Mitspieler über den Rasen rutschen. Das Trikot voller Schlamm schlagen sie sich danach auf die Brust und lassen sich hochleben. Hat jemand dieses Verhalten schon einmal bei Frauen beobachtet? Ich wage es zu bezweifeln. Und ehrlich, der Gedanke, mit meiner Brust über Rasen zu rutschen, der verursacht bei mir schon so leichte Schmerzen.

Frauen hingegen feiern ihre Erfolge leise und heimlich. Kein über den Rasen rutschen, kein Hochheben-lassen der Freunde. Alleine das Hochleben-lassen wäre schon Grund für viele Frauen, über ihr Gewicht nachzudenken („Finden meine Freunde mich vielleicht zu schwer?“). Nein, nein. Lieber ein Glas Sekt, vielleicht ein kurzes „Wohu“, dann ist Mäuschen wieder ganz bei sich.

Nun gut. Gegenbeispiele sind übrigens willkommen. Wer mir zeigt, dass es einen Mann gibt, der sich selber Haselpurz19 nennt, der soll eine Belobigung erhalten. Und wer mir eine Frau zeigt, die sich Maxima nennt (Prinzessin Maxima zählt nicht – die heißt so…), der soll ebenfalls ein Lob und eine Medaille erhalten.

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2 Kommentare zu “Von Mäuschen und Kaisern

  1. Kesro kam von außen, aber ich habe mich mal LeCeleste und Ernestine genannt. Analyse bitte! 😉

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