Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Gestatten, Prinzessin Ulle

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Die niederländische Zeitung, de Volkskrant, warf heute die Frage auf, warum in Deutschland nach zwei Präsidenten-Pleiten in Folge, nicht die Monarchie eingeführt wird. Das ist nun natürlich nur sehr kurz zusammengefasst und ein bisschen auch nicht richtig. Wobei es auch nicht falsch ist. Aber wie so oft im Leben: Die Grenze ist auch hier standpunktspezifisch.

Ich bin – und das kein Geheimnis – eine kleine Monarchistin. Wobei: eigentlich bin ich eine kleine Monarchin. Eine Königin meiner kleinen Welt. Oder vielmehr eine Prinzessin.

Ich stehe auf all den Glitter und Pomp, auf Krönchen und wallende Kleider. Natürlich: All das ist längst überholt. Eigentlich braucht niemand mehr einen König oder eine Königin. Und wer kann sich schon vorstellen, dass Philip Mountbatten, Duke of Edinburgh, vorneweg auf einem Pferd in die Schlacht zieht? Carl XVI. Gustaf wird wohl kaum mit einer Lanze seine Widersacher niedermähen und danach mit bluttriefenden Haaren zurück zu Silvia von Schweden heimkehren, die Boulespielend auf ihn wartet. Nein, nein. Das was in meiner Phantasie Könige ausmacht, das ist nicht mehr da.

Und wir Deutschen haben es mit unserem Adel auch nicht so leicht. Der vernünftige Teil der Sippschaft lebt zurückgezogen, der weniger vernünftige Part musste entweder ins amerikanische Exil flüchten oder ist einfach nur adoptiert. So etwas möchte natürlich kein Mensch mit Fähnchen zuwinken. Auch kann ich mir nettere Dinge vorstellen, als diesen Pinkelgrafen, dessen Namen ich immer vergesse, gemeinsam mit seiner ZsaZsa auf einen Becher gedruckt zu haben.

Und an diesem Punkt komme ich ins Spiel. Ich möchte Prinzessin werden. Mir ist eine politische Karriere einfach zu langfristig. Ich habe keine Lust, erst Ortsvorsteherin in meinem Unter-Stadtteil zu werden, mich zehn Jahre in der Stadt hochzuarbeiten, um dann irgendwann einmal in den Bundestagswahlkampf zu ziehen. Mal ganz davon abgesehen, dass es keine Partei gibt, die es mir rechtmachen kann. Die UaP würde ich natürlich sofort unterstützen (UlleAlsPrinzessin), aber – wie ich schon mehrfach erwähnte: ich will die Welt verändern. Nur anstrengen möchte ich mich dabei nur ungern.

Deswegen möchte ich Prinzessin werden. Ich bekomme Fremdsprachenunterricht von Mike Skinner persönlich, darf mir meine Kleidung bei Urban Outfitters direkt aussuchen. Und was mir dann nämlich nicht passt, wird für mich umgeschneidert. Als Prinzessin würde ich dafür sorgen, dass das Diktat der Kleidergrößen abgeschafft wird. H&M dürfte die Übergrößenabteilung nicht mehr „Big is beautiful“ nennen. Alleine schon deswegen nicht, weil die beiden Bs, die die Marke darstellen, nach dickem Bauch und ebenso dicken Brüsten aussehen. Im Profil. Und ich kann euch sagen: Ich sehe im Profil nicht wie ein B aus. Und wenn, dann wie ein ganz entzückendes. Jawohl. (Allerdings: Ich muss auch nur meine Blusen in dieser Abteilung kaufen. Nur so, zur Information)

Ich würde als Prinzessin natürlich noch eine ganze Menge mehr abschaffen. Die GEZ, unnötige Plastikverpackungen und Milchreis.

Vor allem aber würde ich durch das Land reisen und gute Laune versprühen. Dabei bin ich gar keine Frohnatur. Ich bin auch die meiste Zeit gar nicht fröhlich. Aber meine eigene Laune ist mir ohnehin irgendwie egal. Wichtiger ist mir die Laune der anderen. Und damit habe ich doch eine Hauptcharaktereigenschaft für eine Prinzessin: eine gewisse Tragik.

Sissi war Zeit ihres Lebens unglücklich. Aber sie wollte andere Menschen mit ihrem Lächeln erfreuen. Zumindest glaube ich, dass das so war. Zu Weihnachten gehörten die Romy Schneider-Filme schließlich zum guten Ton in meiner Familie – da habe ich ein bisschen was über das Prinzessinenleben gelernt. Ich würde also durch das Land reisen und die Menschen glücklich machen, während ich mich selber zurückstelle. Am Abend würde ich traurig und einsam in mein kaltes Bett kriechen, aber die Menschen, die ich am Tag getroffen hätte, die wären glücklich.

Natürlich ist es ein wenig melodramatisch. Aber das ist gut. Ich stehe auf Melodramatik. Nur deswegen laufe ich gerne durch den Regen. Wäre ich Prinzessin, ich würde ständig durch den Regen laufen. Meine monarchische Hochsteckfrisur würde mir ins Gesicht platschen, mein rosa Tüllkleid klebt mir dann am Körper.

Die Menschen sind – um den Bogen wieder zu schlagen – viel zu selten sind glücklich. Sie stehen morgens an der Tram, wartend. Und obwohl die Sonne scheint, denken sie nur missmutig an ihre kalten Füße. Dabei könnten sie auch daran denken, dass die ersten Strahlen der Sonne den Frühling einläuten. Sie könnten ihren Kopf zurücklehnen, die Augen schließen, die beginnende Wärme genießen und an etwas schönes denken. Aber das macht niemand. Ich als Prinzessin würde jeden Tag daran erinnern.

Und mit diesen Worten entschwinde ich in meine Prinzessinenwelt. Wer mir zuwinken möchte: Ich laufe durch Leipzig und suche den Regen.

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