Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Die Kleidungstragik, Teil 2

3 Kommentare

Die Bekannte kam auf mich zu, aufgeregt, ein wenig. „Ulle“, sagte sie: „Ich habe gerade Deinen Eintrag gelesen.“ Sie schnappte kurz nach Luft: „Sei froh, dass die Männer überhaupt noch Klamotten tragen.“ Die Bekannte legte ihre Hand auf meinen Arm: „Ich habe was gesehen“, sagte sie und schien von dem Gesehenen immer noch leicht derangiert: „Das war unfassbar.“

Die Bekannte war nämlich in der Mittagspause mit einer Kollegin verabredet. Und weil man Hunger hatte, ging es in Richtung Chinese um die Ecke. Und dort, dort wartete wohl das Grauen auf die Bekannte. Ein Mann, ganz der Hitze entsprechend, leicht bekleidet. Zu leicht: „Er hatte nur eine kurze Jeanshose und Sandalen an.“ Der wahre Schock offenbarte sich mir erst, als die Bekannte sagte, um was für eine Jeans es sich gehandelt hatte: eine Hotpants.

Diese Form der Hose ist bei den meisten Frauen schon eine Zumutung. Immerhin besteht aufgrund der unaussetzbaren Schwerkraft die Gefahr, dass der Hintern – nicht mehr ganz straff – einfach herausplumpst aus der Hose. Bei Männern aber kann nicht mehr nur der Hintern rausfallen – auch sein bestes Stück wird sich unweigerlich einen Weg aus der engen Hose suchen. Die Bekannte wollte an diesen Fall gar nicht denken: „Da habe ich gar nicht hingeguckt“, sagte sie entsetzt und sah mich mit großen Augen an. Der Gedanke, dass, während sie in der Schlange zu den Nudeln stand, seine – argh: keine Wortspiele mit Schlange und Nudel, nein! Ullesgutesmädchen.

Im weiteren Gespräch erzählte sie, dass sie den Mann erst für einen Bauarbeiter gehalten hatte, er wirkte aber zu gepflegt, sagte sie. Kein Mensch, der schon seit Stunden in der sengenden Hitze des Ostens gearbeitet hat, hätte noch so frisch ausgesehen.

Warum geht man also in die Stadt, nur mit Hose und Sandalen bekleidet? Ich lehne offene Schuhe ja ohnehin kategorisch ab. Gerade in der deutschen Trockenzeit sehen die Füße schnell aus wie vom Staub geküsst. Und dann nur eine Hotpants? Was reitet einen Mann, dass er sich dermaßen erniedrigt? Wahrscheinlich gar niemand.

Kommen wir auf die Hotpants zurück. Rund drei Prozent der Bevölkerung können die Stofffetzen vielleicht tragen, 97 Prozent sollten es nicht tun. Schon aus Anstand sollten die Menschen darüber nachdenken, ob es sinnvoll und angebracht ist, ihre Cellulite auf diese Weise spazieren zu führen. Nein, ich bin nicht intolerant. Aber ich führe meinen vom Fußballgott nicht wirklich begünstigten Körper ja auch nicht so zur Schau. Ich zeige so gut wie niemandem meine Knubbelknie und die Kalziumcarbonat-farbene Haut drumherum (dieses Privileg fällt nur wenigen Gestraften zu). Eine Zurückhaltung, die ich auch von meinem Mitmenschen erwarte.

Die älteste Freundin aus Hannover (die, an dieser Stelle sei ihr gratuliert, seit wenigen Tagen Tante ist) hatte mal ein furchtbares Erlebnis mit einer Hotpants. Im Prinzip ist ihr das passiert, was der Bekannten glücklicherweise nicht widerfahren ist. In der U-Bahn sah sie das Gemächt eines Mannes aus der Hose hängen. Schwupps, rutschte raus. Und es fiel dem Mann nicht auf, vielleicht wunderte er sich nur über den angenehmen Lufthauch.

Da fragte man sich doch unweigerlich, was Männer unter einer Hotpants überhaupt tragen. Eine Boxershorts geht ja wohl kaum, würde sie doch unter den Stummelbeinen der Hotpants herausschauen. Die Bekannte sah mich an: „Oh Nein, er hatte wahrscheinlich nichts drunter!“ Sie wurde kreidebleich, ein Ton des Ekels kam aus ihrer Kehle.

Was ist das also für ein Mann, der mit Hotpants und Sandalen in ein Leipziger China-Schnell-Restaurant geht, um dort unschuldige junge Frauen zu erschrecken? Die Bekannte ist traumatisiert, wahrscheinlich wird sie nie wieder einem Schnellrestaurant vertrauen können. Erst die Sprossen, nun die Hotpants. Was enttäuscht uns morgen? Das Essstäbchen?

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3 Kommentare zu “Die Kleidungstragik, Teil 2

  1. Zuerst dachte ich, du hättest meinen Kollegen gesehen. Der rennt nur so herum und ist der Lacher der ganzen Firma 😉
    Aber Leipzig ist da bisschen weit weg.

  2. wahrscheinlich hat er nen tanga drunter. hier rennen auch manchmal so exemplare durch die stadt, so mitte 40, anfang 50. wenn ich recht überlege, isses immer derselbe. so rein körpermäßig gibts da eigtentlich zu meckern (son sportler), aber: hot pants sollte mädchen um die 20 vorbehalten sein, die elfenhafte, makellosen beine haben….also, wie du schriebst: maximal 3%, und ich würde das auf weiblich, u 30 beschränken.

  3. So einen ähnlichen gibt es hier auch. Den kenn ich sogar. Hoffentlich triffst du ihn nie hier!

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