Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Die sanfte Erotik der tanzenden Worte

5 Kommentare

Die Freundin ist begeistert. Wie ich ist sie Redakteurin. Und wie ich ist sie Single. Einige Zeit schon. Doch eine Untersuchung hat nun ihre – und meine – Hoffnungen geweckt. Denn Männer stehen auf Journalistinnen. Beinahe euphorisch waren wir. Und die Freundin ist sicher: „Die Studie ist seriös. BBC oder so.“

Nun, wir wissen, dass wir toll sind. Unsere Liebesbriefe (wenn wir denn überhaupt welche schreiben würden) wären voller sprachlicher Raffinessen, unsere Erzählungen voller Witz und Anmut – und hallo!!!!? Wir haben den coolsten Job der Welt!

Der geneigte Leser wird erkennen: das war Ironie. Wir sind schon tagsüber mit dem Schreiben so beschäftigt, dass wir natürlich keine Liebesbriefe schreiben würden. Warum auch? Wenn er was von uns lesen möchte, soll er die Zeitung respektive das Internet aufschlagen. Auch in den Worten steckt ein Teil von uns. Romantisch sind wir ohnehin nicht, die Berufserfahrung hat uns gezeigt: Wahre Romantik ist vergänglich und gibt es eigentlich ohnehin nur unter Feuerwehrmännern.

Auch unsere Erzählungen würden mehr langweilen als unterhalten. Was wir zu sagen haben steht geschrieben – und wer interessiert sich für berufliche Einwürfe zu abstürzenden Redaktionssystemen, der Suche nach dem perfekten Kürzel und dem Kampf mit der Dachzeile? Niemand.

Andere Berufe hingegen scheinen wirklich aufregend zu sein und sollten den Männern doch eigentlich besser gefallen. Bleiben wir bei den Akademikerinnen und nehmen die Chemikerinnen: sie können aus Mehl kleine Bomben bauen – und welcher Mann steht nicht auf ein wenig „Booooom“? Gehen wir von den Studierten weg und nehmen die Friseurin. Männer sind eitel – und wenn die Freundin gut frisieren kann, ist doch der Diskoabend schon gerettet. An sich: der Alltag ist gerettet. Wenn ich darüber nachdenke, wie lange der kleine Bruder vor dem Spiegel steht, nur damit es aussieht, als wenn er gerade erst aufgestanden wäre – ein Friseurin kann da doch nur als Zeitersparnis gelten!

Warum also Journalistinnen? Wir leben gefährlich. Selbst im Lokaljournalismus: Eine Kaninchenschau mit Besichtigung des 17 Pfund schweren und rotäugigen Rammlers Egon ist nicht mal eben so. Wenn er da in seinem Kabuff sitzt, die Augen glühend auf einen gerichtet – da weiß selbst ein gestandener Redakteur, dass das letzte Stündchen nun geschlagen haben könnte. Wir arbeiten mehr als neun Stunden am Tag, denken sogar noch nach Feierabend über gute Geschichten nach, bilden uns fort, indem wir jede Spon-Reportage sprachlich auseinandernehmen und dadaistisch wieder zusammensetzen, belauschen im Supermarkt die Menschen vor und hinter uns, nur um vielleicht einen Skandal aufzudecken und produzieren selbst im Traum noch ganze Ausgaben vor.

Und umgekehrt: So nett die Kollegen auch immer sind – die Freundin uns ich können uns nicht vorstellen, einen Berufsgenossen an unserer Seite zu haben. Wir sind Künstler – irgendwie. Und Künstler und Künstler – das ist einfach zu viel (Ausnahmen sollen die Regel bestätigen). Wir zwei – die Freundin und ich – wir wollen einen Fußballer. Aber das geht natürlich nicht. Denn wie die Kollegin in der ostfriesischen Heimat schon feststellte: „Ulle, Du bist zu alt um Spielerfrau zu werden.“

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5 Kommentare zu “Die sanfte Erotik der tanzenden Worte

  1. Mir fallen keine Wörter mehr ein, um deine Texte zu preisen!

  2. Stand in der Studie was von Sozialarbeiterinnen? Wie stehen die auf dem männer-/frauenmarkt?

  3. also als psychologin wird man in einem fort verdächtigt, einen an der klatsche zu haben oder aber, das gegenüber analysieren zu wollen. ersteres ist einem da fast angenehmer…

  4. zum renommee der lehrer sage ich lieber auch nichts…

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