Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Der Bro-Code im Dickicht des Dschungels

5 Kommentare

Ich bin ein großer Fan von Barney Stinson (How I Met Your Mother). Ein Mann, wie er im Drehbuche steht. Selbst meinen Desktop schmückt sein immerwährender Spruch „When I’m sad I stop being sad and be awesome instead“. Die Folge: Ich schwanke täglich zwischen Niedergeschlagenheit und dem verzweifelten Versuch, wirklich phantastisch zu sein.

Nun ist mir heute erstmals ein Mann begegnet, der auf eine Frauen-Frage (also: eine Frau stellt eine Frage an einen Mann) mit dem Wissen aus dem Buch Der Bro-Code antwortete. Niemals hätte ich gedacht, dass man die Datingtipps nutzt. Der Bekannte, der tut es.

Es ging um die Frage, wie lange man sich eigentlich nicht melden sollte. Beziehungsweise: Wann und ob man sich melden sollte, wenn man jemanden kennengelernt hat. Der Grund für dieses Gespräch ist zweitrangig und soll niemanden in eine kompromitierende Lage bringen.

Ich kenne die Drei-Tage-Regel, ein archaisches Monstrum des Dating-Dschungels. Kennenlernen, drei Tage warten, melden. Wer sich danach nicht meldet, hat kein Interesse. Punkt. Die Welt kann nach dieser Regel so einfach sein.

Der Bekannte aber wusste mehr: „Es ist jetzt die Vier-Tage-Regel“, sagte er und schlug sich gleich danach auf den Mund: „Aber das dürft ihr als Frauen gar nicht wissen.“ Denn wenn wir von der Vier-Tage-Regel wüssten, dann seien wir nicht mehr nach drei Tagen total geknickt, um am vierten Tag durch einen Anruf überrascht zu werden und in der Folge alles für diesen Mann zu tun. Aus der Vier-Tage-Regel müsste so schon bald eine Fünf-Tage-Regel werden – und wo soll das hinführen? Irgendwann meldet sich gar niemand mehr bei irgendjemandem, die Menschheit stirbt aus.

Diese Regel hatte der Bekannte aus dem Bro Code. Dort steht auch, dass Frauen von der Existenz all dieser Regeln natürlich nichts wissen dürften – was ihm ja erst verspätet einfiel. So sehr kann er die Regeln also nicht verinnerlicht haben. Der Bro Code – er zeigt den Männern den Weg. Wir wissen: Sie finden ihren Weg nicht immer.

Eigentlich hatte ich von dem frauenmordenden Bekannten gelernt, dass all diese Vorgaben und Datingesetze gar nicht mehr gelten würden. „Alles Unsinn“, sagte er. Und er, er muss es wissen. Sagt er ebenfalls. Datingregeln sollen für den Mülleimer sein.

Aber wie interessant es doch ist, dass wir uns im Datingdickicht auf diese Regeln und Vorschriften verlassen. „Geh nicht nach dem ersten Date mit dem Mann nach Hause“, „Zieh zum ersten Date hässliche Unterwäsche an, damit Du gar nicht erst in Versuchung kommst und mit ihm nach Hause gehst“ oder „Melde Dich drei (vier) Tage nicht“. Was für ein Mist, der uns das Leben doch nur erschwert.

Immerhin sitzen wir nun da, in diesem Dschungel aus coolen Kerlen, die sich als Liane tarnen, und den nervigen Typen, die sich irgendwie gar nicht tarnen, aber immer dumm im Weg stehen. Wir sind umgeben von Giftnattern, die so tun als wären sie unsere Freundinnen. Und dann prasseln auch noch die Vorgaben und Erfahrungen jener wie ein Monsun über uns herein, die das Ende des Dschungels erreicht haben. „Bleib cool“, „Halte Dich nicht an die Regeln“, sagen sie – und wir wissen genau, dass eben diese ausgesetzten Höhlenforscher es waren, die sich, als sie noch selber im Dschungel weilten, drei Tage nicht vom Telefon wegbewegten und nach exakt 72 Stunden die entsprechende Nummer wählten.

Mal ganz davon abgesehen, dass diese Ratschläge nicht im geringsten Social-Media-Welt kompatibel sind. Den es gibt ja Facebook. Und wenn man nicht die Nummern ausgetauscht hat, kann man immer noch über Facebook Kontakt aufnehmen. Wie lange beträgt die Ausharrdauer aber dort? Und sollte man es tun – sich über Facebook melden? Wir nehmen an: Es wurde geknutscht, danach ging jeder im Morgengrauen seiner Wege – melden? Nicht melden? Drei Tage? Vier Tage? Bis es das neueste Facebook-Update gibt? Und wie ist es bei Twitter? Ist dort die Zeit verkürzt, weil man doch ohnehin nur 140 Zeichen zur Verfügung hat?

All diese Fragen zeigen: Der Dating-Dschungel ist noch nicht im geringsten erforscht. Vielleicht sollte er es aber auch gar nicht wer-den. Man sollte nur versuchen, möglichst schnell daraus zu kommen. Und sei das Ziel nur die Single-Wüste.

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5 Kommentare zu “Der Bro-Code im Dickicht des Dschungels

  1. Ich persönlich war meist recht erfolgreich damit, mich dafür zu entschuldigen, dass ich die drei Tage einfach nicht abwarten konnte – man muss sich die Matrix nur zurechtbiegen 😉

  2. diese information werde ich sofort an die zuständigen stellen weitergeben! ohnehin ist ja die frage: sind männer, die sich drei-tages-regel-konform verhalten, nicht irgendwie langweilig und vorhersehbar?! (ich glaube, das gilt auch für frauen…)

  3. Erstens: Das sind schwachsinnige Regeln aus einem prüden Amerika, wo es genaue Regeln gibt wann 1st, 2nd 3rd Base erreicht sein müssen und dass Sex beim 3. date entscheidet, ob das nu was wird oder nicht.
    Zweitens: Selbst ist die Frau. Ich hab es immer ganz furchtbar gefunden, in diese passive Rolle geschoben zu werden. Und genau das bringt der Brocode ja in seiner verschärften Form noch mit sich, wir sollen gefälligt betteln, dass der Mann anruft.
    Drittens: Ich heirate demnächst den Mann mit dem ich ganz unromantisch am ersten Abend ins Bett gestiegen bin.

    • und du bekommst ein kind von ihm! gut zu wissen! (aber ach – wenn du ganz in dresden bist, dann sagste mal bescheid, ja? dann komme ich vorbei – oder du kommst vorbei!)

      • ja, das auch 🙂 und ja, ich sach bescheid, facebook wirds wissen. und nach leipzig muss ich irgendwie auch mal richtig, ist ja nicht so weit. nach dresden bist du natürlich auch herzlich eingeladen, dann revanchier ich mich mal mit ner stadtführung.

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