Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Das Kreuz am Test

2 Kommentare

Ich mache gerne Psychotests. Nicht, um mich besser kennen zu lernen. Nein, es ist wunderbare Unterhaltung, vertreibt Zeit und Langeweile und stellt einen vor enorme Herausforderungen. Es ist beeindruckend, für welche Themen es alles Tests gibt. Vor kurzem beispielsweise entdeckte ich: „Welcher Stiefeltyp sind Sie?“ Nun: Welcher Stiefeltyp ich bin, habe ich mich noch nie gefragt. Noch nie habe ich mir Gedanken gemacht, wusste nicht einmal, dass es Typen für Stiefeltypen gibt.

Und gleich die erste Frage verwirrte mich. „Welcher Promi ist ihr Stilvorbild“ wurde ich also da gefragt. Als Antworten gab es Sienna Miller, Rihanna, Claudia Schiffer und Olivia Palermo. Und ich fragte mich etwas ganz anderes: „Wer ist Olivia Palermo?“ „Was für Kleidung trägt Claudia Schiffer?“ und „Sienna Miller? Ist das nicht die, die von Jude Law abserviert wurde?“

Ich entschied mich für Claudia Schiffer, weil ich mal ein Bild von ihr in einer Jeans gesehen hatte, verzweifelte bei Frage neun aber an einer Sportart namens Jukari.

Dann, in diesen Momenten, frage ich mich, was ich auf dieser Welt verpasst habe. Ich habe keine Ahnung, welchen Stil Rihanna hat, kenne Jukari nicht und mein Ergebnis – „Reiterstiefel, Sie sind schliesslich eher der unaufgeregte Typ“ – konnte ich auch irgendwie nicht mit mir in Einklang bringen. Denn ich stehe zwar auf „unaufgeregte“ Männer – ich selber bin aber durchaus aufgeregt. Manchmal.

Anderer Fall, anderer Test. „Bevor Sie an einem Freitagabend alleine zu Hause sitzen, gehen Sie…“ – Antwortauswahlen: „alleine ins Kino“, „in die Stammkneipe, ein bekanntes Gesicht wird auftauchen“ oder „Ich plane mein Wochenende schon zwei Wochen vorher, damit mir so etwas nicht passiert.“

Bis zu diesem Test – mit der Hauptfrage „Wie selbstbewusst sind Sie?“ – war mir gar nicht klar, dass es problematisch sein kann, am Freitagabend alleine (!!!) zuhause zu bleiben. Ich empfand es immer als Belohnung für eine anstrengende Woche, wenn ich am Freitagabend von der Arbeit kam, mir etwas zu essen machte, heiß duschte, mir ein Glas Wein (wahlweise eine Flasche Bier oder einen Salbeitee) einschenkte und mich über die Krimisendungen freute, um um kurz nach zehn hundemüde ins Bett zu fallen. Nun. Ich lag falsch.

Ohnehin: Die Antwortmöglichkeiten sind meistens irgendwie nicht für mich gemacht. „Ihre Freundin war am Telefon ganz einsilbig“ stand im obigen Selbstbewusstseins-Test. Nun, ich durfte mir nur aussuchen „Ich habe bestimmt etwas falsches gesagt und schreibe ihr gleich ein paar liebe Worte“, „Sie hatte sicherlich einfach nur einen schlechten Tag“ und „Sie muss an ihren Launen arbeiten. So bekommt sie nie einen Freund“.

Ich wurde zum Fragezeichen. Spontan hätte ich erst einmal gesagt: „Vielleicht hatte sie einen schlechten Tag.“ Dann wurde mir die Falle hinter der Antwortmöglichkeit bewusst und ich fragte mich: „Klingt das nicht gefühlskalt?“ Würde dann in meinem Ergebnis vielleicht stehen: „Sie sind selbstbewusst, haben aber zu sehr sich selbst im Blick und vergessen andere?“ Uaah! Ein Alptraum!

Denn eigentlich macht man Psychotests ja auch ein wenig zur Bestätigung. „Ja, ich bin in einer tollen Beziehung“, „Ja, ich bin Single und glücklich damit“, „Ja, kurze Jeansröcke trage ich mit aufrechtem Kopf“. Da möchte man nichts gemeines hören. Ich zumindest nicht. Da hört die gute Unterhaltung durch Psychotests doch auf und die Unterhaltung wird lästig.

Ganz schlimm sind übrigens Tests wie „Fit für die Partnersuche?“ Da kann das Ergebnis nie zur Zufriedenheit ausfallen. Kommt heraus „Ja, Sie sind fit“, muss man sich doch fragen: „Nun, und warum bin ich dann Single?“ Kommt heraus: „Nein, sind Sie nicht“ muss man sich fragen: „Warum nicht?“ Das Ende vom Lied ist dann eine tiefe Krise.

Es sei denn – natürlich – , man verzweifelt nicht auch bei diesem Test an den Fragen: „Sie werden bei einer Straßenumfrage gebeten, fünf positive Eigenschaften von sich zu nennen.“ Antwortmöglichkeiten: „Ich kann sie recht zügig nennen“, „Nach kurzem Überlegen fallen sie mir schnell ein“ und „Ewig, spontan fallen mir zwei ein.“

Bei Bewerbungsgesprächen fallen mir zwei positive Eigenschaften ein. Und nicht spontan, sondern weil ich sie mir vorher notiert habe und mindestens zehn Stunden darüber sinniert habe. Aber fünf gute Eigenschaften? Und in welcher Welt wird man bei einer Straßenumfrage so etwas gefragt? Ich stelle mir gerade vor, wie meine wunderbare Kollegin von ostfriesentv bei ihrer wöchentlichen Straßenumfrage solche Fragen stellt – und einfach keine Antwort erhält.

Und vor allem: Was hat diese Antwort damit zu tun, ob ich fit für die Partnersuche bin?

Übrigens. Ich bin nicht fit. Gar nicht. Ich soll noch rausfinden, was ich will. Nach dem Test wusste ich immerhin, was ich nicht will: Bei einer Straßenumfrage angesprochen werden.

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2 Kommentare zu “Das Kreuz am Test

  1. Ein Freitag Abend alleine zu Hause ist etwas wunderbares, wenn du mich fragst.

  2. Ich finde so einen Freitag Abend alleine zu Hause auch wunderbar. Wie du schon so schön sagtest – Eine Belohnung für eine anstrengende Woche.

    Zu dem Stiefel-Test – Ich konnte ja nicht anders, weil du so schön verlinkt hast… 😉
    Ich trage laut Test gerne Overknee-Stiefel – zusammen mit ultra-kurzen Miniröcken… 😉 Wenn die Test-Ersteller mal in meinen Schrank gucken würden, würden sie ihre Auswertungsmethode definitiv nochmal überarbeiten. In meinem Schrank gibt es weder das eine noch das andere. Oder vielleicht liegt es an mir selbst – ich kenne mich selbst einfach nicht gut genug. Vielleicht will ich unterbewusst ja genau diese Dinge tragen… Verwirrung…

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