Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Kein Artikel, ein Pausenfüller

2 Kommentare

Eigentlich sollte hier heute ein Text über im Zug ausgelebte Profilneurosen stehen. Das habe ich auf meiner Liste stehen. Der Liste, auf der ich sammele, wozu ich mich einmal äußern möchte. Wichtige Punkte werden dort gesammelt. Aber wie soll man luftig leicht über laute Menschen reden, die im Zug für ihre Mitreisenden telefonieren, wenn die Welt gerade gar nicht luftig leicht, sondern luftig beängstigend ist?

Am Tag 5 nach dem Erdbeben, dem Tsunami und der körperlich gewordenen Befürchtung, was mit Atomkraft passieren kann – ja, was soll man da noch schreiben? Ich sitze vorm Fernseher, müsste eigentlich dringend Kartons packen, ausmisten, mich von meinen Freunden verabschieden, Dinge organisieren. Aber ich kann meinen Blick nicht von den Sondersendungen wenden. Zwischendurch rufe ich Spon auf und lese Dinge, die ich nicht fassen kann. Gedanklich nicht ordnen und unterbringen kann.

Dort wird mit Superlativen um sich geworfen, dass ich nur denke: Was wollt ihr sagen, wenn es noch schlimmer werden kann? Denn niemand wird nach den immer furchtbarer werdenden Nachrichten sagen: „Es geht nicht mehr schlimmer.“ Der Balken am unteren Fernsehrand zeigt beinahe stündlich, dass es immer noch schlechter, beängstigender werden kann.

Und trotzdem – und hier bedanke ich mich bei Supersonic, der das Video gestern schon einmal rausgesucht hatte – muss ich, sobald ich Angela Merkel sehe, an Homer Simpson denken. Es gibt diese Folge, wo man hofft, dass er als Experte auf einem Atom-U-Boot eine Bereicherung sein kann. Und er steht da und sagt: „Nukular, das Wort heißt: nukular.“ Wenn Angela Merkel da nun im Fernsehen auftaucht und die Bevölkerung mit dem Wort „Moratorium“ einschüchtert – dann komme ich mir vor wie in einer Realsatire. Sie, die promovierte Physikerin, müsste nur noch den Finger heben und „nukular“ sagen – ich würde meinen Kopf gegen die Wand knallen. Immer wieder. Eigentlich warte ich nur darauf.

Und deswegen gibt es heute keinen Eintrag über Menschen im Zug. Es ist ja auch ein zeitloses Thema. Menschen fahren immer wieder Zug. Und auch in den kommenden Wochen wird es immer wieder Menschen geben, die ihrem krankhaften Geltungsbedürfnis im Zug nachkommen. Darauf kann man warten.

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2 Kommentare zu “Kein Artikel, ein Pausenfüller

  1. ach mir geht es ganz genauso. hier zu hause läuft auch der ard-livestream in der dauerschleife (was besseres haben wir hier nicht) und mich nimmt das alles irgendwie ganz schön mit. es ist das erste mal seit ich lebe, dass ich eine solche katastrophe bewusst und hautnah miterlebe, wenn auch gott sei dank nur aus der ferne und übers fernsehen. ich will gar nicht daran denken, wie sich die armen menschen in japan fühlen müssen… hoffentlich ist wenigstens bald diese schreckliche ungewissheit zu ende.

  2. Ich laufe auch seit Tagen durch die Gegend und denke entweder „nukular“ oder irgendwas anderes, was früher lustig war, heute aber plötzlich so todernst erscheint.

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