Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Die Klauen der Fiesigkeit

3 Kommentare

Ich bin ja, und das wird viele nun wundern, weiblichen Geschlechts. Und obwohl ich eher untypisch bin, kommen doch manchmal weibliche Seiten in mir hoch, die mich erschrecken. Dann bin ich auf der Jagd nach Pröbchen, möchte erfahren, wie ich mit 29 wie 25 aussehen kann und ob ich jetzt schon mit einem speziellen Shampoo anfangen muss, damit auch im Alter meine Haare noch luftig-locker aussehen: und nicht alt.

Deswegen war ich am Sonnabend mit zwei Kolleginnen auf einer Beauty-Messe. Ein wenig Bildung hier, etwas mehr Nagellack da – und kein Pressebereich zu finden. Und vor allem: keine Pröbchen. Dafür aber eine interessante neue Entdeckung.

Denn den größten Teil der Messe machte die „Nagel-Abteilung“ aus. Oder neudeutsch und scheinbar verkaufsfördernder „Nails“. Und dafür interessiere ich mich gar nicht. Ich finde Nägel an sich eher unappetitlich und diese langen, künstlichen Krallen sind…äääh. Ja.

Denn einfarbig ist ja eindeutig out. Bunt muss es sein und am besten noch mit Glitzer und Steinen und Ringen und Ketten – und lang. Ich fühlte mich eher an Greifvögel als an Frauen erinnert. Diese Klauen in Papageienfarben – ein Ornithologe wäre bestens aufgehoben gewesen.

Dabei frage ich mich doch: Warum tun sie das? Die Vogelfrauen? Denn: Schön aussehen tut das nicht. Und man kann das doch auch nicht schön finden, oder? Mal ganz davon abgesehen, dass die Kollegin schon recht hatte, als sie fragte: „Wie wischt man sich denn mit den Dingern den Hintern ab?“

Nun habe ich eine Theorie. Es ist mehr eine Überlegung. Denn bis auf meine Beobachtungen auf der Messe habe ich keine empirischen Beweise. Aber mir erscheint meine Theorie beinahe klug. Und dann kann mir irgendeine Statistik meine kurzen Fingernägel runterrutschen. Echt.

Ich teile Frauen mit den langen Fingernägeln in zwei Gruppen auf. Da sind zum einen die, die tatsächlich der Vogelfrauen-Typ „Greifvogel“ sind. Die suchen einen Mann und sobald sie ihn haben, schlagen sie ihre Klauen in seinen Rücken, bis er durch die entstehende Sepsis (Was sich doch für Dreck unter solchen Nägeln ablagern kann!) bewegungsunfähig sind. Dann sind sie, die Männer, leichte Beute. Werden zum Altar geschleppt, feiern danach in einem verrauchtem Saal ihre Hochzeit und wachen fortan jeden Morgen auf und müssen in das Solarium-gegerbte Gesicht des Greifvogels sehen.

Der andere Typ Vogelfrau ist da schon harmloser. Diese Frauen sind meistens schon vergeben – und dazu auch schlimm gelangweilt. Die bunten Krallen sind bei ihnen nur noch das, was das Hexen-Kostüm zum Karneval für die Nagellosen ist: eine Art, sich mal anders zu fühlen, aber nicht anders zu sein. Denn wie eine ebenfalls nicht genau belegbare persönliche Studie zeigt: Die Frauen, die sich Karneval als Hexe (oder als Teufel) verkleiden, sind die Frauen, die ans Telefon gehen, wenn man in einem Versicherungsbüro anruft. Oder beim Steuerberater. Das sind die Frauen, die mit den Körben und dem Lauch durch die Gegend laufen. Wer die bunten Klauen hat, braucht aber eigentlich keinen Einkaufskorb mehr. Die Vogelfrau kann den Lauch auch gleich aufspießen. Immer drupp dat olle Gemüse, möchte man ihr zurufen.

Ich frage mich auch ein wenig, ob diese Frauen überhaupt ein Flugzeug oder ein Fußballstadion betreten dürfen. Immerhin sind diese Nägel reine Waffen. Schnipp-Schnapp hatte ich gestern das Gefühl. Und mit diesem Superkleber, der an einem der Stände angepriesen wurde und scheinbar für den widerlichen Geruch verantwortlich war, halten die auch bestimmt ewig. Man stelle sich vor: die Leipziger Hooligans entdecken die Kraft der bunten Klaue für sich! Oder ein Terrornetzwerk rüstet die Frauen mit den Terror-Krallen aus!

Vielleicht habe ich nun endlich verstanden, was die Waffen der Frauen sind. Ich habe Angst. Und schneide mir mal meine Fingernägel noch kürzer. Möchte nicht in Terror-Hooligan-Verdacht kommen.

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3 Kommentare zu “Die Klauen der Fiesigkeit

  1. Ich bevorzuge es auch, meine Nägel so kurz wie möglich zu tragen, weil die Tasten auf dem Klavier dann nicht so schnell zerkratzen und sich wesentlich angenehmer spielen lassen. Außerdem kommen sie mir beim Gemüseschnippeln oder -reiben nicht in die Quere bzw. in den Salat. Abgesehen von diesen durchaus praktischen Vorteilen kurzer Fingernägel habe ich mich aber schon mal gefragt, ob das Fingernägel kurz schneiden nicht ein Ausdruck meines unterdrückten Selbsthasses und eine schmerzfreie Form der Autoaggression ist. Könnte ein Psychologe das mal klären?

    Um Material für deine Studie zu liefern: Ich habe bisher nur eine Frau (Referendarin, Kreis Dithmarschen, vergeben, ich glaube sogar schon verheiratet oder kurz davor, mit Piepsstimme) mit blau glitzernden, Blümchen und Steinchen verzierten Fingernägeln kennen gelernt. Aussagen zur Persönlichkeit kann ich nicht machen, habe sie schließlich nur einmal auf einem Seminar getroffen.

    Schöne Grüße!

    Hoffe, du hast die Meisterschaft von Lüdenscheid Nord angemessen gefeiert. Ich hab’s ihnen gegönnt und kann das nach gestern Abend auch offen zugeben 🙂

  2. julia! nun kann ich nie wieder irgendwo salat essen, weil ich angst haben muss, dass mir ein künstlicher fingernagel in den mund kommt… bäääh!

    gefeiert: ja. und ich bin nach gestern abend auch sehr froh, dass die saison für bvb-fans und für schalker so schön endete. hat es das schon einmal gegeben?

  3. Klar, 1997: Dortmund gewinnt die Champions League, Schalke den UEFA Cup

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