Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Fuck for Ende-der-knallenden-Hormone

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Man hat es nicht leicht. Also wir. Auf der einen Seite die Flexibilität – mal da sollen wir sein, mal hier. Und immer lächeln und so tun, als sei uns egal, dass wir statt festem Fundament nur Treibsand unter uns haben. Auf der anderen Seite: die Werte, die festen. Ein Ziel, das wir schon 20 Jahre vor Erreichen im Blick haben, Prinzipien, die unumstösslich sind. Dazwischen findet dann das Leben statt, ab und zu unterbrochen durch Sinnkrisen, weil wir versuchen, die prinzipienhafte Säule auf den unsteten Treibsand zu stellen.

Das ist alles ganz schön schwierig mit der Standhaftigkeit. Wann soll man seine Fingernägel in sie, die Standhaftigkeit, krallen und sich auf keinen Fall von seinen Grundfesten wegreissen lassen – und wann soll man lasziv winkend sagen: „Vorsatz, wir sehen uns morgen! Heute gehe ich saufen, Orgien feiern und Bratwurst essen!“?

Ich bin beispielsweise eine Romantikerin meines Berufs. Auch wenn Romantik und Ulle sonst nicht in einen Zusammenhang passen – geht es um meinen Job: ja, dann bin ich romantisch. Ich habe die naiv-hehre Vorstellung, den Glauben, dass ich schreibe, um die Menschen zu informieren. Gut, meistens schreibe ich, um zu unterhalten – aber wenn nur ein Mensch von 1000 anfängt, nachzudenken – und sei es über die Wörter „hehre Vorstellung“ – cool! Aber wenn ich nun nicht mehr schreibe, um obiges zu erfüllen, sondern es nur noch darum geht, irgendetwas zu präsentieren – ja, ist das richtig? Muss ich von meinen naiv-hehren Glaubensvorsätzen ablassen, kurz runterspringen und dann wieder aufspringen? Die Augen zukneifen bis es vorbei ist? Und in dieser Zeit etwas schreiben, was nichts mit Herzblut zu tun hat?

Manchmal macht es ja auch Spaß, die ulle´schen (hier kann jeder seinen Namen einsetzen) Säulen aufzubrechen. Mal nicht so zu sein, wie man meistens ist – und sich völlig ungehemmt den Dingen hinzugeben, die man sonst ablehnt oder auf die man für eine bessere Welt verzichtet.

Ja, das lässt sich sogar auf ein buddhistisches Gedankending bauen: Der stete Verzicht fördert die Gier – und macht unglücklich (und treibt die Welt an den Rand der Apokalypse. Aber wir wollen die bösen Reiter auf ihren Pferden mal nicht an die Schiefertafel kratzen). Nur wer ab und zu loslassen kann und sich seinen Begierden hingibt, kann diese besiegen. Sprich: Fuck for Ende-der-Hormone-die-gegen-die-Schädeldecke-knallen und Bratwurst for Ich-esse-kein-Fleisch.

Das ist beinahe eine politische Entscheidung. Bin ich eher Piratenpartei (im Sinne von „sein eigener Pirat sein„) oder eher die FDP (im Sinne von „Mal hier, mal da, hauptsache, ich bekomme fünf Promille… äääh… Prozent zusammen“)?

Damit sei dieser Eintrag auch bereits am Ende. Muss in meiner Wohnung dringend Wahlplakate aufstellen. Und auch die Begierden bekämpfen. Habe beschlossen, Schokoladeneis abzulehnen. Schleck for Schokoladeneis-ist-das-neue-Hüftgold.

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