Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Die nicht-existierende Spanierin

5 Kommentare

Männer, stellten die Bekannte und ich heute fest, Männer neigen dazu, sich zu produzieren. In einem besonders fiesen Moment nannten wir es „aufplustern“ und „wichtig machen“. Aber auch das trifft den Kern der Sache, wie eigentlich auch „produzieren“, nicht wirklich.

Denn wir haben eine interessante Entdeckung gemacht. Manche Männer, und wir kennen davon mehr als uns lieb ist, neigen zu der Unart, mit ihrem Erfolg bei Frauen anzugeben. Nicht auf eine „Ey, die habe ich klar gemacht“-Art (nun, einige Männer sind auch so), sondern eher mit einer merkwürdigen Selbstverständlichkeit, die zeigen soll: „Ich bin Kerl im Lande.“

Der leicht entrückte Bekannte zum Beispiel. In einer stillen und doch sprachgewaltigen Minute kamen wir auf Engländerinnen. (Und ich empfehle DIESEN LINK auf heißeste) Wir sprachen über Miniröcke im Schnee, dumme Vorurteile und Vicky Pollard. Und irgendwie sagte der Bekannte: „Ich hatte mal etwas mit einer Engländerin.“ Und ich: „Aha.“ (Eine angemessene Reaktion auf einen merkwürdigen Einwurf). „Ich hatte auch mal etwas mit einer Niederländerin.“ (Eigentlich sagte er „Holländerin“ – aber ich nehme mir einmal die Freiheit der Korrektur). Und ich sagte wieder „Aha“. Und dann sagte er: „Das gibt Länderpunkte.“

Länderpunkte gibt es eigentlich beim Groundhopping. Wer viele Stadien in vielen Ländern besucht, der bekommt dafür Punkte. Nun mag für den ein oder anderen Mann der weibliche Körper durchaus mit den Kathedralen der Moderne zu vergleichen sein – unangemessen fand ich die Aussagen des Bekannten trotzdem. Irgendwie so – verdinglicht.

Auch weitere Gespräche führten fortan dazu, dass der Bekannte über seinen Erfolg bei Frauen sprach. Er verglich seine Baggermethoden mit denen von Barney Stinson oder bewertete Frauen anhand ihres Ganges über das Leipziger Kopfsteinpflaster. Und ich fragte mich: Warum?

Die Bekannte, die, mit der ich heute sprach, und ich, wir nahmen diesen Zustand einmal auseinander. Und folgerten: Er möchte, dass ich ihn für einen tollen Hecht halte. Allerdings mag ich Hecht nicht, ich stehe mehr auf Forelle. Und auch die Bekannte kannte diesen Männer-Fall – und brachte eine interessante Perspektive ins Spiel.

Denn der Mann, der sich vor ihr produziert hatte, der ist heute ihr Freund. Und Vater ihrer Kinder. Und irgendwann, die zwei waren schon lange zusammen, da fragte sie ihn nach all diesen Frauen, von denen er immer gesprochen hatte. Sie fragte nach der scharfen Bekannten und der heißen Spanierin, die er irgendwann einmal ins Prä-Beziehungsfeld geführt hatte. Und er wurde kleinlaut: „Hat es eigentlich so gar nicht gegeben.“

Nicht, dass er sie hatte eifersüchtig machen wollen, damals. Nein, er wollte nur für „toll“ befunden werden. Für einen richtigen Mann.

Bei obigem Bekannten mit den Länderpunkten kann übrigens gänzlich ausgeschlossen werden, dass er diese Frauen ins Prä-Beziehungsfeld führte. Unser Beziehungsfeld.

Wir überlegten also, die Bekannte und ich, ob Männer nicht an sich dazu neigen, Frauenbekanntschaften hervorzuheben, um ihren eigenen Status als Mann zu legitimieren. Wir fanden unzählige Beispiele für dieses Verhalten, das wir aber beide als „doof“ und „kindisch“ ablehnen.

Als wir so da saßen, mit roten Wangen von der Diskussion, sie an die nicht existierende Spanierin dachte und ich an die Länderpunktvergabe, da wurde mir plötzlich ganz heiß. Immerhin hatte mir der Freund vor einiger Zeit vorgeworfen, dass auch wir Frauen dieses Spiel spielen würden. Wir würden von Männern sprechen, Nähe heucheln, um einen anderen Mann auf uns aufmerksam zu machen. „Ganz durchschaubar“ hatte er gesagt und mich ernst angesehen.

Schuldbewusst sah ich danach auf den Boden. Und plante schon die nur konsequente Einführung von Länderpunkten in mein Leben. Dann dachte ich an meinen schlechten Punktestand – und gab es wieder auf.

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5 Kommentare zu “Die nicht-existierende Spanierin

  1. Oh, es gibt Länderpunkte?
    *produzier* *aufpluster* Deutschland, Russland, Venezuela, USA, Japan. *stolz guck* Ja-ha!
    Nur wen beeindrucke ich jetzt damit auf dieser Plattform? Hm.

  2. @Lorelei: Da merkt man, dass die Zeiten des Kalten Krieges vorbei sind 😉

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