Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Wie ich mit Weezer alleine im Universum zurückblieb

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Manchmal hat diesen Moment, ein Lied ist im Kopf und man weiß: Es ist genau das, was nun für genau diese Situation genau richtig ist. In dieser Welt, in der sich jeder zweite dank eigenem Twitter-Account als Medien-Experte ausgibt, habe ich mich kaum getraut, nun auch einmal über Musik zu schreiben. Aber es geht auch weniger um Musik, als um irgendwie etwas anderes.

Ich hatte nämlich dieser Tage ein schönes Musikererlebnis.

So über die Jahre hat sich eine ganze Menge Musik in den Regalen angesammelt und einige Alben, die hat man schon lange nicht mehr gehört. Dabei sind sie gut, richtig gut. Aber nie ergibt sich die Situation, vor allem dann, wenn es Musik ist, die nicht „nebenbei“ geht. Sondern die voller vergangenem Herzschmerz, Umklammern der Kloschüssel mit ganz viel Alkohol im Kopf und Liebe ist. Diese Alben hat ja beinahe jeder. Hoffe ich doch.

Und wenn ich ein wenig darüber nachdenke, dann ist das Musikerlebnis vielleicht gar nicht so schön. Sondern auch irgendwie erschreckend.

Nach gefühlten Jahren – und das kommt wirklich hin – hatte ich einmal wieder Lust, Weezer zu hören. Weezer, das sind die mit Buddy Holly und dem Sänger mit der Brille, die heute von Hipstern missbraucht wird. Grausame Ironie der Geschichte, dass in Island In The Sun das Wort „hip“ mehrfach fällt.

Rivers Cuomo, so der Name des Sängers, ist in meinem Kopf immer noch 25 Jahre und ein Student ohne Abschluss. Das ist natürlich nicht so. Mittlerweile ist er 42 und hat sein Studium auch seit einigen Jahren abgeschlossen. Und wie ich so darüber nachdachte, fiel mir eben auf, dass ich auch nicht mehr die bin, die ich war, als das blaue Album der Band so gut wie ununterbrochen auf meinem Walkman (!!!!) lief.

1994 kam Weezer – The Blue Album heraus. 1996 Pinkerton, 2001 Weezer – The Green Album und ganz schnell danach, 2002, Maladroit. Irgendwie kamen danach auch noch weitere Alben, darunter auch wohl ein Rotes – aber da war es irgendwie schon vorbei. Wobei es natürlich nicht vorbei war, aber … irgendwie anders vielleicht. Und seitdem ich weiß, dass Fans Geld sammelten, um die Band zur Auflösung zu zwingen… Naja, man kann sich denken, dass ich wahrscheinlich nicht viel verpasst habe…

Aber dass die Band irgendwann raus aus meinem Kopf war – das ist schade. Mit Weezer verbinde ich eine ganze Menge. Natürlich auch mit anderen Alben, mit anderen Bands. Aber Weezer erlaubte es einem irgendwie vortrefflich, mit Freunden zu saufen und gleichzeitig an der Weltenverlauf zu verzweifeln. Das muss Musik doch erst einmal hinbekommen. Das man da ist und trotzdem ganz weit weg.

Say It Ain’t So beispielsweise habe ich rauf und runter gehört. Und heute, während ich das Album voller Selbstmitleid hörte, bemerkte ich, dass ich noch jedes Wort mitsingen kann. Die Geburtstage innerhalb meiner riesigen Patchwork-Familie kann ich mir nicht merken, aber wann in In The Garage das zweite Mal die Mundharmonika einsetzt, das weiß ich noch. Das Gehirn ist ein grausames Ding. Oder ein cooles. Das wird sich herausstellen, wenn ich das nächste Mal den Geburtstag der Lebensgefährtin meines Vaters vergesse…

Egal, zurück zum Thema: Vor allem verbinde ich mit Weezer einen Mann. Natürlich. Extreme Gefühle und Musik, das passt perfekt zusammen. Nicht extreme Gefühle passen zu dem, was aus Noten bestehend im Radio läuft. Aber Musik ist das nicht. Wenn ich nicht grinsen, verzweifeln, weinen, lachen oder lieben muss, wenn ich ein Lied höre – naja – dann wurde diese CD umsonst hergestellt.

Eine Bekannte verteidigt Musik, die im Radio läuft, mit von Tanzen zerschundenen Füßen. Wobei „Radio“ ja mehr ein Sammelbegriff ist, für all das, was einer akkustischen Beleidigung gleichkommt. Auch The Streets hörte ich schon im Radio – und Mike Skinner ist dennoch grandios.

Eigentlich wollte ich nun mal so langsam zu den Dingen kommen, die ich eigentlich schreiben wollte – aber irgendwie verliere ich mich gerade. Würde ich Musik machen, meine Lieder wären wohl sehr lang. Nicht so lang wie das längste Lied der Welt – aber lang.

Deshalb hier die Punkte, die noch ausgeführt werden sollten, in loser Reihenfolge. Bevor ich die 1000 Wörter knacke und meine Kartoffeln auf dem Herd anbrennen.

Punkt 1: Was früher schon gut bei Liebeskummer war, das ist auch heute noch gut.

Punkt 2: Die Musiker werden mit uns älter. Auch die Fußballstars. Didi Hamann ist auch nicht mehr Fußballspieler und Mehmet Scholl gar nicht mehr der lustige junge Wilde. Er ist nur noch lustig – und Fußball spielt auch er nicht mehr.

Punkt 3: Meine Pinkerton sieht aus, als hätte ich sie mal mit zum Saufen genommen. Ein merkwürdiger gelber Fleck ziert hingegen The Green Album. Ich möchte gar nicht wissen, was mir diese Alben sagen würden, wenn sie sprechen könnten.

Punkt 4: Pinkerton ist einen Hauch besser als das blaue Album. Was vor allem an The Good Life liegt.

Mir sei dieser kleine Ausflug ins musikalische Medienfach verziehen. Es schien mir, als ob meine Katzen meine Begeisterung nicht ganz so teilten.

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