Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Die Wahrheit über Bambi

5 Kommentare

Die Freundin aus Hamburg und ich – wir hassen. Wir tun das aus tiefster Seele, mit einer Leidenschaft, die andere erschreckt, sie in ihren Grundfesten erschüttert. Die Freundin und ich – wir hassen Bambis. Nicht das Rehkitz aus dem Disney-Film (den ich übrigens noch nie gesehen habe), sondern den Typ Frau, der wie ein verschüchtertes Rehkitz durch die Welt wandert, in Wirklichkeit aber die Grazie des Abkömmlings einer Nashorn-Mammut-Familie und den Humor eines Eiswürfels hat. Zwei Gehirnzellen sind bei Bambi besonders gut ausgebildet: die, die zum Täuschen da sind. Und die Männer, die fallen auf Bambi rein.

Ursprung des Hasses ist ein Mensch, den wir eigentlich nur vom Hören-Sagen kennen – irgendwie. Unsere erste Reaktion war: „Wahrscheinlich sind wir nur neidisch.“ Denn auch wenn wir unreflektiert hassen können: im Anfangsstadium sind wir durchaus dazu fähig, unsere Gefühle kritisch zu hinterfragen. Doch je mehr wir hörten, je mehr wir nachdachten – umso mehr waren wir auf Hass programmiert, ereiferten uns immer mehr. Die Wangen wurden rot, die Stimme wurde hektisch.

Bambis sind unfassbar. Sie haben diesen Augenaufschlag, den Frauen als pure Berechnung erkennen können – während Männer zerfliessen, den Blick eines Mondkalbs bekommen und nur noch Sätze wie „Du bist einmalig“ und „Ich finde, Du bist etwas ganz besonderes“ oder „Dein Sanftmut berührt mich“ von sich geben können. Das Bambi sitzt im Kreis, reisst die Augen bis an die Schmerzgrenze auf und generiert sich als unverstandene Künstlerin mit Weltschmerz oder enttäuschte, verlassene Freundin, deren Einsatz noch nie genügend gewürdigt würde. Die Männer sitzen um sie herum, schlagen die Hand vor dem Mund zusammen und nicken ab und zu. Bambis Lächeln zeigt den Männern Dankbarkeit, Frauen erkennen die pure Zeitnot in dem Blick: Hundert Meter weiter wartet schon der nächste Männerhaufen.

Ein wenig ratlos wurden die Freundin aus Hamburg und ich. Wer uns kriegt, der kriegt kein Bambi. In unserer Welt ist das auch gut so. Wir sind stolz darauf, nicht schutzbedürftig wie ein armes Rehkitz zu wirken, aber hinter dem nächsten Baum das arme Lamm mit Kulleraugen zu reissen und innerhalb weniger Sekunden zu fressen. Wir sagen: „Wir stehen auf blutiges Lamm, am besten mit Rotwein.“

Aber in der realen Welt, in der Bambi-Welt, sind wir die Bösen. Weil Bambi den Eindruck vermittelt, den (nicht alle, aber viele) Männer gerne von Frauen hätten: „Ugah, ich Mann, ich beschützen Dich.“ Wir dagegen vermitteln: „Lieber Mann, ich kann auch alleine für mich sorgen, aber bring mal den Müll nach unten, wo Du doch gerade stehst.“ Somit ist es eigentlich unser Fehler. Wir sollten mehr wie Bambi sein.

Die Frage ist natürlich: Wie lange kann Bambi seine Rolle spielen? Denn selbst ein Rehkitz wird irgendwann groß und kann nicht immer so tun, als ob die Baumrinde besser schmeckt als die Wildsau am Weiher.

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5 Kommentare zu “Die Wahrheit über Bambi

  1. diesen artikel solltest du bitte mal an die „emma“ weiterleiten! chakka, recht hast du! jedes bambi ist ein glatter schlag ins gesicht für die emanzipation der frau.

  2. tja, ich mag Bambis:-)

  3. aberw er will schon Männer, die Sätze sagen wie : „Dein Sanftmut berührt mich“ . Da müsste ich kotzend davonrennen (Gut, das würde aufgrund fehlender Sanftmut nie jemand zu mir sagen, aber nichtmal DENKEN darf mann solche Sätze als optionaler Partner!)

  4. Renni ist aber auch das beste Beispiel für gelungene, positive Emanzipation.
    Und ich habe jetzt Hunger auf Lamm. Bambi nehm ich aber auch. Allerdings das Reh, nicht ne Alte mit so grotesken Glupschern 😉

  5. Mein Cousin sagte dazu einmal: „Natürlich durchschauen Frauen das Spiel besser als Männer – weil sie es im Prinzip alle beherrschen. Manche haben es nur nicht nötig….“
    Ich habe mir das Hassen inzwischen abgewöhnt. Ich bemitleide Bambis lieber und wünsche Ihnen insgeheim viel Glück beim Erwachsenwerden… 😉

    PS: Kennst du die „How I met your mother“ – Folge über das „Kleine Mädchen“-Syndrom, in der Barney daran scheitert, zu beweisen, dass das „Kleine Jungs“-Syndrom auch bei Frauen wirkt…ein sehr schönes Bild!

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