Die Eskapistin

Ich leide unter post-adoleszenter Bettverlustangst

Von Blues-Schlagzeugern und indischem Jazz

2 Kommentare

Ich kann nicht trösten. Wenn Menschen weinen, entwickele ich Mann-ähnliche Verhaltensweisen und falle in eine Schockstarre. Wo Freundinnen sofort aufspringen, um tröstend den Arm um das heulende Elend zu schlingen, liebevolle Dinge zu flüsten und die Hand in kreisenden Bewegungen über den Rücken schieben – schweige ich, sitze da und weiß gar nicht, was ich sagen soll. Dann reisse ich einen Witz. Oder auch zwei. Zumindest versuche ich. Andere Gedanken können nicht schlecht sein. Denke ich.

Ich finde keine tröstenden Worte für Menschen. Weil Phrasen mir zuwider sind und ich das Gefühl habe, dass ein „Es tut mir leid“ hohl klingt – selbst, wenn ich es so meine. Aber mir neue, wundervolle Wortgebilde ausdenken geht auch nicht. Siehe oben. Schockstarre. Mein Kopf wird dann ganz leicht und vor allem: leer.

Also versuchte ich, abzulenken. Das mögen natürlich nicht alle. Klingt nach: Deine Probleme interessieren mich nicht, ich erzähle nun ein paar Witze, versuche, Dich zum Lachen zu bringen.

Aber da ist schon das nächste Problem: der Humor. Gestern bekam ich eine Mail. „Erzähl mir was lustiges“, sagte der mir sehr liebe Email-Schreiber. Lustig? Ich – und den ein oder anderen wird es sicherlich wundern – bin überhaupt nicht humorig. Mir geht jeder Sinn für Humor ab. Ich lache über Dinge, über die lacht sonst niemand. Und ich finde Dinge langweilig – die andere begeistern.

Vor kurzem beispielsweise: Ich sollte für meine Mutter Karten besorgen. Für – und ich musste es mir aufschreiben – Kaja Yana (der heißt so? Wird so geschrieben?). Und ich fragte: „Was macht der für Musik?“ Ich war irritiert, hätte ich doch nicht gedacht, dass meine Mutter und mein Stiefvater auf ein Konzert gehen. Und dann noch der Name: Klang nach Jazz mit indischem Einschlag und intellektuellem Schein. Es wunderte mich, dass meine Mutter so etwas ihrem Verlobten schenken wollte. Nun, ich wurde eines besseren belehrt. „Der Mann ist Komiker“, sagte mein Bruder. Ich blickte ihn an: „Aha.“ „Guckst Du denn gar kein Fernsehen?“, fragte der Bruder mich. Ich nickte: „Doch.“ „Der hat eine Show auf Sat1…“ Dann nannte mein Bruder mir noch eine ganze Batterie mit witzigen Menschen, die ich alle nicht kannte – oder irrtümlicherweise für Jazz-Gitarristen gehalten hatte.

Trösten konnte mich niemand. Als mir klar wurde, dass ich – und auch den Namen musste ich mir notieren – Paul Panzer für irgendeinen Blues-Schlagzeuger gehalten und bei irgendeinem Smalltalk was von „beeindruckendem Soli“ gemurmelt hatte – da begrub mich meterdicke Scham.

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2 Kommentare zu “Von Blues-Schlagzeugern und indischem Jazz

  1. Paul Panzer, ist das nicht der, der in England das Supertalent geworden ist, so mit Oper und so? 😉
    Nicht schämen, Universalgenies sind ausgestorben und du musst deshalb auch keins sein und die Aufforderung, was Lustiges zu erzählen, ist doch ziemlich anspruchsvoll… Wie soll man da jedem gerecht werden?

    • hah! danke! und da ich musikalisch nun einiges gewohnt bin (nasenflöten, julia – nasenflöten!!!), dachte ich bei einem namen wie „paul panzer“ eben an musik. vielleicht noch einen general mit künstlernamen. aber wat anderes? neeej!

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