Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Der Puddingismus

Hinterlasse einen Kommentar

Wir leben in harten Zeiten. Ohne Frage. Es ist kalt, aber es liegt kein Schnee. Der Euro ist in der Krise und wir wissen gar nicht, was das überhaupt bedeuten soll. Und der Käse im Supermarkt wird auch immer teurer. Da kann einem zwischendurch schon einmal der (über)lebenswichtige Optimismus abhanden kommen.

Ich kann mich ja glücklich schätzen, ein dynamisches Uno mein eigen nennen zu können. Wenn nicht nur der Käse zu teuer wird, sondern auch der Rest der Lebens nicht mehr so will, wie man sich das an rotweinseeligen Abenden vorstellt – dann ist sie da.

Dabei bin ich ja ein optimistischer Mensch. Nicht immer gewesen. Fürwahr. Und noch viel zu oft stecke ich den Kopf in den Sand und bin… naja… in ARGH-Stimmung. Aber es gibt eine Weisheit, die habe ich mir in den letzten Wochen der Krisen hinter die Ohren geschrieben. Auch heute musste ich sie wieder zur Anwendung bringen. Zweimal sogar. Und jeder, der von ihr hört, schüttelt den Kopf und lacht dann. Und lachen – das ist ein Zeichen. Und zwar ein Gutes. Also:

Es wird alles gut. Denn: Sonst würde es nie wieder warmen Vanillepudding geben.

Tja, da wird der ein oder andere nun staunen. Es gibt Menschen, die studieren Philosophie und zwar jahrelang. Die wälzen Bücher, nennen sich Heidegger-Exegeten – aber auf die einfachste aller Weisheiten sind sie nicht gekommen.

Dabei ist es doch so logisch. Der Tag kann schlecht gewesen sein. Aber am Abend ein Schälchen Vanillepudding (für mich auch gerne mit Apfelmus) und der Optimismus kehrt zurück. Wenn auch nicht für immer, doch immerhin für die Zeit während des Essens. Und wenn dann wieder alles düster wird, dann kann man sich an den erhellenden Pudding im Leben erinnern.

Aber diese Theorie, ich nenne sie den Puddingismus, zeigt noch viel mehr, als den Punkt, dass Optimismus aus Milch, Zucker und Vanille (wahlweise: Vanillepuddingpulver) besteht. Während wir dem Großen hinterrennen, verpassen wir eine ganze Menge voller Schälchen mit Vanillepudding. Und bitte, wie grausam ist das?

Sicherlich, man darf all diese Dinge nicht vergessen, die der Mensch evolutionär erreichen möchte: ein großes Haus und ein großes Auto. Einen tollen Seelenverwandten an der Seite, der mit einem in schweren Zeiten dem Puddingismus frönt. Aber eine Schüssel warmer Vanillepudding: Ist das nicht der erste Schritt in Richtung „Alles wird besser, irgendwann und irgendwie?“.

Die Theorie behauptet: Ja.

Ein simples Beispiel zeigt das. Es ist Sonntag. Es regnet. Die Füße sind kalt und der Abend vorher war scheiße. Im Kopf spuckt schon der morgige Montag rum, ein voller Schreibtisch und mindestens ein verzichtbarer Kollege wartet auf einen. Aber dann: Pott auf den Herd, Milch erwärmen, Pudding machen. Und schon während der Geruch von Kindheit (Oma macht den besten Pudding!) durch die Wohnung zieht, schrumpft der dumpfe Kollege von Morgen zu einem überwindbaren Problem. Und auf dem Sofa, mit der warmen Schale in den klammen Händen, da verschwinden die Sorgen plötzlich. Sie werden ein wenig kleiner und man ist einige Zeit später sogar fähig, sich aus seinem Haus- und Schlunzoutfit zu schälen, eine Jeans anzuziehen und spazieren zu gehen – dem Regen zu trotzen und zwischen grauen Wolken den blauen Himmel zumindest zu erahnen. Sensationell, oder? Und so einfach.

In Anbetracht der Tatsache, dass in Schweden sogar eine Kirche voller Computernerds anerkannt wurde und Prinz Philip auf tropisch-warmen Inseln als Vertreter Gottes verehrt wird, wäre es sicherlich nicht allzu vermessen, von einer großen Karriere des Puddingismus auszugehen.

Gekocht seiest Du, Brei des Optimismus.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s