Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Wie finde ich meinen Traummann? Mit der Wäscheklammer!

8 Kommentare

Ich ziehe das Unglück bekanntlich an, wie andere Menschen sich Schuhe anziehen. Ich wundere mich immer wieder, wieso Menschen zu mir Dinge sagen, die sie zu anderen Menschen nie sagen würden. Und warum mir Dinge passieren, die anderen nicht einmal an einem Freitag, dem 13., passieren, während eine Katzenfamilie in schwarz an ihnen vorbeiläuft. Es ist ein kleines Rätsel. Und manchmal schäme ich mich dafür, wenn ich die Dinge erzähle – denn kann diese Häufung wirklich sein?

Aber gestern zum Beispiel. Eigentlich war es gar kein wirkliches Unglück. Es war vielleicht mehr eine kleine Bemerkung, sich sich wieder in meinem Kopf festsetzte und dort Samba tanzte. Ich bin überreflektiert, ohne Frage.

Ich kam auf meinen Balkon und hängte meine Wäsche auf. Eigentlich lege ich sie mir, die Wäsche. Denn ich habe keine Wäscheklammern. Zum einen mag ich Holz nicht anfassen, zum anderen möchte ich mich nicht selber knipsen. Und: Wozu? Die Wäsche hält auch so ganz gut.

Auf dem Nachbarbalkon tauchte plötzlich meine Nachbarin auf. 84 Jahre alt, verheiratet seit 60 Jahren. Missbilligend und mit eindeutigem Stirnrunzeln sah sie auf meinen Wäscheständer: „Aber benutzen Sie denn gar keine Wäscheklammern?“, fragte sie mich. Ich schüttelte den Kopf. „Aber dann sieht die Wäsche doch ganz knisselig aus, wenn sie keine Klammern benutzen“, sagte die Nachbarin. Ehrlich: Ich wusste nicht, dass Wäscheklammern einen anderen Effekt haben, als dass sie die Wäsche festklammern. Sie sind ja Wäscheklammern. Keine Anti-Knissel-Klammern.

Irgendwie musste ich mich entschuldigen – und schrieb schon insgeheim „Wäscheklammern“ auf meine imaginäre Einkaufsliste – als ich zu ihr sagte: „Ich bin ohnehin eine schlechte Hausfrau.“ Die bin ich wirklich. Ich kann nichts. Außer Kochen. Und sie sah mich mit der Weisheit einer alten Frau an und sagte gnädig: „Sie sind ja noch jung. Aber wenn sie endlich einen Mann haben, dann müssen Sie das alles können.“

Ich schluckte schwer. Das mit dem „jung“ war vielleicht noch nett gemeint – aber das „endlich“ und dann „dann müssen Sie das alles können“ – das machte mich fertig.

Ich bin ja – abgesehen von einigen schweren Krisen – ganz zufrieden mit meinem Leben. Ich mag es, am Morgen meine Ruhe zu haben und mich nie vor niemandem rechtfertigen zu müssen. Aber, so sinnierte ich mehrere Stunden lang: Habe ich keinen Mann, weil mir die Unfähigkeit eine Hausfrau zu sein, auf die Stirn geschrieben steht? Neben: „Kann biestig werden“ und „Will nicht angezwinkert werden“? Ist die Wäscheklammer das Geheimelexier für das Liebesglück? Sind alle Frauenzeitschriften sinnlos, weil sie doch nicht wissen, was meine Nachbarin scheinbar schon seit Jahrzehnten weiß: Nämlich dass erst Wäscheklammern eine Frau zu einer vollständigen und aufregenden Frau machen?

Und ich überlegte: Eine zeitlang hatte ich sogar Wäscheklammern. Ich benutzte sie nicht, aber ich hatte sie. Lief es damals mit den Männern besser? Nach einem Martini auf Eis war ich sicher: Ja, es lief besser. Es lief sogar viel besser.

Nach einem weiteren Martini war ich mir da schon gar nicht mehr so sicher. Vielleicht verklärte ich doch einiges. Vielleicht war mein Fehler gewesen, dass ich die Wäscheklammer nicht benutzt hatte, sie nicht an meiner Wäsche haben wollte. Die Wäscheklammer: Eine Metapher für die Männer dieser Welt? Und ich die Wäsche, die geklammert werden muss, damit sie nicht wegwehen kann?

Doch was war dann der Wäscheständer? Und das Waschmittel? Die Welt und …. äääh…. ja? Nach dem dritten Martini beschloss ich, dass die Welt noch nicht bereit sei, für meine allumfassende Theorie der Wäscheklammer. Und strich die Klammern von meiner imaginären Einkaufsliste. Soll die Wäsche doch knitterig sein – mein Gesicht ist es am Morgen ja auch.

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8 Kommentare zu “Wie finde ich meinen Traummann? Mit der Wäscheklammer!

  1. *notier*
    Einkaufsliste:
    – Wäscheklammern
    – Martini
    – mehr Martini

  2. warum magst du kein holz anfassen? (es gibt übr auch plastikwäscheklammern)

    aber ich glaube, ein zusammenhang mit liebesglück und wäscheklammern kann nur scheinkorrelativ sein! aber vielleicht weiß deine nachbarin da mehr!

  3. Die Dame klingt wie meine Oma, die im Geist der 30er bis 50er Jahre erzogen wurde, wonach die Bestimmung einer Frau ist, ihrem angtrauten Gatten ein möglichst bequemes Leben und trautes Familienleben zu ermöglichen, weil er doch so schwer arbeiten muss. Nach ihrer Meinung bekomme ich schon deswegen keinen Mann ab, weil ich zu unordentlich bin, ihren Traum, meine Hochzeit noch zu erleben hat sich seit Jahren aufgegeben und außerdem sind allein die Frauen für die hohe Scheidungsrate in diesem Land zuständig, weil sie einfach nicht mehr zurückstecken können.
    Ich bin so froh, dass es außerhalb meiner Familie die Emanzipation gegeben hat, sonst wäre ich vermutlich schon in ein Kloster eingetreten oder hätte mich umgebracht.

  4. definitive scheinkorrelation. zumindest benutze ich auch keine wäscheklammern. und bin in einer beziehung, sind zwar noch keine 40 jahre, aber wir arbeiten daran. familienstatistisch gilt bei uns eher der umkehrschluss. meine eltern haben zusammen immerhin 5 scheidungen hinter sich und benutzen beide wäschklammern. #bäm

  5. Also, ich benutze auch keine Wäscheklammern. Es sei denn, ich hänge meine Wäsche draußen auf und es stürmt. Dann krame ich die Tüte hervor, die sonst in meinem Abstellraum liegt und auf eben jenen Moment wartet. Und die Knitter-Logik erschließt sich mir irgendwie nicht…. Aber ich bin wahrscheinlich auch keine besonders gute Hausfrau. 🙂

    P.S.: Meine T-Shirts und Pullover trocknen übrigens auf Bügeln. Damit sie nicht knittern. 😉

  6. Aaaah, deswegen habe ich auch noch keinen Traummann gefunden, verstehe!

    Ich habe noch nie Wäscheklammern benutzt, wozu auch, auf meinem Wäscheständer? Kein Wunder, dass es schon damals mit meinem Ehegatten schief gegangen ist…

  7. deine nachbarin ist doof.

  8. Ist sie. Und du bist toll.

    Aaaber… Ich habe früher immer Wäscheklammern benutzt. Dann habe ich den Mate zum Mate bekommen und dann hat er mir die Klammern abgewöhnt. Das finde ich jetzt merkwürdig. Etwa, damit ich keine falschen Zeichen mehr an die Männerwelt sende? Die Theorie ist vielleicht doch ausbaufähig…

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