Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Und? Was empfindest Du so für mich?

4 Kommentare

Die Kollegin und ich, wir sind ein wenig ratlos. Schuld ist ein Buch, das irgendwo zwischen „Wir haben es schon immer gewusst“ und „Das darf doch nicht wahr sein“ schwankt. Eigentlich lesen wir zwei auch gar keine Ratgeber, finden die sogar ein wenig doof und lehnen das ab. Wir sind immerhin erwachsen und nicht verzweifelt – und brauchen deswegen keine Ratgeber. Aber diesen, diesen mussten wir lesen. Und nun wollen wir uns verstecken. Vor den Männern, jawohl.

Frag einen Mann, wenn Du mit Männern glücklich werden willst heißt das kleine Werk eines Amerikaners. Und Aretha Franklin sagt auf dem Titel „Frauen sollten auf Steve Harvey hören“. Steve Harvey – das ist der Autor. Und die Kollegin und ich, wir wissen nicht: Sollen wir auf den Mann hören und – ähm, ja: was sollen wir tun?

Steve Harvey klärt nämlich auf. Im Prinzip ist er der Aufklärer der weiblichen Moderne. Männer, sagt er, wollen nur wenige Dinge, und die auch ganz sicher. Sex beispielsweise (kein Geheimnis). Und jede Frau wird abgecheckt und nach ihrem Wert bemessen.

Nun fühlen die Kollegin und ich uns wie Frischfleisch in der Theke, respektive wie vergammelter Hai mit Ammoniakgestank. Wir werden nach unserem Wert bemessen? Und Männer glauben, dass sie unseren Wert schnell und exakt bestimmen können, wo sie selbst einen Transfer von Wayne Rooney zu ihrem Lieblingsclub als sinnlos erachten? Wie wollen sie dann mit den wenigen Worten, die sie gewöhnlich machen, herausfinden, ob wir es wert sind, gejagt zu werden?

Das Buch ist ein Quell des Zerdenkens. Und die Kollegin und ich fragen uns, ob das alles so ist, was da steht. Ob wir bewertet werden und jeder Mann ein kleiner Punkterichter ist (und natürlich wüssten wir auch gerne unseren Wert auf dem Markt!) und ob Männer tatsächlich Grenzen brauchen. Denn dieser Punkt, der hat mich fertig gemacht, wirklich.

Denn vor kurzem sagte ich zu einem Mann, dass ich meinem Freund nichts verbieten würde. Meine Freiheit ist mir wichtig, warum soll ich seine dann Pol-Pot-mäßig beschneiden? „Und wenn Dein Freund rauchen würde“, fragte mich der Mann und steckte sich eine Zigarette an. „Na, ich würde nicht sagen, dass er aufhören soll.“

Der Mann sah mich merkwürdig an. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, warum. Nun war mir klar: Ich fiel aus seinem Beuteschema, bin für Männer uninteressant, weil ich zu wenige Grenzen setze. Ich habe beschlossen, ich werde ein Diktator. Mein eigener kleiner, der nichts sehnlicher wünscht, als Männern (also einem) die Grenzen aufzuzeigen! Nichts mehr mit „Nein, ich respektiere Deine Freiheit“, sondern: „Ich werde Deine Freiheit beschneiden, Dir alles nehmen, was Dir lieb ist – und die Zichten, die spülst Du nun im Klo runter, verstanden?!“

Dass ich jedoch auch Steve Harvey anzweifeln sollte (ich tue das für gewöhnlich ja auch mit dem Rest der Welt), merkte ich, als ich die fünf Fragen las, die man jedem Mann stellen sollte. Letzter Punkt: Was empfindest Du für mich?

Eine grausame Frage. Wirklich grausam. Zum einen ist bekannt, dass nette Dinge in meinen Ohren wie Feuer brennen und meinen Magen zu Klump werden lassen, zum anderen würde ich so etwas nie fragen. Das ist wie „Was denkst Du?“ Was soll man schon denken? Dass Rechnungen bezahlt werden müssen, die Nägel krumm sind und man bald was zu trinken braucht, weil der Hals schon ganz trocken ist. „Was denkst Du?“ Pfhhst!

„Was empfindest Du für mich“ ist doch eine Frage, von der dachte ich immer, kein Mann würde sie hören wollen. Wenn schon ich als Frau sie nicht hören möchte?! „Was empfindest Du für mich“ klingt nach intellektueller Romantik am Frühstückstisch. Alleine bei dem Gedanken so etwas zu fragen, möchte ich mir den Mund mit Kernseife auswaschen. Und würde mir ein Mann diese Fragen stellen: Fußballgott bewahre! Ich kann keine Körbe geben, schleiche lieber um den heißen Brei und rede von anderen Männern, aber in diesem Fall: „Sieh zu, dass Du Land gewinnst“ wäre wohl noch freundlich ausgedrückt.

Sicherlich hat das auch was mit meiner Abneigung gegen das Wort „empfindsam“ zu tun. Empfindsam klingt nach Heulsuse. „Was empfindest Du für mich?“ ist also wie „Und? Bringe ich Dich zum Heulen?“.

Ich werde nun weiterlesen. Das Kapitel „Die 90-Tage-Regel. So verschaffen Sie sich den Respekt, den Sie verdienen.“ Mal sehen, was ich danach so empfinde, während ich mit Yoghurtbechern Musik mache, barfuß durch die Straßenbahn tanze und den Frieden der Welt einatme.

Advertisements

4 Kommentare zu “Und? Was empfindest Du so für mich?

  1. Also diese Frage würde nicht mal ich stellen! Außerdem ist sie unnötig. Das merkt man doch auch so.

  2. Mit Joghurtbechern Musik machen? Ich bin dabei 😉 Ich würde dazu auch noch „Give peace a chance“ singen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s