Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Die Männersprechstunde

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Nach der gestrigen Frauensprechstunde, in der ich Suchfragen beantwortete, die scheinbar Frauen auf dieses kleine textliche Kleinod lockte (Ich bin eine Sirene! Nur ohne den Vogelanteil. Und ohne das verwerfliche Endziel. Und mit schlechter Stimme.), kommt heute die angekündigte Männersprechstunde. Denn auch Männer haben Fragen, wie Gespräche der vergangenen Zeit zeigten. Sie verstehen uns Frauen nicht – und das, obwohl man – beispielsweise – in meinem Gesicht doch jede Emotion ablesen kann.

Und was soll ich sagen? Wir reden einfach so unfassbar aneinander vorbei, wir Frauen und Männer. Wie kommt es, dass wir Dinge sagen, die an Einfachheit kaum zu überbieten sind, aber in Stille-Post-Manier völlig wirr bei dem anderen ankommen? Ich verstehe das nicht, segelt die Piratin in mir doch gerade trotz Kompass in Richtung Skylla und Charybdis. Wie kann diese unterschiedliche Sprache sein?

„Spruch zur Verabschiedung als Mann“. Na, da sind wir doch bei dem, was gestern schon auf Frauenseite thematisiert wurde. Also, liebe Männer: Sagt nicht „Bis die Tage“, sagt nicht „Bis dann“, sagt nicht „Ich rufe Dich an“ (dazu unten mehr). Wenn ihr uns mögt, unser Liebreiz euch in den Bann gezogen hat, dann sagt ihr konkret, wann ihr uns wieder sehen wollt. Oder zumindest „Kommende Woche ist ein tolles Konzert. Da könnten wir zusammen hingehen“. Und meint es auch so.

Sagt nur „Ich rufe Dich an“, wenn ihr es auch so meint! Ich habe mal drei Wochen gehofft, dass ein Mann mich anruft. Nach diesen quälenden 21 Tagen bin ich schamerfüllt und gedemütigt weinend in der Dusche zusammengebrochen. Ja, wirklich. Es ist nervig, verletzend und – wie gesagt – demütigend. Also: Seid konkret. Rätsel haben wir im Mathematikunterricht zur genüge gehabt.

„Die Nachbarin will, dass ich ihre Unterwäsche anziehe“. Puh, gleich dreimal wurde nach diesem Satz in den vergangenen drei Monaten gesucht. Es scheint also ein akutes Problem zu sein. Was soll ich also sagen? Geschmäcker sind verschieden. Und wenn Du, lieber Mann, die Unterwäsche Deiner Nachbarin tragen möchtest – dann tu es doch. Wenn Du es nicht möchtest, dann lasse es doch bitte sein. Und bitte, bitte, bitte: Erzähle nicht beim nächsten Saufen mit Deinen Freunden, dass Du gerade den pinken String Deiner 180-Kilogramm-Nachbarwumme trägst. Dein Kopf wird im Klo landen – ganz bestimmt!!! (Und der String übrigens zwischen Deinen Arschbacken. Am Fahnenmast werden Deine Freunde Dich damit aufhängen, echt!)

„Wie baue ich Tittenschrank.“ Man baut keinen Tittenschrank, man erschafft ihn. Das zum einen. Zum anderen: Ein Tittenschrank kommt nicht von heute auf morgen. Meine ehemaligen Kollegen in der Industrie haben MONATE gebraucht, um die passenden Frauen für ihr Gesamtkunstwerk zu finden (hier zu bewundern). In stundenlangen Klositzungen wurden entsprechende Magazine gewälzt, nur die billigsten der billigsten Brüste kamen schlussendlich in das Meisterwerk. Für das Aufkleben braucht es dann Augenmaß. Jede Frau braucht ihren Raum, eine blonde flachbrüstige sollte nicht neben einer brünetten Doppel-G untergehen. Und den Schrank: den kauft man am besten bei Ikea. Viel Spaß damit!

Kleiner Zwischeneinwurf: Merken wir etwas? Frauen suchen scheinbar Lösungen für emotionale Probleme, Männer nun… für körperliche. Denn es geht weiter….

„Wo lerne ich nackte Frauen aus Computerspielen kennen“. Oh Mann! Wie sehr muss die Verkellerung schon vorangeschritten sein, wenn man glaubt, dass die Frauen aus den Computerspielen echt sind? Da rate ich nur: Computer aus, ab unter die Dusche, ein gutes Gesichtspeeling, raus aus der Jogginghose, rein in was Tragbares – und dann raus ausm Keller. Sagt Eurer Mutter auf dem Weg nach draußen aber bitte, wohin ihr geht. Nämlich wohin? Genau: zum Arbeitsamt. Job suchen, soziale Kontakte knüpfen und mit ganz viel Glück eine Frau treffen.

„Will Torte von Hintern der Freundin essen“. Guten Appetit!

„Beziehungsratgeber für Männer“. Jaja. Ebenfalls mehrfach gesucht. Allerdings beschleicht mich doch eine Ahnung, dass Frauen danach suchen, um es ausgedruckt ihrem nervigen Mann auf den Tisch zu legen. Damit er den Müll nach unten bringt, damit er beim Pinkeln die Tür zumacht, damit er täglich Blumen mitbringt. Alles Quark. Ich, als Piratin mit wankelmütigem Piraten, sage: Seid glücklich mit dem, was ihr habt. Und wenn ihr nicht glücklich seid, dann ändert was. Aber schenkt einem Mann doch kein Buch!!!! Die meisten mögen doch nicht lesen. Und wenn das Werk dann auch noch heißt „So werden Sie ein besserer Freund“ – dann gehen sie zu ihrem Tittenschrank und verstecken es in der letzten Ecke. Oder machen den Grill damit an.

„Warum sind Frauen so unentschlossen?“ Falsch. Unentschlossene Frauen – gerade in Beziehungsfragen – sind nicht unentschlossen, sie wollen einfach nicht und haben nicht das 100-Prozent-Gefühl. Sie wissen nur nicht, wie sie eine Abfuhr erteilen sollen, ohne den Mann zu verletzen. Das „unentschlossen“ ist nur ein schäbiger Vorwand. Entweder knallen die Hormone gegen die Schädeldecke – oder nicht.

„Worüber spricht man mit einer süßen Frau?“ Über alles mögliche, natürlich! Vielleicht nicht unbedingt über den letzten Toilettengang, aber über das, was gerade anliegt. Erstes Date im Cafè? „Und? Warst Du schon einmal hier?“ Wenn sie ohnehin nur antwortet „Ja“ – dann ist sie vielleicht eine Dörrpflaume.

Wir Frauen reden nämlich gerne. Wenn wir das bei einem Mann nicht tun, dann hat das nur zwei Gründe: Er ist den Atem nicht wert, oder aber: Er schüchtert uns ein, weil wir ihn so toll finden. Dann sind allerdings unsere Wangen auch leicht rot und ab und zu kichern wir unkontrolliert in uns hinein. Weitere Themen fürs erste Gespräch: Beruf (aber nicht zu viel! Es gibt Berufe, die sind sooo langweilig!), Hobbys (nicht zu ausufernd!), der sabbernde Mann am Nebentisch (da kann man auch gleich den Humor abchecken. Ich beispielsweise würde gehässig lachen und hätte meine schwarze Seele bewiesen. Wem´s gefällt!). Irgendwann ergibt sich dann ein Gespräch. Wenn nicht: schlecht. Bezahlen (getrennt) und gehen. Weitersuchen.

Wenn die Frau erst noch angesprochen werden soll: Bitte, bitte kein Anmachspruch. Bitte! Dieses „Muss wehgetan haben, als Du aus dem Himmel gefallen bist“ ist echt würdelos. Ebenso: „Ey, wir haben uns schon einmal gesehen“. Lieber ein „Wir fahren jeden Morgen gemeinsam mit der Tram, arbeitest Du auch in der Innenstadt?“ oder (im Club) „Siehst Du den Tänzer dahinten? Den mit der roten Hose? Der war mal beim Supertalent… Was für ein Idiot!“ Irgendwas witzig normales eben. Wer nicht witzig ist: der soll eben normal bleiben. Und – BITTE MERKEN, GANZ WICHTIG – seht uns dabei in die Augen, nicht in den Ausschnitt. Die Anleitung für den Tittenschrank gibt es oben.

„Ich bin ein Junge und habe einen fetten Arsch.“ Gesunde Ernährung, etwas Sport und bitte keine engen Hosen tragen. Wird schon, Junge! Auch viele Frauen haben einen fetten Arsch – und sie tragen sogar Leggins!

„Dürfen Männer Milchkaffee trinken?“ Klar, warum denn nicht? Weil es metrosexuell wirken könnte? Humbug! Milchkaffee ist lecker. Männer dürfen alles trinken. Nur nicht dieses pinke Getränk mit Cranberries drin. Die nette Kollegin mag das so gerne, irgendwas mit gaaaanz viel Alkohol. Aber eben in PINK.

Das Glanzlicht für den Schluss, unkorrigiert: „wi mach ich sanffte erodiek“. Mit dem Sprachgefühl besser gar nicht. Ansonsten: Mal nicht bei Nachbars Kaninchen abgucken.

Sprechstunde geschlossen.

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