Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Ein Experiment in fünf Versuchen

5 Kommentare

Der ein oder andere mag es schon mitbekommen haben: Am Sonntagabend wurde mir ein eher unschönes Geschenk überreicht. Wobei es mir weniger überreicht wurde. Es wurde vor mein Bett gelegt. Vermutlich sollte das den Überraschungseffekt vergrößern. Und ich kann behaupten: Es hat mich umgehauen.

Wilhelm Walter ist ein guter Kater. Er liebt mich, ich liebe ihn. Und dass er mich liebt, wollte er mir auf eine ganz besonders blutige Art zeigen: Er fing eine Taube. Nun muss man wissen: Wilhelm ist noch nicht ganz ausgewachsen, ein bisschen ist er noch ein Baby. Deshalb beeindruckte mich die Größe der Taube noch mehr. Ein Monstervieh – vermutlich könnte von dem Fleisch eine Familie eine Woche lang satt werden.

Bestimmt hatte auch Wilhelm am Sonnabend meinen Eintrag zu dem gelesen, was zurzeit so passiert. Er wollte mich glücklich machen. Und so tötete er die Monstertaube, trug sie durch das geöffnete Schlafzimmerfenster in die Wohnung und drappierte das Aas direkt vor meinem Bett. Ein paar lose Federn wurden im ganzen Raum verteilt, damit auch ein wenig emotionale Dramatik um das Geschenk wehte.

Der geneigte Leser ahnt: Ich habe mich nicht gefreut. Daniel, nie um eine männliche Sichtweise verlegen, wies mich an, mich bei dem Kater zu bedanken. Weil Männer das brauchen, sagte er. Und tatsächlich: Ich sagte „Danke“ zur Katze (man mag sich vorstellen, wie ich mit angewidertem Gesicht meine zitternde und bleiche Hand auf den Kopf des Katers legte und mit erbebender Stimme „Danke“ hauchte) und Wilhelm Walter fing an zu schnurren, als gebe es kein morgen. Dass ich die Taube in den Teppich einrollte und immer noch hysterisch auf den Balkon warf – es war ihm scheinbar egal.

Was mich im Nachhinein aber stutzig machte: Dass ein Mann wusste, was der Kater braucht. Sind Männer auch nur kleine Kater? Und: Sind Kater auch nur Männer auf vier Pfoten?

Am nächsten Morgen startete ich ein kleines Experiment. Ich wollte wissen, wie viel Mann in einem Kater stecken würde und erarbeitete einen Versuch, den ich hier in seinen verschiedenen Schritten erläutern möchte.

1. Ich schnürte den Müllbeutel fest zu, stellte ihn an die Küchentür und rief: „Wilhelm, wenn Du raus gehst, nimmst Du dann den Müll mit?“ Es kam, wie es kommen musste. Der Kater verließ die Wohnung ohne den Müllsack. Als ich ihm hinterrief, ob er nicht etwas vergessen hätte, hielt er nur kurz inne, tat dann aber so, als hätte er mich nicht gehört. Sehr männlich. Fazit: In diesem Fall steckt im Kater ein Mann. ✓

2. Um auch zu testen, ob in Männern ein Kater steckt, beobachtete ich durch das Bullauge am Männerklo, ob auch sie – wie mein Kater – das Klo in einem heillosen und nicht tragbaren Zustand zurücklassen würden. Zwei von drei Männern wuschen sich nicht die Hände, der dritte im Bunde wusch sich zwar die Hände, ließ dann aber das Papierhandtuch neben den Mülleimer fallen. Fazit: Chaos am Klo gibt es bei Mann und Kater. ✓

3. Als ich am Montagabend leicht lädiert vom Vodka nach Hause kam (der Ika und ich hatten es uns gut gehen lassen), wollte ich im Bett liegend Wilhelm Walter von meinem Tag erzählen. Nach zwei Sätzen schnarchte er bereits so sehr, dass ich ihn nur durch einen kleinen Tritt in eine leisere Position verfrachten konnte. Fazit: Was wir Frauen sagen, interessiert weder Männer noch Kater. ✓

4. Heute morgen ließ ich mein Wasserglas auf der Spüle stehen. Als ich am Abend nach Hause kam, lag Wilhelm auf dem Sofa, das Wasserglas war nicht in die Geschirrspülmaschine eingeräumt worden. Fazit: Weder Männer noch Kater können das Wasserglas als etwas erkennen, das man in eine Geschirrspülmaschine einräumt. Allerdings erkennen sie das Sofa als etwas, das zum Liegen einlädt. ✓

5. Ich betrat gegen das Büro meiner Kollegen und fragte sie etwas. Dabei schraubte ich meine Stimme leicht hoch, um mädchenhafter zu wirken. Einer der zwei Kollegen stand sogar auf, während er mir meine Fragte beantwortete, der andere lehnte sich zurück, kratzte seinen Bauch und sah aus dem Fenster. Zuhause angekommen sprach ich Wilhelm Walter mit ebenfalls piepsiger Stimme an. Er antwortete mit einem Maunzen, legte sich dann wieder hin und leckte sich den Bauch. Eindeutiges Fazit: hohe Frauenstimmen sorgen für Aufmerksamkeit bei Mann und Kater und scheinen irgendetwas in der Bauchgegend auszulösen. ✓

Als generelles Fazit der Studie kann angesehen werden, dass nicht nur Männer wie Kater sind, sondern auch Kater wie Männer. Sprich: Das Buch Wenn meine Katze Probleme macht kann auch bei schwierigen Beziehungsproblemen eine Hilfe sein. So erfährt die verzweifelte Frau dort, wie sie mit Katern und Männern umgeht, die ihr Revier an anderen Stellen als dem Klo markieren (Handtuch, Apfelbaum im Garten, Dusche). Oder was sie tun kann, wenn im Frühling die Hormone verrückt spielen und der Freund jeder anderen Frau hinterher rennen muss (Kastration oder wahlweise: Einsperren).

Und eigentlich ist es gar kein Wunder, dass ich mich nicht über die Taube gefreut habe. Auch so mancher Mann schenkte mir schon Dinge, die ich nicht als gelungenes Geschenk bezeichnen würde. Aber ob Kater oder Mann – es kommt von Herzen. Und: Sie holen es zurück, wenn man es wegwirft. Heute morgen, 6.03 Uhr, hatte Wilhelm Walter die tote Taube aus dem Müllsack auf dem Balkon geschält und mir ein zweites Mal vor das Bett gelegt. Sein Blick sagte: „Guck mal, was Du aus Versehen weggeworfen hast…“

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5 Kommentare zu “Ein Experiment in fünf Versuchen

  1. *hahahahaha* Gut, die Studie ist noch nicht 100% ausgereift und ich würde das nicht pauschalieren wollen… Dennoch sehr amüsant. ;D

  2. Trainier deinen Kater doch auf etwas nützliches was sonst die Männer erledigen, zB. eklige Spinnen und Insekten fangen.

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