Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Mach immer was Dein Herz Dir sagt

Ein Kommentar

Als ich vor kurzem schrieb, ich würde Spiele verabscheuen, da unterschlug ich: eine Art von Spiel spiele ich immer wieder (wobei – um den Schluss vorweg zu nehmen, ich das Spielen gerade einstelle): Das „Ich mache mir das Leben selber schwer“-Spiel. Eigentlich gibt es nur wenige Spielfiguren, aber das Feld ist so unfassbar groß und es gibt viele Nebenschauplätze, die beinahe Kriegsschauplätzen gleichen.

Auf den blauen Feldern wird mit Männern gespielt. Dort habe ich keinerlei Kredit mehr, zu häufig habe ich zu hoch gepokert und dann ziemlich böse verloren. Dann gibt es noch die grünen Felder – wo man sich mal ausprobiert und sich diverse Label anziehen kann. Das andere Feld in senfgelb probiere ich nur manchmal aus, „Unmoral“ schreit es mir von dort entgegen und Schwefel droht meine Haut zu versengen. Ich betrete es nur ab und zu im Dunkeln und verrate es keinem. Ullesgutesmädchen.

Aber jetzt hier soll um die blauen Felder gewürfelt werden. Die, mit den Männern. Und den Spielen, die wir doch so gerne spielen. Regeln, die irgendjemand ohne Verstand einmal aufgestellt haben muss, machen uns da das Leben schwer. Sätze wie „Drei Tage nicht melden“, „Mach Dich rar, dann bist Du der Star“ und noch so ein Kram. Die Bekannte hat es nun ausprobiert – und ist mit voller Wucht vom Spielfeld gewischt worden. Würfel fielen neben ihr zu Boden. Irgendwas zerbrach. Erst dachte sie, es sei eine mitspielende Figur gewesen. Dann merkte sie: Es war ihr Herz.

Das ist nämlich die Gefahr bei diesen Spielen. Wir haben da unsere Spielregeln, die uns irgendwann mal irgendwie zugetragen wurden. Aber wissen wir, ob der andere unsere Regeln kennt? Ob er überhaupt mitspielen möchte? Männer spielen doch eigentlich nur Fußball. Der Rest muss klar sein, kein Spiel: Realität. Am liebsten: männliche Realität.

Wenn wir einmal ehrlich sind: Dieses „Mach Dich rar, dann bist Du der Star“ ist schon selten blöd. Wir quälen uns nur selbst, Herzschmerzen sind die Folge. Nun, einige – wenige – Männer stehen vielleicht drauf. Sie brauchen keine drei Tage, sondern drei Monate um zu merken: „Sie ist rar – und sie ist mein Star.“ Allerdings kann er in diesem Fall davon ausgehen, dass sie ihre Würfel eingepackt, die Spielfigur neu gestrichen und das Feld geräumt hat. Vielleicht ist sie auch schon längst wieder in einem neuen Spiel, wo ihr der Frühlingswind langsam an den Ohren vorbeistreift und sie sich vor Wohlgefühl nicht umblicken möchte – dahin, wo Gewitter, Regen und klamme Kälte ihre Spielfigur erodierten.

Vor einiger Zeit stand ich mit einem Bekannten in einer Kneipe. Draußen schlichen die coolen Menschen über die Hamburger Straßen und glaubten, dass alleine ihre Anwesenheit in der Stadt mit Hafen den Lauf der Geschichte verändern würde. Wir hielten jeder ein Bier in der Hand und sahen uns an. „Warum meint ihr Frauen nur, Spiele spielen zu müssen“, fragte er mich. Er wirkte unglücklich, eine Frau musste ihn gerade erst aus ihrem Spiel genommen haben. „Weil ihr uns sonst nicht wahrnehmt“, sagte ich ein wenig verwirrt ob dieses Themas: „Wenn wir immer da sind und nett: dann glaubt ihr dem Frieden nicht. Also verstellen wir uns und werden zu Frau, ärgere ihn.“ Unsere bauchigen braunen Flaschen schlugen einander und wir lachten. „Was für ein Schwachsinn“, sagte er. Ich nickte.

Es war ein seltener lichter Moment. Ich nahm mir vor, keine Spiele mehr zu spielen, sondern die Karten offen auf den Tisch zu legen. Karten sind irgendwie klarer als Spielfiguren und verschiedene Farb-Felder, dutzende Würfel und dutzende Zettelchen auf denen „Aktion“, „Wahrheit“ und „Pflicht“ steht. Wer soll da noch durchsteigen? Und führt es nicht dazu, dass wir ständig mit einer Spielanleitung durchs Leben laufen, ein Auge auf die Buchstaben gerichtet und mit dem anderen darauf achtend, dass uns niemand die Spielfigur klaut oder mit dem Würfel Schabernack treibt?

Bedauerlicherweise sind die Spielregeln immer noch in meinem Kopf und tanzen voller Kinderei durch die Planschbecken meiner Gedankenwelt. So ertappte ich mich doch vor einigen Tagen wirklich dabei, wie ich einer Freundin raten wollte, das Spiel „Melde Dich nicht mehr“ zu spielen. Erst ein beherzter Schlag auf meine Hand, die diese Spielanweisung in eine Facebook-Nachricht tippen wollte, rettete mich davor, wieder rückfällig zu werden. Das Spielfeld habe ich nun auch weggepackt und werde es jemandem geben, der sich das antun möchte. Nur den Schwefelgeruch und die senfgelben Nebelschwaden werde ich wohl vermissen.

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Ein Kommentar zu “Mach immer was Dein Herz Dir sagt

  1. Spiele mag ich nicht, weil ich sie eben auch nicht spielen kann. Ich habe immer diese Frauen beneidet, die diese HInhaltetaktiken konnten.
    ich kann sie nicht und ich will sie nicht können.
    Und zog und ziehe auch imemr diese Männer an, die sie auch verabscheuen.
    Und über die Jahre sind all die Nixen und geheimnisvollen Hinhalterinnen unglücklich geworden. Nichts ist ihnen mehr Ernst.

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