Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

BoomChakaBoomBoom

2 Kommentare

Ich habe gestern mit einer Freundin Black Swan gesehen. Und manchmal gucke ich auch gerne Dirty Dancing. Nun, diese Filme verbindet prinzipiell nichts miteinander. Außer: Es wird getanzt. Und Tanzfilme: die finde ich gut. In mir steckt eben ein kleines Mädchen, das dann hervorbricht. Allerdings würde ich nie eine Melone hinter einem Mann hertragen. Ich war zuständig für das Obst und Gemüse in einem Supermarkt. Seitdem trage ich kein Obst mehr. Wassermelonen für ein ganzes Leben haben meine Wurstfinger berührt.

Aber tanzen, tanzen finde ich cool. Ich selber aber, ich tanze nicht. Nein, lieber geneigter Leser, nicht einmal ein Hüftschwung kommt mir in die Gelenke. Ich habe kein Talent. Und Taktgefühl habe ich noch weniger.

Wobei: Vor einiger Zeit, es war noch zu glorreichen Zeiten in der Redaktion, tanzten mein Kollege und ich. Wir waren im 90er-Jahre-Fieber und hörten schändliche Eurodance-Musik und Boybands und gaben irgendwann zeitgleich zu, dass wir unfassbar auf East17 stünden. It`s alright, das Lied des Herzens. Wir starteten zeitgleich das Video bei youtube, setzten unsere Kopfhörer auf (man möchte ja niemanden stören) und tanzten stumm den Tanz des proletarischen Gegenentwurfs zu den Backstreet Boys. Wir schunkelten das imaginäre Tanzbaby, wir legten unsere Hand auf den Kopf, als die später den Drogen verfallenen Jungs „Open your mind“ schmetterten. Und als der Mann mit der Zipfelmütze zum tränenlastigen Finale ansetzte, da gingen wir mit zu Boden.

Es war ein viermaliges Erlebnis. Dann schämten wir uns für uns selber und legten diesen Ausbruch zu den Akten. Nur manchmal, in schlimmen Stunden, wisperten der Kollege und ich uns zu „It´s alright“. Und dann grinsten wir.

Aber in der Diskothek tanzen? Lieber nicht. Ich mache eine selten dämliche Figur. Ich habe es unter dem Einfluss starker Alkoholika schon getestet und gemerkt: Mein Marktwert sinkt je TanzschrittHüfteVerbiegungsDingens um mehrere Punkte. An der Börse würden wohl selbst die Hedgefonds-Manager die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und wie die Lemminge aus dem Fenster springen.

Vielleicht (sehr wahrscheinlich) wurde ich schon zu Schulzeiten dem Tanzen entwöhnt. In der Oberstufe musste ich diesen furchtbaren Kurs belegen, der sich euphemistisch „Rhythmische Sportgymnastik“ nannte. Da wurde ich genötigt, einen Ball hochzuwerfen, mich um meine eigene Achse zu drehen (erwähnte ich, dass ich den Gleichgewichtssinn einer Kuh habe? Ich bräuchte vier Beine, um in solch einem dillemären Situation den Boden unter den Füßen nicht zu verlieren) und dann den von ungezählten Schülergenerationen schon antranspirierten Ball wieder aufzufangen. Dabei sollte ich auch noch lachen. Ich weinte gedemütigt.

Es ist eine Grausamkeit meines Lebens, dass ich den Kurs nicht mehr besuchte, null Punkte bekam und ihn wiederholen musste. Ich hatte gehofft, auch meine Sportlehrerin wolle nicht mehr sehen, wie ich mich in dem Gymnastikband verhedderte und mit einem lauten Plumps auf dem Hallenboden landete. Der nächste Kurs hatte dann auch noch den Zusatzpunkt „Beckenboden-Gymnastik“. Ich sah mein Abitur wegen Sport wegschwimmen, ging hin, quälte mich durch und hörte mir das „Die Männer werden Euch für dieses Training noch danken“ würgend an. Zur Entspannung durften wir zum Abschluss der Stunde „frei“ tanzen. Ich hätte es vorgezogen, nach Hause gehen zu dürfen. Oder Bullenhoden in Krötenschleim zu essen.

Irgendwann dort muss mir der Tanzsinn abhanden gekommen sein. Immer wenn ich nun einen Tanz-Versuch starte, sehe ich meine damalige Sportlehrerin vor mir, die euphorisch ihre Hände immer wieder in die Luft wirft und dann noch „Zwei, Drei – Drehung“ schreit. Und nun, wo mir Black Swan gezeigt hat, dass man übers Tanzen dem Wahnsinn verfallen kann, ist mir klar: Ich bin geboren, um am heiligen Tanzflächenrand zu stehen und Bier zu trinken. BoomChakaBoomBoom.

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2 Kommentare zu “BoomChakaBoomBoom

  1. Bei uns hieß diese Sportart Gymnastik-Tanz. Ich habe es gehasst! Dieser Ball, dieses Band, das Seil, oder die Keulen, mit denen wir eine eigene Choreographie aufführen mussten. Ein absoluter Alptraum!!!
    Außerdem bin ich hoffnungslos verloren, sobald meine Arme und Beine unterschiedliche Bewegungen machen sollen. Echt grausam bei Aerobic oder Jazz-Dance mit dem wir dort gequält wurden.

    Zum Glück gab es zu Gymnastik-Tanz auch noch Nebenfächer – Badminton und Fußball. Da konnten man dann wenigsten etwas punkten.

  2. Ich habe auch ein Gymnastik-Tanz-Trauma!!! Ich hatte ja keine Ahnung, WIE viel uns verbindet ❤

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