Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Das Leid von Mann-zilla

Ein Kommentar

Mir war das nie so klar. Bis in die vergangene Woche war ich der Meinung, dass Männer modetechnisch nur minimal unter Druck stehen. Oder anders: sich nur minimal unter Druck setzen. Die Jeans, ein Shirt und Turnschuhe reichen den meisten Männern, um sich adäquat für den Tag gerüstet zu fühlen. Nun, in der vergangenen Woche unterhielt ich mit der Bekannten dann über eine Modemesse für Männer – und der einen Messe folgte die nächste. So viel sei verraten: Der Trend geht in Richtung Hochwasser und zu eng.

Wer mir das mit dem Hochwasser nicht glauben möchte, dem sei der Artikel nebst Bilderstrecke aus der NZZ ans Herz gelegt: Der Mann von morgen ist Hybrid. . Aber dies hier soll ja keine Presseschau sein und ich bin ja noch viel weniger ein wandelnder Modeblog. Ich bin schon froh, wenn meine Haare nicht den ganzen Tag zu Deiche stehen und meine Schuhe zu meiner Handtasche passen. Ich bin anspruchslos. Der Mann von morgen darf es nicht sein.

Immerhin signalisieren die bundfaltigen Artikel über männliche Mode eines: die Zeiten von lächerlich bedruckten T-Shirts mit Sprüchen wie „Alle wollen nur unser Bestes, aber das geben wir ihnen nicht“ und „Libero als gekocht“ sind vorbei. Vor Freude jauchzend möchte ich das beinahe sagen. Ich bin mehr der Purist. Buchstaben haben auf Kleidungsstücken nur wenig verloren. Allerhöchstens als Mannschaftsname, Spielername und in Form von Sponsoren.

Während wir Frauen uns also seit Jahrhunderten Gedanken um unser Aussehen machen, Lippenstifte mit der Handtasche und die Frisur mit den Schnürrsenkeln abgleichen, blieb den Männern dies erspart. Nun, ein Blaumann kleidet ja auch ungemein. Und ein Fußballdress eben auch. Uniformiert waren sie. Als Strafe droht nun die Hochwasserhose.

Oder das bauchfreie Shirt. Das sieht schon bei 98 Prozent der Frauen nicht gut aus (der Sommer, der Sommer!), bei Männern vermute ich eine doch höhere Zahl: 100 Prozent. Die Bekannte und ich, wir kreischten zumindest einmal laut auf, als wir uns vorstellten, wie die uns bekannten Männer mit einem Shirt zum Biertrinken kommen, das einen Blick auf den Bauch nebst Haaren gewährt. Sehen möchte das doch keiner.

Modische Männer haben es ohnehin nicht leicht. Entweder wird ihr modisches Statement (wir erinnern uns an die Hosen mit Einblick) nicht verstanden, gar als „Gürtel vergessen, oder was?“ bezeichnet. Oder sie gelten als ewig gestrige Metrosexuelle, die noch nicht verstanden haben, dass Metrosexualität schon wieder out ist.

Sowieso: Männer haben es nie leicht – nicht nur, wenn sie modisch versiert sind. Manchmal sollten wir Frauen ihnen Mitleid entgegenbringen – und ein Stück Stoff für die Hochwasserhose. Seitdem die Bild titelte, Tokio-Hotel-Bill sei nun auch vom Aussehen her ein Mann, ja, seitdem müssen die Männer dieser Welt doch verwirrt sein! Denn was sind die Männer, die ich kenne, wenn Tokio-Hotel-Bill ein Mann ist? Der Mann 2.0? Ur-Typen? Mann-zilla?

Schließlich sah der ääh…. eigenwillige Künstler immer noch nicht aus wie das, was ich mir morgens am Frühstückstisch vorstelle. Ein Dreitage-Bart, das hätte jemand der Bild stecken sollen, macht noch keinen Mann. Ein richtiger Kerl, der auf Hochwasser-Hosen pfeift und weiterhin ein Hemd trägt, das seinen Bauch bedeckt – der wird durch einen Dreitage-Bart aufgewertet. Ohne Frage.

Einem Lebewesen, das aber seine Männlichkeit erst noch unter Beweis stellen muss und seine Haare mit dem Schleim ganzer Fischschwärme zu Stacheln formt – ja, dem möchte man dann doch lieber einen Zwieback in die Hand drücken und sagen: „Schab Dir mal die Haare vom Gesicht.“

Um den Bogen zum Beginn zu schlagen und etwas Struktur in dieser unstrukturierten modischen Welt zu schaffen: Liebe Männer, bitte, bitte: Tragt auch kommenden Sommer keine Hochwasser-Hosen, verzichtet bitte auch auf das bauchfreie Shirt. Es gibt Dinge, die will niemand sehen. RTl-Experten, bauchfreie Shirts und Hochwasser-Hosen gehören dazu.

Advertisements

Ein Kommentar zu “Das Leid von Mann-zilla

  1. Hmm, ich bin ja selbst im kleinen Städtchen von zwei sehr modischen Männern umzingelt. Das macht schon Freude anzusehen. Zumal das mit Opa-Brillen aus den 60ern, schmalen (nein, kein Hochwasser!) Anzughosen und in einem Falle türkisen, lila- und orangefarbenen Socken als Alleinstellungsmerkmal sehr gut aussieht. Die beiden Herren um die 40 sind allerdings sehr schlank und sehr durchtrainiert! Ich glaube, das ist dabei Grundvoraussetzung.

    Also der eine hatte auch schon mal ein hochrutschendes T-Shirt an. Nun, ähem, da wurde mein Speichelfluss doch wirklich sehr angeregt …

    Es ist alles eben sehr entweder-oder. Ich gebe zu, hierzulande gibt’s allerdings mehr Nichtssagende als Mode-Opfer. Und jenseits der Grenze gen Osten geht der Trend offenbar zum schlammbraunen Glanzanzug mit zu breiten Schultern und umgeschlagenen Ärmeln. Auch nicht schön!

    Sorry, Sie sehen, ich bin selbst ein Mode-Opfer. Vielleicht gut, dass ich das aufgrund meiner Statur nicht so ungehemmt ausleben kann, wie ich manchmal gern wollte. Das hat mich wahrscheinlich auch schon vor mancherlei weiblicher Modetorheit bewahrt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s