Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Vorsicht vor den Haaren!

2 Kommentare

Gestern Abend, eine Abschiedsparty. Wir betreten den Raum, stellen uns den unbekannten Anderen vor. „Ach, Du bist Ulle?“, fragt einer und fügt hinzu: „Dein Ruf eilt Dir voraus.“

Am liebsten hätte ich „Uaaah“ geschrien. Oder mich ganz schnell von dort wegbewegt. Natürlich, man spricht über Menschen. Über das, was sie tun, wer sie sind. Und eben auch manchmal über Schwächen und Stärken. Den Verlauf des weiteren Abends verbrachte ich mit Bier, Gesprächen. Aber auf dem Rückweg, da kam ich nicht umhin, mich zu fragen: „Fuck, was für ein Ruf?“

Ich leide ja ohnehin darunter, mich regelmäßig zu zerdenken. Über meinen Ruf habe ich mir noch nie so wirklich Gedanken gemacht. Natürlich, als mein Name einmal mit dem Zusatz „Schlampe“ versehen wurde, da stutzte ich schon. Aber ich weiß sehr sicher, dass dieser Zusatz nur aus verletzter Eitelkeit gesagt worden war. „Schlampe“ ist etwas, das in 98 Prozent der Fälle nicht stimmt.

Manchmal würde ich schon gerne wissen, was andere über mich sagen. Am liebsten natürlich die guten Dinge – wenn sie denn gesagt werden. Kann ich oder mache ich etwas, über das man spricht? Und bei Männern ist es natürlich umso interessanter. Denn bei Frauen verändert sich das, was sie über andere Frauen sagen, bekanntlich je nach dem Stand der Balzbereitschaft.

Aber Männer – es würde mich schon interessieren, was die so sagen. Voller Vorurteile neigt man häufig dazu, Männern nur oberflächliche Urteile über Frauen zuzutrauen. Ich glaube das nicht. Sicherlich: Manche Männer sind nicht einmal zu artikulierten oberflächlichen Äußerungen fähig. Sie sabbern nur oder lassen gleich ihre Hand auf den Hintern wandern. Aber das ist doch der geringere Anteil.

Dem Bekannte, bei dem wir gestern feierten, wird aber kaum etwas zu meinem Äußeren gesagt haben. Er ist ein netter Typ, wir haben uns eigentlich immer gut verstanden. Und warum sollte er zu einem mir nicht bekannten Mann sagen: „Ulle kommt auch. Wunder Dich nicht, sie ist keine Schönheit.“? Er hat ja gar keinen wirklichen Grund dafür. Hoffe ich doch. Außer mein Bad-Hair-Day hat solch ein erschreckendes Ausmaß angenommen, das selbst Angereiste davor gewarnt werden müssen. (An diesem Punkt wird es eine kurze Schreibpause geben – ich renne NUN vor den (gesprungenen!) Spiegel, um meine Haare zu kontrollieren).

Eigentlich ist es Unsinn, sich darüber Gedanken zu machen, was andere über einen sagen. Von den wichtigen Menschen im Leben wird man meistens ohnehin geliebt – und all unsere Fehler sehen sie doch verschleiert, entdecken, dass es gerade die Macken sind, die uns zu dem machen, was wir sind.

Aber was passiert, wenn nur eine Facette der äußerst umfangreichen Persönlichkeit weitergegeben wird? Wenn nur gesagt wird: „Sie hat Angst vor Clowns.“ Aber nicht, dass es daran liegt, dass ich Es gelesen und die Clown-Folge von Crime Scene Lake Glory gesehen habe und weil ich doch die Mimik der Menschen sehen muss, weil alles andere eben nicht richtig ist?

Mit dem Ruf ist das so eine Sache. Und die Begrenztheit der Zeit hindert uns daran, alle Dinge, die wir hören, zu verifizieren. Uns ein eignes Bild zu machen, unsere eigene Meinung zu bilden. Wie toll wäre es, wenn wir zu unseren Mitmenschen sagen könnten: „Alle sagen, dass Du ein Arsch bist. Aber lass uns doch mal ein Bier zusammen trinken und dann weiß ich nach ein paar Stunden, ob das stimmt.“

Vielleicht übrigens, hat der Bekannte seinem Bekannten auch nur erzählt, dass mein Beiname „Fleeeschlord“ ist. Weil ich doch versprochen hatte, einen Mettkuchen mitzubringen. Aber das wäre wohl zu einfach – für mich.

Übrigens: Tag 3 und Tag 4 ohne Plastik – hier.

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2 Kommentare zu “Vorsicht vor den Haaren!

  1. Ach, ich mag deine Texte. Vor allem, weil sie so entwaffnend ehrlich sind. Vielleicht kommen (manche) Männer mit derartiger Entwaffnung einfach nicht so ganz klar?

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