Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Von der Qual, ein triviales Gürkchen zu sein

5 Kommentare

Vor einiger Zeit fragte mich ein Blogger, was denn so meine Themen wären. Dort, in meinem Blog. Und ich antwortete: Männer, Frauen, das Leben zwischen uns an sich. Er sah mich an, selber politisch bloggend und nickte schwer mit dem Kopf. Das Gespräch war tot.

Ohne Wehmut betrachtet: Ich als Blog über Liebe und das Leben, die Männer und die Frauen, ich bin nur ein Trivialblog. Ich bin wie die Trivialliteratur, von der keiner zugibt, dass er sie liest. Ich bin das McDonalds der Blogosphäre.

Es ist die bittere Wahrheit: Ich werde es nie in die Sechs vor Neun des Bildblog schaffen. Niemand wird in der ARD jemand mit bedeutungsschwangeren Worten meinen Namen nennen und sagen: „Wie das Blog thatgirlthere aufdeckte…“. Zwischen all diesen Menschen, deren Existenz erst durch das Internet zu seiner ihm ohnehin vorbestimmten Wichtigkeit an Wert gewann, bin ich nur – naja, die Gurke im Cheeseburger.

Ja. So ähnlich fühlte ich mich als ich gegenüber diesem Politblogger saß. Wie die Gurke auf dem Cheeseburger, die alle mit spitzen Fingern von der Frikadelle zubbeln und achtlos in den Müll werfen. Ich schämte mich.

Doch dann, als ich durch den Schnee Sachsiriens nach Hause lief, da dachte ich nach. Wenn man mit laufender Nase, blauen Händen und klumpigen Füßen durch den Matsch rutscht, dann ist es mit der Würde ohnehin nicht weit hin. Dann kann man auch über die Grunddinge im Leben nachdenken: die bloggende Existenz.

Und ich dachte mir so: Ja, es ist wichtig, sich über Politik und die Medien Gedanken zu machen. Sehr wichtig sogar. Und die Blogger sind toll. Einige, nicht alle. Sagen wir: wenige. Viele nehmen sich zu wichtig. Sie meinen, sie seien die Frikadelle und der Käse im Cheeseburger des Bloggens.

Aber im Grunde ist es doch so: Was uns Menschen irgendwie alle verbindet, ist das Nachdenken über die Welt. Und die Liebe. Ich bin recht sicher, dass Christian Wulff sich schon Gedanken machte, ob nach all seinen Missetaten seine Betty noch mit ihm in einem Bett schlafen mag. Und Merkel hat sicherlich auch schon einmal gedacht: „Mein Gott, der Sarkozy, der Zwerg, der hat aber einen süßen französischen Knackarsch.“ Vielleicht hat sie sich auch eher Gedanken über die breiten Schultern Putins gemacht. So ganz kann man das ja nicht wissen, das Bundeskanzleramt antwortet auf solche Fragen nicht. Aber sicher ist doch: Frau Merkel kann so viel Politikerin sein wie sie möchte. Ein wenig ist sie auch Frau – auch wenn man es manchmal kaum glauben mag.

Was ich damit sagen möchte: All diese politischen Blogger, die, die angebliche Missstände aufdecken und das Böse im Guten suchen, all die vergessen doch bei ihrem fremdbeschämten Blick auf mich, dass wir alle nur Menschen sind, die in regelmäßigen Abständen wählen gehen. Und nicht Wähler, die ab und zu mal Mensch sind.

Ein wenig tut es aber gut, auf diese Weise unterschätzt zu werden. Ich kokettiere gerne damit, dass ich nur die Gewürzgurke im Brötchen bin. Glaubt mir, all ihr Käsescheiben und Frikadellen: Ohne die Gürkchen wäret ihr gar nichts. Ihr wäret nur ein Haufen billiges und zu trockenes Fleisch mit Sägemehl versetzt oder wahlweise eine Scheibe Käse, die nicht aus Milch, sondern aus tranigem Pflanzenfett besteht.

Ich bin lieber die Gurke, über die man sich Gedanken macht. Ob man sie runterfriemelt oder doch mitisst – die Frikadelle und den Käse schlingt man runter, über die Gurke denkt man nach. In diesem Sinne: Guten Appetit.

PS: Ich könnte die Frikadelle/der Käse sein, wenn ich wollte. Aber ich will gar nicht. Vielleicht.

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5 Kommentare zu “Von der Qual, ein triviales Gürkchen zu sein

  1. hach, diese wundervolle hamburger-metaphorik. ich bin vielleicht die röstzwiebel, die man immer suchen muss udn von der es nie genug gibt 😉

  2. Songempfehlung
    Reinhard Mey: „Wir sind lauter, arme kleine Würstchen“
    Bläck Föös: „Ich habe ne kleine Hoffnung“

  3. Von den Blogs die ich lese ist deiner der Hamburger Royal mit Käse und nicht nur die Gurke!

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